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Amazon: Günter Wallraff kritisiert "grausamste Arbeitsbedingungen"

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Wallraff kritisiert "grausamste Arbeitsbedingungen" bei Amazon

18.02.2013, 19:04 Uhr | dapd, dpa-AFX, t-online.de

Amazon: Günter Wallraff kritisiert "grausamste Arbeitsbedingungen". Die Arbeitsbelastung im Versandhandel kennt Enthüllungsjournalist Günter Wallraff aus Undercover-Einsätzen (Quelle: dpa)

Die Arbeitsbelastung im Versandhandel kennt Enthüllungsjournalist Günter Wallraff aus Undercover-Einsätzen (Quelle: dpa)

Der wegen seiner Personalführung kritisierte Versandhändler Amazon erhält nun auch Schelte vom Kölner Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff. "Mir sind mehrfach von dort Beschäftigten grausamste Arbeitsbedingungen geschildert worden", sagte Wallraff der Nachrichtenagentur dpa. Das betreffe vor allem Saison- und Leiharbeiter. Amazon hat mittlerweile dem beauftragen Sicherheitsunternehmen gekündigt.

Diabetes-Medikamente sind verboten

Aus Zuschriften von Betroffenen gehe hervor, dass diese von Kameras überwacht, schon bei kleinen Verschnaufpausen zum Vorgesetzten zitiert würden und mit Repressalien rechnen müssten. "Über die Arbeiter wird verfügt wie über Leibeigene." In Einzelfällen durften Wallraff zufolge Medikamente, die etwa Diabetiker brauchten, nicht mit ins Lager genommen werden.

"Unzumutbare Zustände auf breiter Front"

Der 70 Jahre alte Autor sagte, er recherchiere seit längerem in der gesamten Paket- und Zustellerbranche und sei auf breiter Front auf unzumutbare Zustände gestoßen. Wallraff hatte 2012 nach Recherchen und eigenen Undercover-Einsätzen "Menschenschinderei mit System" beim Paketzusteller GLS kritisiert. Die Firma hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Das ebenfalls kritisierte Unternehmen Hermes hatte dagegen Verbesserungen für die eigenen Zusteller angekündigt.

Amazon war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, nachdem eine ARD-Dokumentation über schlechte Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern aus dem Ausland bei dem Versandhändler in Deutschland berichtet hatte. Die Amazon-Aktie gab am Montag zwischenzeitlich um zwei Euro oder 0,8 Prozent nach.

Am Wochenende hatte sich Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in die Debatte eingeschaltet und der Leiharbeitsfirma, die mit Amazon zusammenarbeitet, mit einem Lizenzentzug gedroht. Amazon hatte angekündigt, die Vorwürfe zu prüfen.

Ergebnisse einer Sonderprüfung in dieser Woche

Es wird außerdem ein Sonderprüfbericht der Bundesagentur für Arbeit erstellt, der sich mit der betroffenen Leiharbeitsfirma beschäftigt. Ergebnisse soll es bereits im Laufe der Woche geben, sagte eine Sprecherin von von der Leyen.

Die Gewerkschaft Ver.di kämpft derweil um höhere Löhne für die fest angestellten Amazon-Beschäftigten. An den Standorten Leipzig und Bad Hersfeld in Hessen hätten erste Gespräche mit dem US-Unternehmen stattgefunden, berichtete der Frankfurter Ver.di-Sekretär Bernhard Schiederig. Ver.di verlangt, dass Amazon den Flächentarifvertrag für den Einzelhandel anerkennt. Bislang orientiere sich das nicht tarifgebundene Unternehmen am Tarifvertrag für die Logistikbranche mit geringeren Stundenlöhnen.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Sicherheitsdienst

Indes ermittelt die Staatsanwaltschaft Fulda gegen zwei Mitarbeiter des Amazon-Sicherheitsdienstes Hensel European Security Service (H.E.S.S.) aus Kassel. Es bestehe ein Anfangsverdacht der Nötigung und der Freiheitsberaubung, sagte ein Sprecher. Die beiden Männer sollen einen Redakteur des Hessischen Rundfunks (HR) an der Abreise aus einem Hotel im Kirchheim (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) gehindert haben.

Amazon kündigt umstrittenem Sicherheitsdienst

Der US-Konzern hat mittlerweile die Zusammenarbeit mit H.E.S.S. beendet, dem Medienberichten zufolge Verbindungen zur rechten Szene nachgesagt werden. "Amazon hat veranlasst, dass die Zusammenarbeit mit dem kritisierten Sicherheitsdienst mit sofortiger Wirkung beendet wird", sagte eine Sprecherin und bestätigte damit einen Bericht von "sueddeutsche.de".

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