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So nutzen Unternehmen Job-Lästerportale

22.07.2013, 10:57 Uhr | dpa, t-online.de

Personalsuche: So nutzen Unternehmen Job-Lästerportale . Das Arbeitgeberbewertungsportal "Kununu" ist auch für Unternehmen interessant (Quelle: dpa)

Das Arbeitgeberbewertungsportal "Kununu" ist auch für Unternehmen interessant (Quelle: dpa)

Auf Bewertungsportalen im Internet können Mitarbeiter inzwischen kundtun, was sie vom Chef halten und welche Erfahrungen sie bei ihren Arbeitgebern gemacht haben. Manchmal fällt das Online-Urteil der Nutzer nicht gerade schmeichelhaft aus. Statt sich aber über die Lästereien im Web zu ärgern, machen einige Unternehmen jetzt aus der Not eine Tugend - und nutzen die Websites, um neue Kollegen anzulocken.

Widersprüchliche Einträge

Es klingt nach einem Horrorjob. Von "schlechter Arbeitsatmosphäre" und "frustrierten Mitarbeitern" ist die Rede, ebenso wie von einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft" und "mehr Schein als Sein". Viel attraktiver lesen sich dagegen diese Jobbeschreibungen: "Interessante Aufgaben in einem internationalen Umfeld" und "sehr flexible Arbeitsumgebung, super Kollegen".

Kaum zu glauben: Alle diese Einträge im Arbeitgeberbewertungsportal "Kununu" beziehen sich auf denselben Konzern - Bosch. Ähnlich wie Hotels oder Cafés können Nutzer auf entsprechenden Portalen auch ihrem Chef ein Zeugnis ausstellen. Aber auch die Unternehmen mischen inzwischen mit und setzen die Läster-Foren als Recruiting-Instrument ein.

Bosch zahlt für eigenes Profil

"In erster Linie sehen wir es als Chance, uns hier als attraktiver Arbeitgeber zu platzieren", sagt Bosch-Personalmarketing-Chefin Vera Winter. Der Technikriese reagiert auf Portalen wie "Kununu" und "Jobvoting" nicht nur direkt auf Kritik. Der Technologie-Konzern zahlt dort auch für ein eigenes Profil, auf dem er Ansprechpartner für Bewerbungen nennt oder Vorteile für Mitarbeiter anpreist.

"Kununu" (Umsatz 2012: 1,9 Millionen Euro) gehört seit Jahresbeginn zum Karriere-Netzwerk Xing und finanziert sich über solche Bezahlprofile von Firmen. 700 Unternehmen lassen sich derzeit den Auftritt dort schon etwas kosten. Je nach Größe können dafür bis zu 1095 Euro monatlich fällig werden, sagt "Kununu"-Sprecherin Tamara Frast. Seit 2012 läuft das Portal mit diesem Geschäftsmodell profitabel.

Bezahl-Pakete für knapp 600 Euro im Jahr

Beim ersten deutschsprachigen Portal "Jobvoting", das sich explizit sowohl an Beschäftigte als auch Arbeitgeber richtet, sind Firmen mit 590 Euro im Jahr für ein sogenanntes Premium-Paket dabei. Dafür bekommen sie unter anderem das Siegel "Empfohlener Arbeitgeber" und können Imagevideos auf der Seite platzieren.

"Jobvoting" finanziert sich nach eigenen Angaben neben Werbeeinnahmen vor allem aus solchen Bezahl-Paketen. Konkrete Zahlen will das Portal nicht nennen. Betreiber Ronny Skrzeba sagt aber: "Die Umsätze sind fünfstellig, der Gewinn positiv."

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Bewertungen beeinflussen viele Nutzer

Und die Firmen wissen, warum sie investieren: Inzwischen liest jeder vierte Internetnutzer Bewertungen von Arbeitgebern im Netz, wie eine Studie des Branchenverbands Bitkom ergab. Zwei Drittel der Nutzer, die dabei tatsächlich den Job wechseln wollten, ließen sich demnach durch die Bewertungen beeinflussen.

Manche Firmen schießen dabei aber auch übers Ziel hinaus - und schönen die Einträge, um besser wegzukommen, wie Social-Media-Experte Henner Knabenreich sagt. Knabenreich berät Unternehmen beim Personalmarketing im Netz und hat dabei hinter vorgehaltener Hand von den zweifelhaften Praktiken gehört.

Mit geschönten Beiträgen ins Fettnäpfchen

"Man kann da definitiv ins Fettnäpfchen treten", warnt er. "Das ist kaum glaubwürdig." Wer auf Lästerportalen Fachkräfte locken wolle, müsse anders vorgehen. "Es gibt ganz viele Mitarbeiter, die einem Unternehmen loyal ergeben sind", sagt der Experte. "Die muss man versuchen zu erreichen."

Ebenso wie Cafés oder Friseure ihre Kunden und Bewertungen im Netz bitten, gibt es derzeit etwa bei Siemens Überlegungen, nach Bewerbungsgesprächen aktiv auf Bewertungsportale hinzuweisen. "Die Portale spielen zunehmend eine Rolle", sagt ein Siemens-Sprecher. "Es ist ein weiterer Kanal, um Kontakt mit potenziellen Bewerbern aufzunehmen."

Löschanträge werden ignoriert

Auch offene Stellen hat der Elektroriese auf "Kununu" ausgeschrieben. Immer wieder gibt es allerdings auch Firmen, die die öffentliche Kritik nicht so gern sehen. "Löschanträge bekommen wir einige", sagt Tamara Frast. Angenommen werde aber kein einziger. "Da sind wir unbestechlich."

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