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Öffentlicher Dienst: Jobs ohne Befristung ein Traum?

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Öffentlicher Dienst: Jobs ohne Befristung ein Traum?

29.05.2013, 10:57 Uhr | oca, t-online.de, dpa-AFX

Öffentlicher Dienst: Jobs ohne Befristung ein Traum?. Viele Akademiker erhalten im öffentlichen Sektor nur eine befristete Stelle (Quelle: dpa)

Viele Akademiker erhalten im öffentlichen Sektor nur eine befristete Stelle (Quelle: dpa)

Im Fall eines Wahlsiegs will Rot-Grün den Missbrauch auf dem Arbeitsmarkt stärker bekämpfen. Dann soll die Möglichkeit, Arbeitsverträge ohne Grund auf zwei Jahre zu befristen, eingeschränkt werden. In der Tat: Der Trend zu Arbeitsverhältnissen auf Zeit ist ungebrochen. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist mit 2,7 Millionen befristet Beschäftigten - einer Million mehr als vor zehn Jahren - ein neuer Höchststand erreicht. Doch wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet, drängt auch der Staat sein Personal in Zeitverträge.

Fast jeder dritte junge Akademiker in Deutschland (29 Prozent) hat einen befristeten Arbeitsvertrag. Besonders betroffen ist der wissenschaftliche Nachwuchs an den Hochschulen: 80 Prozent der 25 bis 29 Jahre alten Akademiker, die 2011 an einer Universität, Akademie, Fach- oder Verwaltungshochschule beschäftigt waren, hatten nur einen Zeitvertrag, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im Durchschnitt aller Erwerbstätigen dieser Altersgruppe - Akademiker und Nicht-Akademiker - war es jeder Fünfte (17,2 Prozent).

Die Beschäftigung über Zeitverträge ist von Branche zu Branche unterschiedlich: So betrug die Befristungsquote der 25- bis 29-jährigen Akademiker bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern sieben Prozent, in der Industrie lag sie bei elf Prozent und in der öffentlichen Verwaltung bei 29,2 Prozent.

Zahl der befristeten Neueinstellungen überdurchschnittlich hoch

Laut IAB habe der der öffentliche Dienst als Arbeitgeber bereits vor zwei Jahren in besonderem Maße befristete Arbeitsverträge genutzt, schreibt die "FAZ". Mehr als 70 Prozent hätten keinen Dauerarbeitsplatz mehr. Der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt läge bei 50 Prozent und in der Industrie sogar weniger als 40 Prozent.

Kritik an befristeten Verträgen kommt auch von der Ver.di. Nach Einschätzung der Gewerkschaft sind Zeitverträge nicht nur ein Problem in der Wirtschaft. Deswegen verzerre es die Realität. "Wir haben aber den deutlichen Eindruck, dass das Problem im öffentlichen Dienst besonders ausgeprägt ist“, sagte Onno Dannenberg, tarifpolitischer Bereichsleiter beim Ver.di-Bundesvorstand, der "FAZ".

Zudem sieht Ver.di eine systematische Entsicherung seit der Lockerung der Befristungsregeln durch die rot-grüne Koalition. Auch die Gewerkschaft fordert laut Zeitung ein arbeitspolitisches Umdenken - vor allem mit dem Ziel, dem Staat Zügel anzulegen.

Expertin: Risiko wird auf Mitarbeiter geschoben

Flexible Arbeitsverhältnisse würden zunehmend genutzt, um die Risiken einseitig auf die Arbeitnehmer abzuwälzen, sagte derweil Brititte Pothmer, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, im Gespräch mit der "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ). Die Expertin forderte, die Möglichkeit der Befristung auf maximal zwei Jahre "ohne Sachgrund" müsse gestrichen werden.

Befristete Beschäftigung bedeute häufig geringe Bezahlung, ein hohes Risiko, arbeitslos zu werden, und schlechte Weiterbildungschancen, kritisierte Pothmer in der "HAZ". "Der Zweck, über die Befristung kurzfristig Spitzen im Arbeitsaufkommen abzufedern oder zeitlich begrenzt Personal zu ersetzen, gerät zunehmend in den Hintergrund."

EuGH hat grünes Licht für Kettenarbeitsverträge gegeben

Ende Januar hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) befristete Kettenarbeitsverträge auch über viele Jahre hinweg grundsätzlich erlaubt (Az.: C-586/10). Voraussetzung dafür ist allerdings ein "sachlicher Grund", zum Beispiel ein ständiger Vertretungsbedarf.

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