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Hartz IV: Der Mythos vom faulen Empfänger

15.04.2013, 14:51 Uhr | t-online.de - sia mit dpa-AFX

Hartz IV: Mythos vom faulen Empfänger widerlegt. Hartz-IV-Empfänger - faul und unmotiviert? (Quelle: images/Neudert)

Hartz-IV-Empfänger - faul und unmotiviert? (Quelle: images/Neudert)

Hartz-IV-Bezieher wollen gar nicht arbeiten - das glaubt nach einer Umfrage des Allenbach-Instituts mehr als jeder dritte Deutsche. Doch das Bild vom faulen Arbeitslosengeld-II-Empfänger, der sich in der sozialen Hängematte ausruht, stimmt nicht. Eine Studie, die unter die Lupe genommen hat, wie arbeitswillig die Betroffenen tatsächlich sind, räumt mit alten Vorurteilen auf. Die Jobsuche scheitert demnach meist nicht an mangelnder Motivation.

Bundesagentur für Arbeit spricht von Einzelfällen

Empfänger der Grundsicherung, die gar nicht an einem Job interessiert sind, sind für Heinrich Alt, den Vorstand der Bundesagentur für Arbeit (BA), Einzelfälle. "Meiner Meinung gibt es nur wenige Menschen, denen es ohne Arbeit gut geht. Und das meine ich nicht nur unter finanziellen Gesichtspunkten", sagte Alt der "Welt".

Auch die 2012 auf die Rekordhöhe von mehr als einer Million gekletterten Sanktionen gegen Hartz-IV-Bezieher seien dafür kein Indiz: In den wenigsten Fällen seien Hartz-IV-Zahlungen gekürzt worden, weil Betroffene einen Job oder eine Ausbildung abgelehnt hätten, erläuterte Alt.

Viele sind bereits in einer Tätigkeit

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt im Detail, wie es um die Arbeitsbereitschaft der Hartz-IV-Empfänger bestellt ist. Demnach waren fast 30 Prozent der 15- bis 64-Jährigen bereits in einem Job, die meisten gingen einem Minijob nach. Zehn Prozent befanden sich in der Ausbildung, ebenfalls zehn Prozent steckten in einer Fördermaßnahme der Jobcenter. Mit der Betreuung von kleinen Kindern waren knapp zwölf Prozent beschäftigt, fast sieben Prozent kümmerten sich um pflegebedürftige Angehörige. All diese Gruppen - insgesamt etwas weniger als 70 Prozent - sind nicht dazu verpflichtet, sich eine Arbeitsstelle zu suchen.

Trotzdem ist die Arbeitsmotivation der Leistungsempfänger laut deren Selbsteinschätzung durchaus hoch - und übersteigt sogar moderat die von Personen, die keine Grundsicherung erhalten. Demnach halten 76 Prozent der Umfrageteilnehmer die Arbeit für das Wichtigste im Leben, 80 Prozent gaben an, auch arbeiten zu wollen, wenn sie das Geld nicht brauchen würden.

350.000 suchen nicht nach Job

Problematisch scheint die Arbeitssuche zu sein: Nur knapp zwei Drittel erklärten nach Angaben des IAB, in den letzten vier Wochen nach einem Job gesucht zu haben, darunter 350.000 Hartz-IV-Empfänger, die sich um einen Job hätten bemühen müssen und nicht den oben genannten Tätigkeiten nachgingen. Sie gaben vorwiegend gesundheitliche Gründe für ihre Passivität an, eine weitere Ursache sei Entmutigung gewesen, erklärten die Studien-Autoren.

Fehlende Arbeitsmotivation ist ihrer Meinung nach den wenigsten der nicht um eine Stelle bemühten Befragten vorzuwerfen. Diese hätten beispielsweise argumentiert, ihre finanzielle Lage würde sich durch eine Arbeit nicht verbessern. Im Gespräch mit der "Welt" betonte Alt: "Ich treffe in den Jobcentern Menschen, die sagen, dass das Herumsitzen sie krank macht, die das Gefühl vermissen, gebraucht zu werden und die so sehr auf ein Erfolgserlebnis hoffen."

Fast jeder Dritte ist "Aufstocker"

Nach aktuellen Zahlen der Universität Duisburg-Essen ist im Übrigen fast jeder dritte Hartz-IV-Empfänger ein sogenannter Aufstocker, dessen Arbeitseinkommen nicht für den Lebensunterhalt reicht. Etwa 1,3 Millionen dieser Niedrigstverdiener habe es im Jahr 2012 gegeben, berichtete das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität. Ihr Anteil an allen erwerbsfähigen Leistungsempfängern habe damit 30,4 Prozent ausgemacht.

Von den Aufstockern seien 44 Prozent sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen, mehr als jeder Zweite von ihnen sogar mit einer Vollzeitstelle. Unter den Aufstockern finden sich außerdem Minijobber und Selbstständige. Das Institut hat Daten aus der Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. Für die Studie "ALG-II-Bezug ist selten ein Ruhekissen" wurden Befragungen von Arbeitslosen im Rahmen des Panels "Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung“ (PASS) ausgewertet.

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