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Ifo-Chef Sinn warnt erneut vor Crash in der Euro-Krise

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Ifo-Chef Sinn warnt erneut vor dem Crash in der Euro-Krise

22.11.2012, 10:48 Uhr | t-online.de, sky, dapd

Ifo-Chef Sinn warnt erneut vor Crash in der Euro-Krise. Auch Deutschland spürt die Schuldenkrise (Quelle: dpa)

Auch Deutschland spürt die Schuldenkrise (Quelle: dpa)

Hans-Werner Sinn schießt wieder quer: Während die europäische Politik um die Rettung von Griechenland kämpft, rät der Präsident des Münchner Ifo-Institutes von einer Fortsetzung der derzeitigen Linie ab. Sinn warnt vor dem Kollaps - der könnte die Deutschen Milliarden kosten.

Sinn will Rauswurf von Griechenland

"Erst wenn der große Crash passiert ist, werden die Politiker einschneidende Maßnahmen treffen", sagte der Ökonom der Zeitung "Augsburger Allgemeine". Seiner Ansicht nach könne man auch jetzt schon die notwendigen Maßnahmen treffen. Die Politik lindere die Probleme aber stets nur mit immer neuem Geld.

Aus Sicht des Wirtschaftswissenschaftlers muss Athen mit einem Austritt aus der Währungsunion die Chance gegeben werden, sich in eine neue Umgebung mit eigener Währung zu versetzen. Die Währungsgemeinschaft müsse zudem auf einen "funktionsfähigen Kern" von Ländern verkleinert werden.

Auch mit den anderen Krisenländern ging Sinn hart ins Gericht: Während sich Deutschland durch Reformen des Arbeitsmarktes und der Sozialsysteme gerettet habe, stünden genau diese Reformen jetzt bei anderen europäischen Ländern wie Italien, Spanien und Frankreich an.

Krisenherd Frankreich

Sinn wörtlich: "Frankreich ist sehr gefährdet. Das Land ist unter dem Euro viel zu teuer geworden. Löhne und Preise sind viel zu schnell gestiegen. Dadurch hat Frankreich einen Großteil seiner Wettbewerbsfähigkeit verloren". Bislang habe Paris die Probleme durch eine Ausweitung des Staatssektors übertüncht. Das Land werde zwar keine Probleme bekommen wie Griechenland und Portugal. "Aber schon kleinere Krisen in Frankreich können größere Erschütterungen im Euro-System auslösen."

Bei allen Aktionen der Europäischen Zentralbank und der Rettungseinrichtungen gehe es auch darum, die französischen Banken zu stützen, die sich sehr stark in Griechenland engagiert haben. Daneben sei Frankreich stark in Italien, Spanien und Portugal investiert.

Sinn sieht 600-Milliarden-Risiko für Deutschland

Sinn konstatierte, der Euro sei noch zu retten – aber nicht durch die jetzige Politik, die nur die Symptome der Krise bekämpfe, indem sie privaten Kredit durch öffentlichen Kredit ersetze. "Die Schuldenlast der Südländer wird Jahr um Jahr größer statt kleiner."

Falls die aktuelle Politik so weitergehe, werde sie den Euro ruinieren. "Wenn die Krisenländer Pleite gehen, bedeutet das allein für Deutschland Verluste von 500 bis 600 Milliarden Euro."

Die Politik könne sich vielleicht zehn oder 15 Jahre Ruhe kaufen. "Wenn irgendwann keine Anschlusskredite mehr möglich sind, knallt es richtig. Die nachfolgenden Generationen haben ein doppeltes Problem: Sie müssen für die Verluste in Südeuropa aufkommen und aufgrund der demografischen Entwicklung für immer mehr ältere Menschen in Deutschland zahlen. Viele junge Deutsche werden sich der Belastung durch Auswanderung entziehen, was die Lage nur noch verschlimmert."

Ein Ausweg aus der Krise bestehe in der Verkleinerung der Euro-Zone und in der Schaffung von Bremsen im europäischen Kreditsystem. Zudem müssten sich Staaten den Zinsbedingungen des Kapitalmarkts aussetzen - anstatt die dort verlangten Zinsen künstlich zu drücken.

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