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Schweizer entscheiden über Manager-Millionen: Gefängnis für Gier?

01.03.2013, 09:01 Uhr | dpa, dpa-AFX

Schweizer entscheiden über Manager-Millionen. Die Schweizer Wirtschaft wehrt sich gegen eine Initiative zur Deckelung der Managergehälter (Quelle: dpa)

Die Schweizer Wirtschaft wehrt sich gegen eine Initiative zur Deckelung der Managergehälter (Quelle: dpa)

Millionengehälter plus Riesenboni - wenn Bosse Geld scheffeln wie Dagobert Duck, ärgert das Schweizer ebenso wie Deutsche. Der Unterschied: Die Eidgenossen können dank direkter Demokratie per Volksentscheid dafür sorgen, dass Managergehälter nicht grenzenlos in den Himmel wachsen. An diesem Sonntag stimmen sie über die "Abzocker-Initiative" ab. Wenn sie durchkommt, müssen Gehaltsexzesse unter Strafe gestellt und die Rechte von Aktionären massiv gestärkt werden. Die Schweizer Wirtschaftselite sieht rot.

Finanzkrise änderte alles

Jahrzehntelang war das Wirtschaftsmodell der Schweiz als besonders liberal und deshalb besonders erfolgreich gepriesen worden. Dass der Staat - zumal mit Mitteln der Strafjustiz - in die Chefetagen hineinregieren könnte, erschien absurd. Dann kam die Finanzkrise. Auch in der reichen Schweiz rieben sich Menschen die Augen angesichts von Millionen-Boni, die Banker und Vorstandsmitglieder selbst dann noch kassierten, wenn Unternehmen Verluste einfuhren.

Zu denen, die sich aufregten, gehörte Thomas Minder. Der heute 52-jährige Chef der familieneigenen Kosmetikfirma Trybol in Neuhausen am Rheinfall beließ es nicht beim Ärgern. Der Hobby-Politiker, der als parteiloser Abgeordneter im Parlament sitzt, sammelte vor fünf Jahren mehr als 100.000 Stimmen und setzte damit den Volksentscheid "gegen die Abzockerei" durch.

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Schluss mit "Begrüßungsgeld"

Nach den Vorschlägen des "modernen Wilhelm Tell", wie Minder von Anhängern genannt wird, sollen Aktionäre und nicht mehr Konzernvorstände das letzte Wort über Manager-Vergütungen haben. Dem Votum der Anteilseigner sollen sich Großunternehmen jährlich nach Neuwahlen des Verwaltungsrates unterwerfen müssen.

Zudem sollen Sonderboni für Spitzenmanager - wie das 2012 gezahlte "Begrüßungsgeld" von vier Millionen Franken (heute 3,27 Millionen Euro) für Ex-Bundesbanker Axel Weber bei dessen Antritt als UBS-Präsident - verboten werden. Zuwiderhandlungen werden laut Minder-Initiative "mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren und Geldstrafe bis zu sechs Jahresvergütungen bestraft".

Massive Kampagne gegen Initiative

Damit würde sich die Chefetagen-Kultur börsennotierter Schweizer Unternehmen erheblich ändern. Das Land bekäme das schärfste Aktienrecht der Welt. Unisono warnen Unternehmen, dass so weitgehende Einschränkungen der Wettbewerbsfähigkeit schweren Schaden zufügen würden.

Dagegen holte der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse mit einer massiven Werbekampagne aus, bei der kräftig die Keule "Drohender Jobverlust" geschwungen wurde: "Die Initiative schwächt den Werkplatz Schweiz", ist überall im Land auf Riesenpostern neben den Gesichtern erfolgreicher Unternehmer zu lesen.

Gute Chancen für Initiative

Die millionenschwere Kampagne zur Rettung der Millionen-Boni schien Wirkung zu zeigen. Die Zustimmung zur "Minder-Initiative" ging zurück. Doch inzwischen erscheint die Annahme als ziemlich sicher. Mehr als 60 Prozent der Schweizer wollen laut Umfragen dafür stimmen.

Unfreiwillig hat dazu der bestbezahlte Manager der Schweiz beigetragen. Ausgerechnet in der heißen Phase des Meinungskampfes zur "Abzocker-Initiative" wurde bekannt, dass sich Daniel Vasella - der scheidende Präsident des Schweizer Pharmariesen Novartis - mit dem Vorstand auf eine Abfindung von sage und schreibe 72 Millionen Franken (58,5 Millionen Euro) verständigt hatte.

Empörung über Vasella-Prämie

Das Geld sollte dafür fließen, dass der 59-Jährige, der vorher bei Novartis schon hunderte Millionen verdient hatte, sechs Jahre lang nicht zur Konkurrenz geht. Die Empörung der Eidgenossen war enorm. Diese "Selbstbedienungsmentalität" erschüttere das Vertrauen in die Wirtschaft, schimpfte auch Justizministerin Simonetta Sommaruga. Als Vasella schließlich seinen Verzicht auf die Abfindung bekanntgab, war alles zu spät. "Man kann nicht auf etwas verzichten, was einem gar nicht zusteht", erklärte Minder - und erntete Beifall.

Angesichts hochfliegender Emotionen gehen sachlich nachvollziehbare Bedenken gegen das Minder-Modell unter, wie es scheint. Kritiker weisen zum Beispiel darauf hin, dass der Zwang zu jährlichen Verwaltungsratswahlen sich als eine Art Einfallstor für Hedgefonds und "Heuschrecken"-Investoren erweisen könnten, die Schweizer Unternehmen unter ihre Kontrolle bringen wollen.

Regierung setzt auf Freiwilligkeit

Obwohl selbst die politische Linke und die Gewerkschaften nicht einhellig hinter der Minder-Initiative stehen, hat ein von der Regierung in Bern unterbreiteter Gegenvorschlag wohl keine allzu großen Chancen. Er würde im Falle der Ablehnung der Minder-Initiative in Kraft treten. Auch mit dem Gegenvorschlag soll Abzockerei bekämpft werden. Allerdings viel stärker auf der Basis von Freiwilligkeit - ohne Drohung mit dem Knast.

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