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Bundesarbeitsgericht: Kündigung auf Verdacht bei Azubis zulässig

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Bundesarbeitsgericht  

Kündigung auf Verdacht bei Azubis zulässig

12.02.2015, 17:59 Uhr | dpa

Bundesarbeitsgericht: Kündigung auf Verdacht bei Azubis zulässig. Ein Azubi stand im Verdacht, 500 Euro gestohlen zu haben. Ihm durfte gekündigt werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Ein Azubi stand im Verdacht, 500 Euro gestohlen zu haben. Ihm durfte gekündigt werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Es war nur ein Verdacht, aber er genügt für die Kündigung eines Auszubildenden. Das Bundesarbeitsgericht in Erfurt bestätigte heute höchstrichterlich, dass eine Genossenschaftsbank einem Azubi die Lehrstelle fristlos kündigen durfte, nachdem 500 Euro im Nachttresor gefehlt hatten.

Der heute 25-Jährige hatte einen Griff in die Kasse bestritten. Die Bundesarbeitsrichter entschieden aber, dass auch Lehrlinge - die sonst per Gesetz einen besonderen Kündigungsschutz genießen - beim dringenden Verdacht schwerer Pflichtverletzungen ihren Job verlieren können (Az.: 6 AZR 845/13).

Allerdings zogen die obersten Arbeitsrichter auch Grenzen für den Rauswurf auf Verdacht. So seien die Besonderheiten des Lehrverhältnisses zu berücksichtigen, sagte eine Gerichtssprecherin. Dazu zählten etwa die Unerfahrenheit junger Leute, ihr noch nicht ausgereifter Charakter und der befristete Zeitraum der Lehre. Auch müsse dem Arbeitgeber die Weiterbeschäftigung angesichts des Verdachts objektiv unzumutbar sein.

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"Das Urteil ist kein Freifahrtsschein, dass immer bei einem Verdacht gekündigt werden kann", stellte der Arbeitsrechtler Daniel Schultheis von der Düsseldorfer Kanzlei Simmons & Simmons klar. So könne unter Umständen die vermutete Unterschlagung bei einem angehenden Mechaniker anders gewertet werden als bei einem Banklehrling. Generell müsse ein Ausbildungsbetrieb bei Lehrlingen ein größeres Maß an zerstörtem Vertrauen akzeptieren als bei normalen Arbeitnehmern.

Lehrlinge nur schwer kündbar

Der Gesetzgeber hat für die Kündigung von Auszubildenden hohe Hürden gesetzt, um Jugendlichen ihre beruflichen Chancen nicht zu verbauen. So können Lehrverträge vom Arbeitgeber nach der Probezeit nur aus wichtigem Grund fristlos aufgelöst werden. "Eine Verdachtskündigung ist für einen Lehrling eine schlimme Sache, ein nicht wieder gut zu machender Schaden", betonte auch die Anwältin des Klägers, Annette Harbeke, in der Verhandlung in Erfurt.

Der Bank warf sie schwere Versäumnisse im Umgang mit ihrem Mandanten vor. Mindestens vier weitere Mitarbeiter seien an dem betreffenden Tag noch mit dem Geld in Berührung gekommen. Auch habe die Bank gegen ihre eigene Vorschriften verstoßen, da es nach dem Zählen des Geldes nicht die übliche Gegenkontrolle gab. Der heute 25-Jährige sei zudem von seinen Vorgesetzten regelrecht überrumpelt worden, kritisierte seine Anwältin.

Vor seiner Anhörung sei dem Auszubildenden weder mitgeteilt worden, worum es geht, noch sei er darauf hingewiesen worden, dass er eine Vertrauensperson hinzuziehen könne, argumentierte Harbeke. Die obersten Arbeitsrichter teilten diese Bedenken aber nicht.

Der Anwalt der Genossenschaftsbank, Jens Steudter, räumte zwar datenrechtliche Fehler der Bank ein. Es sprächen jedoch alle Indizien gegen den Lehrling. Die Bank hatte in ihrem Kündigungsschreiben unter anderem Fehlzeiten des Lehrlings in der Berufsschule aufgrund von Spielhallen-Besuchen angeführt. Zudem soll er dafür sein Konto überzogen haben.

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