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Schuldenkrise in Europa: Euro-Retter schmieden den Plan B

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Euro-Retter schmieden den Plan B

07.10.2011, 09:54 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Schuldenkrise in Europa: Euro-Retter schmieden den Plan B. Weltbank-Präsident Zoellick (l.), IWF-Chefin Lagarde, Bundeskanzlerin Merkel (Quelle: AP/dpa)

Weltbank-Präsident Zoellick (l.), IWF-Chefin Lagarde, Bundeskanzlerin Merkel (Quelle: AP/dpa)

Durchpäppeln oder pleitegehen lassen? Europa streitet über den Umgang mit Griechenland - dahinter steckt die Angst vor einem Banken-Crash, auch in Deutschland. Jetzt sollen die Finanzinstitute mit Steuergeld gestützt werden. Das könnte günstiger sein, als Krisenländer zu retten.

Wie lange währt die Geduld der Euro-Staaten mit Griechenland? Immer mehr Politiker und Wirtschaftsexperten kritisieren die Rettungspakete für das überschuldete Land und fordern stattdessen die Insolvenz. Noch zögern die wichtigen Regierungen in Berlin und Paris. Doch ihre heimischen Banken wollen sie sicherheitshalber schon mal auf eine mögliche Pleite des Landes vorbereiten.

Trichet warnt Banken

Mit staatlichem Kapital sollen die großen europäischen Banken gestützt werden - das hatten am Dienstag bereits die EU-Finanzminister besprochen. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschloss auf ihrer Zinssitzung an diesem Donnerstag, bedrohten Instituten mit gewaltigen Geldbeträgen zu helfen. Zentralbankchef Jean-Claude Trichet mahnte die europäischen Regierungen eindringlich, für eine ausreichende Kapitalisierung ihrer Banken zu sorgen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) positioniert sich inzwischen ebenfalls klar auf dieser Linie. Am Mittwoch verkündete sie gemeinsam mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso ihre Bereitschaft zur Bankenrettung. Nach einem Treffen mit den Chefs der wichtigsten internationalen Wirtschafts- und Finanzinstitutionen bekräftigte sie ihre Position an diesem Donnerstag erneut: Sollten Banken dringend Geld benötigen, dann sollten die europäischen Staaten mit Finanzhilfen "nicht zögern", denn es wäre "vernünftig investiertes Geld".

Misstrauen der Banken untereinander weiter hoch

Hinter den Ankündigungen steckt die Angst, dass sich die Schuldenkrise in Europa ausweitet und die großen Banken mit in den Abgrund reißt - schließlich halten die Institute nach wie vor einen guten Teil der griechischen Staatsanleihen und noch sehr viel mehr spanische und italienische Papiere. Die Insolvenz eines Staates würden viele Banken wohl nicht verkraften. Sie müssten Milliarden Euro abschreiben und schlimmstenfalls selbst Insolvenz anmelden. Auch deswegen vertrauen sie sich derzeit gegenseitig so wenig und leihen sich untereinander kaum mehr Geld.

Vor allem die Gefahr eines Griechenland-Bankrotts ist zuletzt deutlich gestiegen. Die griechische Wirtschaft ist abgestürzt, ein ums andere Mal verfehlt das Land die auferlegten Sparziele. Die Geduld der Retter schwindet.

Immer lauter werden die Stimmen, die eine geordnete Insolvenz Griechenlands fordern. Innerhalb der Euro-Zone vertritt die Slowakei diese Auffassung besonders deutlich. Innerhalb der Bundesregierung ist es der FDP-Wirtschaftsminister Philipp Rösler. Aber auch unter Ökonomen wächst die Fraktion der Insolvenz-Befürworter: Der Bankrott eines Euro-Landes müsse möglich werden, fordert etwa Thomas Straubhaar, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschafts Instituts (HWWI). Das Problem: Bisher weiß niemand, wie eine geordnete Insolvenz genau ablaufen soll.

Banken haben Angst vor Staatspleiten

Für die Banken wäre ein solches Szenario der reine Horror. Sie haben zwar bereits zugestimmt, auf 21 Prozent des Wertes ihrer griechischen Anleihen zu verzichten. Bei einer tatsächlichen Insolvenz wären die Verluste für sie allerdings deutlich höher. Experten gehen von rund 50 Prozent aus. Die Banken müssten also auf die Hälfte ihres Geldes verzichten.

Für die deutschen Institute wäre das wohl gerade noch zu stemmen. Die beiden größten Geldhäuser, die Deutsche Bank und die Commerzbank, hielten laut Daten aus dem kürzlich veröffentlichten Stresstest Ende 2010 griechische Schuldscheine im Volumen von 1,7 beziehungsweise drei Milliarden Euro. Einen Teil davon haben sie bereits abgeschrieben, also als Verluste verbucht.

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Banken retten ist billiger als Staaten retten

"Ein Schuldenschnitt in Griechenland wäre für deutsche Banken zwar unangenehm, aber verkraftbar", sagt deshalb Dieter Hein, Bankenexperte beim unabhängigen Analysehaus Fairesearch. Die ausstehenden Volumina seien nicht mehr so hoch, dass sie die hiesigen Institute gefährden könnten.

Doch so einfach eingrenzen lässt sich das Problem nicht. Erstens wären ja nicht nur deutsche Banken von einem Griechenland-Bankrott betroffen, sondern zum Beispiel auch französische und vor allem griechische. Und da sieht die Lage schon finsterer aus. Die größte griechische Bank etwa, die National Bank of Greece, hielt Ende 2010 Forderungen gegenüber dem griechischen Staat in Höhe von fast 19 Milliarden Euro. Müsste sie 50 Prozent davon abschreiben, würde dies ihr komplettes hartes Eigenkapital aufzehren.

Das zweite Problem ist noch gravierender: Was, wenn eine griechische Pleite den Druck auf die anderen Schuldenstaaten wie Portugal, Spanien oder Italien noch weiter erhöht und auch diese in die Insolvenz treibt? Einem solchen Szenario würden auch die deutschen Banken kaum mehr Stand halten. Der Staat müsste frisches Geld zuschießen, um die Institute vor der Pleite zu retten. So, wie es Deutschland nach dem Lehman-Kollaps 2008 bereits bei der Commerzbank getan hatte. Diesmal wären noch mehr Banken auf staatliche Kapitalspritzen angewiesen - und das in fast allen Ländern Europas.

Europas Banken würden 250 Milliarden Euro Eigenkapital verlieren

Doch selbst das könnte für die Steuerzahler am Ende billiger werden als die dauerhafte Subventionierung der verschuldeten Staaten. Das zumindest meinen die deutschen Ökonomen Harald Hau und Bernd Lucke. Sie haben ausgerechnet, was ein umfassendes Pleite-Szenario für die Banken in Europa bedeuten würde. Demnach würden Griechenland und Portugal einen Schuldenschnitt von je 50 Prozent vornehmen, Italien, Spanien und Irland würden je 25 Prozent ihrer Verbindlichkeiten nicht zurückzahlen.

Die Ergebnisse: Insgesamt würden die europäischen Banken mehr als 250 Milliarden Euro ihres Eigenkapitals verlieren, das durch die Staaten ersetzt werden müsste. Auf Deutschland kämen dabei rund 20 Milliarden Euro zur Stützung der eigenen Banken zu, allein für die Deutsche Bank wären rund 3,7 Milliarden Euro fällig, für die Commerzbank knapp sechs Milliarden Euro.

Zusätzlich müssten die Euro-Länder gemeinsam die Verluste der Geldhäuser in den Pleite-Ländern ersetzen, insgesamt rund 180 Milliarden Euro. Davon müsste Deutschland als größtes und solventestes Land wohl einen Großteil tragen.

Die tatsächlichen Verluste lägen bei 30 Milliarden Euro

Trotzdem halten die Ökonomen es für günstiger, den Banken frisches Kapital zuzuschießen, als immer neue Rettungspakete für die überschuldeten Staaten zu schnüren. Vor allem, weil die Steuerzahler Aktien als Gegenwert für ihr Geld bekämen und die Krisenkosten nicht alleine tragen müssten.

"Wenn die Rekapitalisierung zum Marktpreis durchgeführt wird, also zum jeweils aktuellen Aktienkurs, werden die Verluste des erwarteten Schuldenschnitts von den Alt-Aktionären getragen", sagt Harald Hau, der Finanzwissenschaften an der Universität Genf und am Swiss Finance Institute lehrt. "Den Steuerzahler kostet das erst mal gar nichts, weil er ja im Gegenzug eine werthaltige Unternehmensbeteiligung bekommt."

Einzige Ausnahme: Wenn die Verluste der Banken so hoch werden, dass ihr Eigenkapital komplett aufgezehrt und negativ wird, müssten die Steuerzahler das Kapital erst einmal auf null ausgleichen. "Das ist dann ein tatsächlicher Verlust, da kommt man nicht drum herum", sagt Hau.

In Deutschland wäre das laut Haus Rechnung nur bei der Hypo Real Estate der Fall, wo der Staat rund eine halbe Milliarde Euro nachschießen müsste. Bei den Banken der Krisenstaaten fielen Verluste von rund 30 Milliarden Euro an.

Rettungsschirm trotzdem notwendig

Hau ist überzeugt, dass dieser Weg der bessere ist. "Der Rettungsschirm schiebt die Lösung der Krise nur auf, ein Schuldenschnitt dagegen wäre zumindest der Anfang einer Lösung." Zudem sei sein Vorschlag gerechter: "Bei einem Schuldenschnitt würden rund 80 Prozent der Kosten von internationalen Finanzakteuren getragen, also von Privatinvestoren, Fonds und Versicherungen. Die Steuerzahler würden weniger stark belastet."

Das klingt gut. Doch es bleibt die Unsicherheit über die Nebenwirkungen der Pleitestrategie. Wie lange müssten die Banken gestützt werden? Werden die Staaten ihre Bankaktien je wieder los?

Auch der Rettungsschirm für die angeschlagenen Staaten würde im Pleite-Fall nicht ganz überflüssig. Schließlich würde es wohl eine ganze Weile dauern, bis die Krisenländer sich wieder selbst Geld am Kapitalmarkt leihen könnten. Solange müssten die flüssigen Euro-Länder einspringen. Daran führt wohl kein Weg vorbei.

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