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Früherer Ki.Ka-Manager muss fünf Jahre ins Gefängnis

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Betrugsskandal  

Früherer Ki.Ka-Manager muss ins Gefängnis

06.07.2011, 10:46 Uhr | dpa, t-online.de - mmr, dpa, t-online.de

Urteil im bislang größten Betrugsskandal im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der frühere Herstellungsleiter des ARD/ZDF-Kinderkanals (Ki.Ka) muss für fünf Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Erfurt verurteilte den 44-Jährigen Marco K. wegen Bestechlichkeit und Untreue. Der einstige Ki.Ka-Manager hatte gestanden, mit Scheinrechnungen bei dem Erfurter Sender eine Millionensumme veruntreut zu haben - das Geld verzockte er zum großen Teil im Casino. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Spielsucht als strafmildernd anerkannt

Als strafmildernd werteten die Richter das Geständnis des Angeklagten und seine Spielsucht, die ein ausschlaggebender Faktor für die Tat gewesen sei. Die Verantwortung liege dennoch in erster Linie bei dem Ki.Ka-Manager selbst, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Schneider. "Die Taten haben Sie sich ausgedacht und über Jahre geschickt eingefädelt." Der 44-Jährige solle zügig eine Therapie beginnen, appellierte Schneider.

Staatsanwaltschaft forderte noch höhere Haftstrafe

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Haftstrafe von sechs Jahren und acht Monaten gefordert, die Verteidigung wegen Untreue dagegen auf eine Freiheitsstrafe von nicht mehr als dreieinhalb Jahren plädiert. Sie gab dem federführenden MDR eine erhebliche Mitschuld: Es habe faktisch kein internes Kontrollsystem gegeben, kritisierte Verteidigerin Doris Dierbach in ihrem Schlusswort.

Mit dem Urteil sei ein weiterer wichtiger Schritt zur Aufarbeitung des Betrugsfalles getan worden, sagte Steffen Kottkamp, Ki.Ka-Programm-Geschäftsführer, in einer ersten Reaktion. Nun könne man sich wieder mit ganzer Kraft den eigentlichen Aufgaben zuwenden, nämlich ein gutes Kinderprogramm zu machen.

Jahrelang unbemerkt Gelder abgezweigt

Verteidigerin Dierbach erklärte, der Umstand, dass der Angeklagte über Jahre unbemerkt Gelder abzweigen konnte, sei ein Ansehensverlust für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den sich der MDR selbst zuzuschreiben habe. Auch der langjährige Programmgeschäftsführer des Kinderkanals und jetzige NDR-Fernsehdirektor Frank Beckmann sei seiner Verantwortung nicht nachgekommen, sagte Dierbach. Hinweise auf häufige Spielbankbesuche hätten dem Vorgesetzten Alarmzeichen seien müssen. Zugleich habe das Erfurter Casino versäumt, den Angeklagten zu sperren. "Es gab viele Stellen, die die Augen fest verschlossen hatten", sagte die Verteidigerin.

Auch Staatsanwalt Frank Riemann erklärte, Schwachstellen bei internen Kontrollen und die Strukturen beim Ki.Ka hätten die kriminellen Machenschaften begünstigt. Der Angeklagte habe außerdem eine erhebliche kriminelle Energie zur Verschleierung seiner Taten an den Tag gelegt. "Er hat sich ständig für die Verletzung seiner Dienstpflicht bezahlen lassen", sagte der Staatsanwalt. Zugleich habe er einen aufwendigen Lebensstil mit zwei Wohnungen, Reisen und VIP-Karten gepflegt.

Millionenschaden für den MDR

Der Angeklagte hatte eingeräumt, von 2005 bis 2010 Rechnungen von 4,6 Millionen Euro ohne Gegenleistung zur Zahlung an eine Berliner Produktionsfirma angewiesen zu haben. Das Geld teilte er sich nach eigener Aussage mit der inzwischen insolventen Firma. Der MDR geht seit 2002 von einem Schaden von 8,2 Millionen Euro aus. Die früheren Fälle sind juristisch jedoch verjährt. Der frühere Ki.Ka-Manager gab ein notariell bekundetes Schuldanerkenntnis in Höhe von 6,7 Millionen Euro ab. "Das Spielen hat meine wirtschaftliche Existenz ruiniert", sagte er abschließend vor Gericht und entschuldigte sich erneut für seine Taten.

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