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Moody's zweifelt an deutschem Spitzenrating

24.07.2012, 07:47 Uhr | dpa, dapd, t-online.de

Moody's zweifelt an deutschem Spitzenrating. Die Bonität Deutschlands ist nicht mehr unumstritten (Quelle: Reuters)

Die Bonität Deutschlands ist nicht mehr unumstritten (Quelle: Reuters)

In der weiter schwelenden Schuldenkrise scheint auch für Deutschland die Zins-Party langsam zu Ende zu gehen. Die US-Ratingagentur Moody's hat am Abend den Ausblick für die Bundesrepublik, die Niederlande und Luxemburg gesenkt. Damit sind die Spitzenratings der drei Länder in Gefahr. Der Ausblick wurde jeweils von stabil auf negativ heruntergestuft. Bisher gilt aber noch die Bestnote "Aaa".

Als Grund für die Überprüfung der drei Ratings nannte Moody's die steigende Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise. Es sei immer wahrscheinlicher, dass Griechenland die Eurozone verlassen müsse, schrieben die Experten. Dies wäre "eine materielle Bedrohung für den Euro". Selbst wenn das nicht passiere, sei davon auszugehen, dass Länder wie Spanien und Italien weitere Hilfen bräuchten. Vermutlich müssten dann die Staaten mit einer sehr guten Bonität die neuen Hilfen schultern.

Trotz einer starken Reaktion der Eurostaaten würde damit eine "Kettenreaktion von Schocks im Finanzsektor und ein Liquiditätsdruck auf Staaten und Banken" in Gang kommen, die von der Politik nur zu einem sehr hohen Preis eingedämmt werden könnten. Zudem reagierten die EU-Staaten nur auf die Krise, was zu keinem stabilen Ergebnis führen werde.

Weitere Hilfen würden starke Staaten belasten

Deutschland und die anderen wirtschaftlich starken Länder der Eurozone haben den schwächeren Partnern bereits unter die Arme gegriffen. Die Hilfen könnten sich nun als Bumerang erweisen, weil sie die Haushalte zu belasten drohen und den finanziellen Spielraum für die Regierungen einschränken.

Im Fall Deutschlands verwies Moody's auch auf die "Verwundbarkeit des Bankensystems". Die deutschen Kreditinstitute seien stark in den Problemstaaten engagiert und könnten Rückschläge angesichts ihrer mauen Gewinne nur schlecht abfedern. In der vergangenen Finanzkrise hatte der Staat die Hypo Real Estate auffangen müssen und war bei der Commerzbank eingestiegen.

Bundesfinanzministerium weist Einschätzung zurück

"Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum in Deutschland sind solide", betonte das Bundesfinanzministerium in einer ersten Reaktion. Deutschland erwarte ab 2014 einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Die Kapitalisierung des Bankensektors habe sich deutlich verbessert. "Auch an den internationalen Finanzmärkten ist das Vertrauen in Deutschland hoch; dies spiegelt sich in den niedrigen Refinanzierungskosten deutscher Anleihen wider."

Moody's habe vor allem die kurzfristigen Risiken in den Vordergrund gestellt, "während längerfristige Stabilisierungsaussichten unerwähnt bleiben", kritisierte das Ministerium noch in der Nacht. Die genannten Risiken in der Eurozone seien auch nicht neu.

Moody's hatte bereits im Februar den Ausblick für Österreich und Frankreich auf negativ gesetzt. Noch haben beide Länder aber ihr "Aaa". Das finnische Spitzenrating sieht Moody's nach der Mitteilung vom Montag weiterhin ungefährdet. Das Land betreibe eine konservative Haushaltspolitik und habe stets die Maastricht-Kriterien eingehalten, hieß es. Das finnische Bankensystem sei gesund und hauptsächlich auf das Inland ausgerichtet. Finnland verkaufte zudem nur einen relativ kleinen Teil seiner Exporte in den Euroraum, was die Anfälligkeit für Turbulenzen dort reduziere.

Finanzmärkte reagieren mit Ausverkauf

Steigende Sorgen um eine Verschlimmerung der Schuldenkrise hatten zu Wochenbeginn allerdings für Kursrutsche an den internationalen Finanzmärkten gesorgt. Der deutsche Leitindex DAX sackte bis zum Handelsschluss am Montag um 3,2 Prozent auf 6419 Punkte ab. Sein US-Pendant Dow Jones fiel um 0,8 Prozent auf 12.721 Punkte. Der Euro setzte seine Talfahrt fort und kostete zeitweise weniger als 1,21 US-Dollar - das ist der tiefste Stand seit zwei Jahren.

Die drohende Herabstufung von Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg droht, die Märkte am Dienstag weiter zu belasten. Eine schlechtere Note für die Kreditwürdigkeit kann zu steigenden Zinsen bei der Aufnahme neuer Schulden führen. Denn Investoren müssen von einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgehen, dass sie ihr Geld nicht wiedersehen.

Deutsches Spitzenrating vorerst noch nicht in Gefahr

Bei Deutschland und den anderen Ländern dürfte ein Verlust des Spitzenratings allerdings in erster Linie einen erheblichen Imageschaden bedeuten. In der Regel reagieren Investoren erst, wenn zwei der drei großen Ratingagenturen ihre Bewertung zurückgenommen haben - und selbst dann müssen die Refinanzierungskosten nicht zwingend steigen.

Innerhalb Europas gilt Deutschland als sicherer Hafen und entsprechend niedrig sind die Kreditzinsen. Auch die führende Ratingagentur Standard & Poor's hatte Deutschlands Topbonität zwischenzeitlich auf den Prüfstand gestellt, die Note letztlich aber nicht angetastet.

Dagegen haben die USA ihre Bestnote bei S&P bereits verloren - und können sich dennoch zu sehr niedrigen Zinsen frisches Geld leihen. Ein Grund dafür ist, dass viele Investoren angesichts der Schuldenkrise in Europa nicht wissen, wohin mit ihren Milliarden.

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