Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse >

Schuldenschnitt für Griechenland rückt immer näher

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Schuldenkrise  

Kommt der Schuldenschnitt für Griechenland?

18.07.2011, 17:38 Uhr | AFP, dpa-AFX, mash, t-online.de, AFP, dpa-AFX

Schuldenschnitt für Griechenland rückt immer näher. Die Euro-Staaten erwägen die Umschuldung für Griechenland (Foto: imago) (Quelle: imago)

Die Euro-Staaten erwägen die Umschuldung für Griechenland (Foto: imago) (Quelle: imago)

Alle Zeichen vor dem Sondergipfel der Euro-Länder deuten darauf hin: Die Euro-Staaten ziehen einen Schuldenschnitt für Griechenland ernsthaft in Erwägung. Demnach sollen griechische Staatsanleihen mit hohen Abschlägen vom Markt gekauft werden, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Die Euro-Länder spielen bereits mehrere Modelle durch. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schließt eine Umschuldung für Athen nicht mehr grundsätzlich aus. Finanzexperten warnen hingegen vor einem Teilerlass der Schulden Griechenlands. Sie befürchten einen Dominoeffekt.

Merkel schließt Schuldenschnitt nicht aus

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) steht einer Umschuldung Griechenlands zwar äußerst skeptisch gegenüber: "Was wir wollen, ist doch: möglichst wenig Maßnahmen", sagte sie in der ARD. "Und eine Umschuldung, die jetzt immer genannt wird, hat natürlich auch den negativen Effekt, dass die Länder sich vielleicht nicht mehr so anstrengen. Das heißt, ich arbeite darauf nicht hin." Man versuche alles Mögliche, um noch härtere Maßnahmen als bisher zu vermeiden, versicherte Merkel. Aber sie scheint den Schritt der Umschuldung nicht mehr kategorisch auszuschließen: "Ich sage ganz deutlich: Die Einbeziehung privater Gläubiger zeigt schon, dass wir in Griechenland ein besonderes Problem haben wegen der sehr, sehr hohen Schulden."

Politiker von Union und SPD waren sich hingegen einig, dass ein Schuldenschnitt erforderlich sei. Um die Verunsicherung zu beenden, sei eine "Kappung der griechischen Staatsschulden unumgänglich", sagte etwa der Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union, Hans Michelbach.

Bundesbank-Chef gegen Schuldenerlass

Der oberste deutsche Währungshüter Jens Weidmann wandte sich jedoch gegen einen Schuldenschnitt zum jetzigen Zeitpunkt. Ein Schuldenerlass könnte nach Weidmanns Analyse die griechischen Probleme derzeit nicht lösen: "Griechenland konsumiert deutlich mehr als es erwirtschaftet, der Staatshaushalt weist hohe Defizite auf. So lange sich daran nichts ändert, schafft selbst ein Schuldenschnitt keine wirkliche Besserung."

Widerspruch kam vom stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß: "Bundesbankpräsident Weidmann irrt - ohne einen Schuldenschnitt werden die Probleme Griechenlands nicht gelöst werden können. Immer mehr Ökonomen schlagen nun einen solchen Schritt vor." In der Tat plädieren auch der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz, der frühere Wirtschaftsweise Bert Rürup und der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, für einen Schuldenerlass.

Dominoeffekt: Anreize zum Sparen fehlt

Allianz-Finanzchef Paul Achleitner hingegen steht auf Weidmanns Seite. Er warnte vor "unbeabsichtigten Nebenwirkungen", sollte eine Umschuldung stattfinden. "Zudem schafft an damit auch einen Präzedenzfall. Dann würden auch andere Länder mit ihren Problemen kommen ganz nach dem Motto: Schuldenverzicht ist leichter, als selbst zu sparen", sagte Achleitner der "Welt".

Laut einem Bericht des "Handelsblatts" hat der Allianz-Konzern bereits einen eigenen Rettungsplan entworfen. Kern des Papiers sei ein freiwilliges Umtauschangebot für griechische Staatsanleihen. Dabei sollen private Investoren ihre Anleihen in neue Papiere mit einer längeren Laufzeit tauschen und auf 25 Prozent des Nominalwertes verzichten. Mit dem Allianz-Rettungsplan würden die Investoren "viele Milliarden" verlieren, hieß es weiter in dem Bericht. Dennoch wäre ein Anreiz für den Umtausch gegeben: Denn die Gläubiger würden deutlich mehr erhalten, als wenn sie derzeit ihre Papiere am Markt verkauften. Außerdem sollen die neuen Anleihen laut dem Allianz-Plan über den Rettungsschirm EFSF gesichert werden. Damit wäre das "künftige Verlustrisiko relativ überschaubar".

Konzepte wollen Schuldenlast senken

Am Donnerstag (21.7.) soll ein Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten den Weg aus der Schuldenkrise ebnen. Laut der "Süddeutschen Zeitung" liegen in Brüssel drei Konzepte auf dem Tisch, die eine spürbare Schuldenreduzierung Athens erreichen wollen. Zwei der Konzepte sähen den Rückkauf griechischer Staatsanleihen mit hohen Abschlägen vor. Offen sei allerdings, wie die Besitzer der Staatsanleihen zum Verkauf der Papiere überzeugt werden sollten - denn sie müssten beträchtliche Verluste realisieren. Offen sei auch die Höhe des Abschlags, so die Zeitung.

In der Diskussion steht laut Medienberichten vor allem ein Rückkauf eigener Staatsanleihen durch Griechenland. Nach diesem Modell würde der Euro-Rettungsschirm EFSF dem Land Geld geben, damit es seine Anleihen selbst zum Marktpreis von privaten Gläubigern zurückkaufen könnte. Dies wäre nach Darstellung des "Spiegels" ein gutes Geschäft für Griechenland, da die Kurse für griechische Anleihen derzeit um bis zu 50 Prozent unter ihrem Nennwert lägen.

Newsletter
Wichtiges zu privater Vorsorge
Werktags die wichtigsten Neuigkeiten rund um Wirtschaft und Finanzen per E-Mail in Ihr Postfach  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Dieser sogenannte "Bond-Buy-Back" sei eine von mehreren Varianten, die Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) derzeit zur Lösung der griechischen Schuldenkrise prüfen lasse, hieß es weiter. Andere Vorschläge seien unter anderem ein echter Schuldenschnitt, verbunden mit dem Tausch von Griechenland-Anleihen in längerfristige, mit Garantien besicherte Papiere. Im Gespräch sei weiterhin auch Schäubles Vorschlag einer "sanften Umschuldung".

EFSF macht sich bereit zum Eingriff

Der Chef des Euro-Rettungsfonds EFSF, Klaus Regling, sagte der "FAZ", derzeit deute viel darauf hin, dass sich der Rettungsfonds demnächst an der Griechen-Rettung beteiligen solle. Man werde aktiv, "wenn die Minister einen Beschluss gefasst haben": "Dann werden wir unsere Aufgabe erfüllen."

Newsletter
Wichtiges zu privater Vorsorge
Werktags die wichtigsten Neuigkeiten rund um Wirtschaft und Finanzen per E-Mail in Ihr Postfach  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bundesbürger gegen Schuldenschnitt

Übrigens: Eine Mehrheit der Bundesbürger lehnt laut einer Umfrage einen Schuldenerlass für Griechenland ab. In einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" sprachen sich 60 Prozent gegen eine Teilentschuldung aus, 35 Prozent dafür. In der Frage der Euro-Rettung ist die Bevölkerung gespalten: 49 Prozent wollen keine Währungsstabilisierung "koste es was es wolle", 48 Prozent schon.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Wirtschaft
Möglicher Aufkauf griechischer Anleihen

Eurogruppe plant Kauf von Staatsanleihen. zum Video

Video des Tages

Shopping
KlingelBabistabonprix.deLidl.deStreet OneCECILMADELEINEdouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Telekom Fotoservice
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017