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Experten warnen: Euro-Krise ist noch nicht vorbei

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Morningstar Investment Konferenz  

Experten warnen: Die Euro-Krise ist noch nicht vorbei

15.11.2012, 13:46 Uhr | t-online.de - Frank Lansky

Experten warnen: Euro-Krise ist noch nicht vorbei. Die Euro-Krise ist noch nicht beendet (Quelle: imago)

Der Euro bleibt eine Dauerbaustelle (Quelle: imago)

Keine Entwarnung für Sparer und Anleger: Die Schuldenkrise hat zwar an Brisanz verloren. Auch sehen der Wirtschaftsweise Peter Bofinger, der Chefsvolkswirt der Allianz, Michael Heise, und Mark Burgess, der Chef-Investor der Fondsgesellschaft Threadneedle, für die kommenden drei bis vier Jahre nicht die Gefahr einer Inflation. Damit scheinen die Ersparnisse auf dem Konto erst einmal sicher. Doch alle drei Auguren zeigten sich auf der Morningstar Investment Konferenz davon überzeugt, dass die Krise noch lange nicht gelöst ist. t-online.de war mit dabei.

Bofinger sieht keine Inflation

Selten verlief eine Diskussion von Morningstar so angeregt: Vor den Zuhörern aus der Fondsbranche in Frankfurt provozierte Peter Bofinger am meisten. Das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gilt als gewerkschaftsnaher Vertreter der nachfrageorientierten und auf die Stärkung des Binnenkonsums ausgerichteten Verschuldungspolitik.

Bofinger sagte, im Tauziehen mit den Märkten habe die Politik unter anderem dank der Einrichtung des Rettungsfonds ESM und des entschlossenen Eingreifens von EZB-Chef Mario Draghi zuletzt die Oberhand gewonnen.

Der Eurozone drohe trotzdem keine Inflation, weil die Gelder der Europäischen Zentralbank von den Geschäftsbanken als Notkasse gehortet würden – die Geldmenge M3 steige nicht. Zudem sei die Arbeitslosigkeit im Euroraum mit 11,7 Prozent so hoch wie nie. In diesem "Unterdruck"-Szenario hielten sich Investoren extrem zurück. Auch sei zurzeit keine Blasenbildung bei irgendwelchen Vermögensanlagen zu erkennen - nicht einmal bei Immobilien, betonte der Wirtschaftsweise im Gespräch mit t-online.de.

Weiter urteilte Bofinger, dass die Frage von Staatsschulden überbewertet werde – Schulden müssten nicht unbedingt komplett getilgt, sondern könnten stets umgewälzt werden. "Ich bin kein Freund von Schulden. Allerdings sind sie völlig normal – ein Staat kann immer eine gewisse Verschuldung ertragen. Es gibt auch keine klare Trennline dafür, welches Niveau gemessen am Brutto-Inlandsprodukt nun vernünftig ist, oder nicht." So lebe Japan mit einer Verschuldung von 235 Prozent ganz gut.

Japanische Verhältnisse in Euroland

Für die Eurozone sieht der Wirtschaftsweise drei Szenarien. Das erste sei eine unkontrollierte Rezession: Spanien könne wie Griechenland kollabieren, in den Schuldenländern gebe es keinerlei Sparprogramme, in einer Kettenreaktion laufe die Eurozone auf ihr Ende zu.

Die zweite Variante sei ein japanisches Szenario: Die Zinsen blieben dauerhaft niedrig, die Wirtschaft lahme. Die EZB stabilisiere immer wieder halbherzig, stets müssten Banken gerettet werden und die Schuldenstaaten sparten ein wenig. Dieses "Durchwursteln" sei der wahrscheinliche Weg der kommenden Jahre.

Sollten aber nach und nach immer mehr Länder in Euroland in die Rezession gezogen werden, so sei ein Ende des Euro die bessere Lösung. Dieses Szenario sieht Bofinger allerdings nicht. Auch hält der Wirtschaftsweise den Worst Case für völlig abwegig, wonach die geretteten Krisenländer einfach ihre Staatschulden nicht bezahlen werden. Dann würde allen voran Deutschland auf horrenden Verlusten sitzenbleiben.

Die dritte und von Bofinger favorisierte Version ist der Euro 2.0 – dazu gehöre die direkte Kontrolle über die Länder sowie die Gemeinschaftshaftung über deren Haushalte in Form von Eurobonds und einem Schuldentilgungsfonds. Aber auch der Rauswurf eines Landes aus dem Euro müsse möglich sein.

Kein Licht am Ende des Tunnels

Für Heiterkeit im Plenum sorgte der Professor, als er ein zehnprozentiges Lohnplus in Deutschland forderte – dies sei besser, als von den Südländern Abschnitte zu verlangen.

Bofingers Fazit: Die Krise sei zwar durch die Interventionen der EZB eingedämmt, aber keinesfalls beendet. So seien die Forderungen der Banken an andere Kreditinstitute und Unternehmen drastisch gesunken, was darauf hindeute, dass die Leihe eingefroren sei. "Wir haben es derzeit mit einer temporären Entspannung zu tun – aber ich sehe noch kein Licht am Ende des Tunnels."

Allianz-Investor warnt vor spekulativen Blasen

Auch Allianz-Chefvolkswirt Heise konstatierte, "die Therapie hat angeschlagen". Allerdings könnten sich als Nebenwirkung spekulative Blasen bilden. Die Gefahr sei, dass die durch die Euro-Krise extrem verunsicherten Unternehmen auch wegen höherer Löhne und Energiekosten nicht mehr investieren. Zudem sei die Rezession in der Peripherie der Eurozone nicht vorbei, wobei diese Länder allerdings schon einige strukturelle Anpassungen vorgenommen hätten.

Vor allem die Abwertung des Euro gegen rund ein Dutzend Währungen wie den Yen, den Franken, die schwedische oder norwegische Krone habe geholfen, genau wie die gesunkenen Zinsen und die recht stabile deutsche Konjunktur-Lokomotive. Für Deutschland sieht Heise im kommenden Jahr ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent, für die Eurozone von 0,5 Prozent.

"Durchwursteln" als wahrscheinlichste Option

Auch Heise glaubt an eine Evolution der Krise, das heißt die Fortsetzung von Schuldenabbau und Konsolidierung plus dem Eingreifen der Geldpolitik. Diese Art des "Durchwurstelns" sei im Übrigen normal für Europa. Zwar werde es weiter ein instabiles Gleichgewicht zwischen Inflation und Deflation geben, aber keine Unruhe auf den Märkten.

Die Chancen für eine weitreichende Fiskalunion mit Eurobonds und gemeinsamer Haftung beurteilte Heise als mittelhoch. Nur eine geringe Wahrscheinlichkeit sieht Heise für ein Ende der Eurozone. In diesem Fall würde wohl nach einer Welle von Banken- und Staatsbankrotten nur eine Kernunion zurückbleiben.

In der Schuldenfrage widersprach Heise seinen beiden Diskussionspartnern: Natürlich sei Austerität – also Enthaltsamkeit – wichtig und unbedingt müssten Schulden auch zurückgezahlt werden. Die Südländer müssten also sehr wohl den Arbeitsmarkt liberalisieren, den Missbrauch von Sozialleistungen eindämmen und regulierte Branchen öffnen.

Obwohl Heise auf Jahre keine Inflation sieht, riet er den Anlegern, sich langfristig mit Sachwerten einzudecken. Der Investor bevorzugt Pfandbriefe, Unternehmensanleihen, aber auch Staatsanleihen aus boomenden Schwellenländern oder Infrastruktur. Die Allianz selbst setzt seinen Aussagen zufolge verstärkt auf Erneuerbare Energien – und auch auf ein neues System von Parkuhren in Chicago.

Radikaler Rat an die Eurozone

Mark Burgess, der Chief Investment Officer von Threadneedle, konstatierte unverblümt: “Ein Großteil Europas hat sich zu viel Geld geliehen, um sich einen Lebensstandard zu leisten, der nicht zu finanzieren ist.” Die Austeritätspolitik in Europa – also die Durchsetzung schmerzhafter Strukturreformen - habe aber nicht funktioniert. Auch Deutschland werde im kommenden Jahr in eine Rezession fallen. Burgess empfahl Europa ein Vorgehen nach dem Muster der USA und Großbritanniens: Die Eurozone solle viel massiver als bisher die Druckerpresse anwerfen, um die Schulden weg zu inflationieren.

Ansonsten müsse sich Deutschland entscheiden, was es wolle: Entweder eine Währungsunion, in der es natürlich sei, dass der reiche Norden den kriselnden Süden mitschleppe; oder aber den Austritt aus dem Euro, was wiederum die Stütze der eigenen Banken zur Folge haben werde.

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