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US-Gerichtsurteil: "Zu sexy" als Kündigungsgrund zulässig

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Arbeitsrecht  

US-Gerichtsurteil: "Zu sexy" als Kündigungsgrund zulässig

28.07.2013, 11:31 Uhr | Spiegel Online

Zu sexy für den Job: Ein Zahnarzt im US-Bundesstaat Iowa feuerte seine Assistentin, weil er sie zu attraktiv fand und angeblich um seine Ehe fürchtete. Die Frau klagte dagegen - und verlor vor dem durchweg männlich besetzten Gericht.

Der Fall sorgte weit über die Grenzen Iowas und der USA hinaus für Aufsehen: Zehn Jahre lang hatte Melissa Nelson als Zahnarzthelferin für James Knight gearbeitet, in seiner Praxis in der Kleinstadt Fort Dodge im US-Bundesstaat Iowa. Nelson sei "die beste Assistentin" gewesen, die er je hatte, sagte Knight, doch von einem Tag auf den anderen feuerte er sie. Sein Geschäft, seine Ehe und das Wohl seiner Familie seien bedroht, Nelson sei einfach "unwiderstehlich".

Klage wegen sexueller Diskriminierung

Nelson war in Tränen ausgebrochen, schließlich hatte sie sich bei der Arbeit nie etwas zuschulden kommen lassen. Zu sexuellen Kontakten war es nie gekommen, die junge Frau und verheiratete Mutter klagte gegen ihre Entlassung. "Das ist nicht fair", sagte sie damals, "ich habe immer prima meinen Job gemacht." Es liege eine sexuelle Diskriminierung vor, argumentierte sie. Ein Mann wäre an ihrer Stelle nicht entlassen worden.

Nach neun Jahren hatte Knight offenbar das erste Mal gemerkt, dass ihn die angeblich hautenge Kleidung seiner Assistentin von der Arbeit ablenke. Er schrieb ihr anzügliche SMS-Botschaften: "Wenn sich meine Hose wölbt, wissen Sie, dass Ihre Klamotten zu knapp sind." Knight glaubte ernsthaft, dass er Melissa nicht mehr länger widerstehen könne und eine Affäre begonnen hätte.

Auch Berufungsklage verloren

Schon in der ersten Instanz hatte das durchweg männlich besetzte Gericht zugunsten des Zahnarztes entschieden. Jetzt hat das Oberste Gericht von Iowa die Berufungsklage verhandelt. Die männlichen Richter folgten dabei der Vorinstanz: Führungspersonen dürfen Angestellte entlassen, die ihnen als Bedrohung der eigenen Ehe erscheinen, wie das Gericht in der Urteilsbegründung schrieb. Weiter hieß es: bei der Entlassung spielten die Gefühle des Arztes, nicht das Geschlecht der Gehilfin die Hauptrolle.

Damals hatte die Ehefrau des Zahnarztes, die ebenfalls in der Praxis arbeitete, die Entlassung verlangt. Sie hatte auf dem Handy ihres Mannes SMS-Nachrichten gefunden, die sich Knight und Nelson nach Dienstschluss geschickt hatten.

Über unregelmäßiges Sexleben beschwert

Offenbar hatten der Arzt und seine Assistentin recht offene Gespräche geführt: Als sich Nelson über ein unregelmäßiges Sexleben mit ihrem Mann beschwerte, beschrieb Knight seine Gefühlslage so: "Das ist, als habe man einen Lamborghini in der Garage stehen, den man nicht fahren darf." Der Arzt machte die Assistentin zudem wiederholt mit unmanierlichen Sprüchen darauf aufmerksam, dass ihm ihre Kleidung zu freizügig sei.

Die Anwältin Nelsons bezeichnete das Urteil als bar jeglichen Verständnisses für Frauen. "Eine solche Entscheidung kommt zustande, wenn die Richter abgeschottet von der Realität einer Frau in der Arbeitswelt agieren." Das Urteil zeige zudem, dass Gerichte in den USA mit Leuten aus allen Schichten, allen Rassen und beider Geschlechter besetzt werden müssten, sagte Fiedler.

Das Urteil eröffne Männern zudem einen Weg, sich vor Klagen wegen sexueller Belästigung zu schützen, indem die belästigte Angestellte einfach gefeuert werde, sagte Fiedler. "Melissas Leben ist für immer verändert, sie hat ihre Stelle verloren, eine Welt ist für sie zusammengebrochen - nur weil ihr Chef befürchtete, sich nicht kontrollieren zu können."

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