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Griechenland braucht Hilfe - hortet aber Gold

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Schuldenkrise  

Griechenland braucht Hilfe - hortet aber Gold

28.06.2011, 14:45 Uhr | dpa, t-online.de - mmr, dpa, t-online.de,

Griechenland braucht Hilfe - hortet aber Gold. Schuldenstaaten haben viel Gold in ihren Tresoren  (Foto: imago) (Quelle: imago)

Gold ist bei vielen Fondsanlegern beliebt (Quelle: imago)

Während Europa und der Internationale Währungsfonds (IWF) versuchen, eine Griechenland-Pleite mit unabsehbaren Folgen für die Eurozone abzuwenden, sitzen die Hellenen weiterhin auf einem kleinen Gold-Schatz. Fast vier Millionen Unzen stapeln sich laut World Gold Council in Griechenlands Tresoren. Würde Athen sein Gold verkaufen, könnte der griechische Staat - zumindest rechnerisch - einen Teil der demnächst fällig werdenden Schulden ohne fremde Hilfe selber tilgen. Auch andere Schuldenstaaten horten Gold, nehmen aber dennoch EU-Hilfen in Anspruch.

Die Schuldenkrise betrifft nicht nur Europa. Der Großteil der Griechenland-Schuldner sitzt zwar in Europa - darunter auch viele deutsche Banken -, doch die wiederum haben zahlreiche Verbindungen nach Übersee. So hätten sich die Europäer etwa im großen Stil bei US-Finanzfirmen gegen den Ausfall von griechischen Krediten rückversichert, merkte das Finanz-Blog "The Street Light" an und verwies auf den jüngsten Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Demnach stünden alleine die USA mit mehr als 40 Milliarden Dollar im Risiko.

Schuldenstaaten halten ihr Tafelsilber

Die USA könnten dieses Ausfallrisiko jedoch locker aus ihren Goldreserven bedienen, sind sie doch mit über 8000 Tonnen weiterhin der Besitzer der mit Abstand größten Edelmetall-Bestände weltweit (siehe Tabelle unten). Doch auch die Euro-Schuldenstaaten Griechenland, Portugal und Spanien haben nennenswerte Goldbestände gebunkert. Griechenlands 111 Tonnen entsprechen etwa 3,6 Millionen Unzen Gold, die aktuell etwa 3,8 Milliarden Euro wert sind. In den vergangenen zwei Jahren blieben diese Bestände stabil.

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Gold-Reserven

RangStaatGold in tAnteil* in %
1USA8133,575,3
2Deutschland3401,071,7
3IWF2814,0--
4Italien2451,871,9
5Frankreich2435,467,6
6China1054,11,6
7Schweiz1040,117,2
8Russland824,87,8
9Japan765,23,3
10Niederlande612,559,2
.........--
14Portugal382,584,0
19Spanien281,640,8
30Griechenland111,478,8

* Goldanteil am Bestand der gesamten Devisenreserven

Stand: Juni 2011 - Quelle: World Gold Council


Gold im Wert von 13 Milliarden Euro

Auch Portugal macht keine Anstalten, sich von seinen Goldreserven zu trennen. Anfang Mai erregte ein Artikel in der britischen "Times" Aufsehen. Demnach sitzt die Regierung in Lissabon auf gewaltigen Goldreserven von 382,5 Tonnen Gold. Geschätzter Wert: rund 13 Milliarden Euro. Das entspricht ungefähr neun Prozent der jährlichen portugiesischen Wirtschaftsleistung - die höchste Quote in ganz Europa.

Manche Experten sind jedoch skeptisch, inwieweit man den Schuldenstaaten Verkaufsträgheit vorwerfen kann. Das Gold lässt sich nämlich gar nicht so leicht versilbern. Eine groß angelegte Abstoßaktion "könnte das falsche Signal an die Märkte senden", sagt Ross Norman, Chef der Gold-Brokers Sharps Pixley. Sie könnte eine Investorenpanik provozieren und das Schuldenproblem verschlimmern.

Gold mit weiterem Potenzial

Gewinner der Unsicherheiten sind Gold und Silber. Zwar fielen die Notierungen in den vergangenen Tagen etwas zurück. Eine Feinunze Gold (31,1 g) kostete zeitweise wieder weniger als 1500 Dollar. Analysten führen die Preisrückgänge aber in erster Linie auf den erstarkten Dollar zurück. Die Rahmenbedingungen sprächen eher für eine mögliche neue Kaufwelle durch Anleger, die dritte nach Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008, hieß es beim Edelmetallspezialisten Heraeus. Spekulative Anleger setzen bei den meisten Edelmetallen denn auch weiter auf höhere Preise, schrieb die "FTD".

Grund ist vor allem das starke Wachstum der asiatischen Staaten, die einen Großteil ihrer Rohstoffe importieren müssen. China, Indien und Russland gehören seit Jahren zu den großen Gold-Käufern. Nach Schätzung der UBS wird Gold das Investment mit den besten Renditen für das laufende Jahr sein. Vor diesem Hintergrund kann man auch die Schuldenstaaten verstehen, ihr "Tafelgold" weiterhin zu halten.

Auch institutionell steht einem Verkauf der Goldreserven einiges im Wege. Die Finanzminister der Staaten haben keinen direkten Zugriff auf das Gold in den Tresoren. Denn die Notenbanken sind unabhängige Institutionen und unterstehen nicht der Befehlsgewalt der Regierungen.

Neuer EZB-Chef zieht Vergleich zu Lehman

Derweil schwelt die Griechenland-Krise weiter. Der Chef der einflussreichen US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, warnte am vergangenen Mittwoch eindringlich vor den Auswirkungen einer Staatspleite mitten in Europa. Sollte die Rettung des schwer verschuldeten Griechenlands scheitern, sei auch das globale Finanzsystem bedroht, sagte er. Der designierte Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, zog bereits Vergleiche zwischen Griechenland und Lehman und fügte hinzu: "Wir möchten diese Erfahrung nicht wiederholen."

Domino-Effekt droht

In der Tat sind Parallelen denkbar, auch wenn es damals um eine Firma ging - und heute um einen Staat. Zum einen geht es dabei um das Thema Vertrauen. Auch 2008 hatte es kaum jemand für möglich gehalten, dass eine derart große Bank wie Lehman Brothers einfach zusammenbrechen kann. Der Staat würde schon rettend eingreifen, war der Glaube. Doch die US-Regierung blieb tatenlos - und schürte damit die Angst, dass auch andere Banken umkippen könnten. Die Kreditinstitute misstrauten sich plötzlich gegenseitig, die Geldströme versiegten, die Krise war da. Investoren würden sich nach einem Zusammenbruch von Griechenland sicherlich die Frage stellen, ob ihr Geld in Spanien, Portugal oder Irland noch sicher ist. Es drohen Dominoeffekte.

BIZ warnt vor neuer Finanzkrise

Die BIZ sieht das ähnlich. Die bislang auf einige Länder der Eurozone begrenzte Schuldenkrise könnte gar zum Auslöser einer neuen Finanzkrise werden. Die BIZ warnt in ihrem jüngsten Jahresbericht: "Um es klar zu sagen: Die Marktturbulenzen rund um die Schuldenkrise in Griechenland, Irland und Portugal sind nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was bevorstünde, wenn die Anleger ihr Vertrauen in die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen einer großen Volkswirtschaft verlieren würden."

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