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Zypern: Euroländer bitten Bankkunden für Rettung zur Kasse

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Euroländer retten Zypern - Bankkunden müssen zahlen

17.03.2013, 09:25 Uhr | dpa, AFP, t-online.de, sky

Zypern: Euroländer bitten Bankkunden für Rettung zur Kasse. Zypern in der Dauerkrise (Quelle:  imago/Ralph Peters)

Zypern in der Dauerkrise (Quelle: imago/Ralph Peters)

Neue Stufe in der Euro-Krise – und Entsetzen in Zypern: Das Land wird mit bis zu zehn Milliarden Euro gerettet. Doch erstmals werden auch Bankkunden kräftig zur Kasse gebeten: Bei Einlagen unter 100.000 Euro wird eine Abgabe von 6,75 Prozent fällig, bei höheren Beträgen sind es 9,9 Prozent. So sollen geschätzt 5,8 Milliarden Euro zusammenkommen, wie Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem nach der Einigung der Finanzminister auf das Hilfspaket in Brüssel sagte. Der Beschluss markiert auch in anderer Hinsicht einen Einschnitt: Die Stimmung unter den Rettern gegenüber den Krisenländern wie Zypern wird eisiger - Nikosia wurde nach Angaben aus zyprischen Regierungskreisen mit der Drohung des Euro-Rauswurfs zu der Bankenabgabe gezwungen.

Geldwäsche-Verdacht gegen Zypern

Rund ein Drittel der Einlagen in Zypern sind in der Hand ausländischer Kontoinhaber - vor allem reicher Russen und Briten. Seit längerem halten sich Vorwürfe, Zypern locke mit niedrigen Firmensteuern und einer lockeren Finanzaufsicht Schwarzgeld an. Zypern bestreitet dies. Die Mittelmeerinsel ist jedoch der zweitgrößte Auslandsinvestor in Russland.

Mit der neuen Abgabe werden allerdings nun nicht nur Oligarchen zur Kasse gebeten, sondern auch ganz normale Kleinanleger mit Ersparnissen unter 100.000 Euro. Zyprische Sparer reagierten entsetzt auf den Brüsseler Gipfelbeschluss.

Entsetzen bei Bankkunden

Am Morgen versuchten auf Zypern zahlreiche Menschen, ihre Konten zu räumen. Kurzzeitig kam es zu einem Ansturm auf einige wenige Genossenschaftsbanken, die auch am Samstag geöffnet hatten. Dutzende versuchten ihre Spareinlagen abzuheben, berichtete der öffentlich-rechtliche Rundfunk. Sie wurden von den Angestellten darüber informiert, dass das Onlinesystem der Banken außer Betrieb sei. Später schlossen auch die wenigen geöffneten Filialen.

In sozialen Foren im Internet häuften sich wütende Kommentare zum Beschluss der Eurozone, erstmals Bankkunden an der Rettung eines Euro-Landes vor der Pleite zu beteiligen. "Das ist eine Katastrophe", sagte ein 45-Jähriger, der in Nikosia Geld abhob, um sein Erspartes in Sicherheit zu bringen.

Es ergebe keinen Sinn, jetzt Geld vom Bankkonto zu holen, erklärte jedoch Marios Skandalis, Vizepräsident des zyprischen Buchhalterverbands: Von der Maßnahme betroffene Konten seien bereits in der Höhe der Sonderabgabe gesperrt, die Guthaben könnten nicht mehr transferiert werden. "Liebe Depotinhaber, der Zeitpunkt, um vor euren Banken Schlange zu stehen, war letzte Woche, jetzt hat es keinen Sinn. Eure Depots sind jetzt sehr, sehr sicher!" kommentierte Analyst Sony Kapoor auf Twitter.

"Der Zypern-Deal ist genau der Grund, warum ich mein Geld nicht mehr auf der Bank anlege. Brüssel kann einfach so euer Geld beschlagnahmen", schimpfte ein Nutzer im Internet. "Die Briten und Russen werden es sich jetzt zweimal überlegen, sich in der Sonne zur Ruhe zu setzen und ihr Geld auf eine zwielichtige Bank einzuzahlen", kommentierte ein anderer.

Banken auf Zypern frieren Konten ein

Um einem Run auf die Banken zuvorzukommen, waren die entsprechenden Beträge auf allen Konten in der Nacht eingefroren worden. Der Rundfunk berichtete, Kunden könnten begrenzt Geld am Automaten abheben. Alle zyprischen Banken hatten in den vergangenen Tagen versichert, es gelte - wie in ganz Europa - die Garantie der Geldeinlagen in Höhe von 100.000 Euro.

Zyperns Finanzminister Michalis Sarris deutete an, die Zwangsabgabe könne möglicherweise in Aktien der betroffenen Banken umgetauscht werden. Als Finanzminister sei er nicht glücklich über die Gebühr. "Aber die Aufgabe, den Wohlstand der Menschen und die Stabilität des Systems zu schützen, ließ uns keine andere Wahl."

EZB versichert: Einmaliger Vorgang

Die einmalig Belastung der Bankkunden sei als außerordentliche Maßnahme nötig, weil das zyprische Banksystem gemessen an der gesamten Wirtschaft überdimensioniert sei, hieß es aus Brüssel. Die Abgabe soll sowohl für in Zypern ansässige als auch für ausländische Bankkunden gelten.

Diese könnten der sogenannten Solidaritätsabgabe nicht mehr entgehen, da der fällige Betrag von sofort an auf den Konten eingefroren werde, hatte EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen nach rund zehnstündigen Marathonverhandlungen gesagt. "Bevor die Banken wieder öffnen, wird die Abgabe abgezogen. Der Rest des Geldes ist frei verfügbar", sagte Asmussen. Verantwortlich für das Verfahren seien die Zyprer. Ein solches Vorgehen drohe in anderen Krisenländern des Kontinents nicht.

Bankabgabe ober Euro-Ausstieg

Offensichtlich markiert der Beschluss nicht nur bei der Beteiligung der Bürger an der Rettung ihres Landes einen Einschnitt, sondern auch in Bezug auf die härtere Gangart in der Euro-Krise: Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Finanzministeriums auf Zypern erfuhr, soll es bei den Verhandlungen in der Nacht in Brüssel zu dramatischen Szenen gekommen sein. Mindestens drei Mal soll die zyprische Delegation bei der Eurogruppe kurz davor gewesen sein, abzureisen.

Die anderen Europäer hätten Zypern aber vor die Alternative gestellt, entweder der Sonderbesteuerung der Geldeinlagen zuzustimmen oder zur früheren Währung des Landes, dem Zypern-Pfund, zurückzukehren, berichteten zyprische Reporter. Die Regierung in Nikosia hatte eine Sonderabgabe für Bankkunden bis zuletzt zu einer "roten Linie" erklärt, die nicht überschritten werden dürfe.

EU rettet Zypern mit zehn Milliarden Euro

"Wir haben die Lastenverteilung sehr sorgfältig geprüft", versicherte Eurogruppen-Chef Dijsselbloem. "Wir bestrafen Zypern nicht." Das Hilfspaket soll ein Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro haben. Der Mittelmeerinsel droht ohne die Unterstützung der Euroländer und des Internationalen Währungsfonds (IWF) die Staatspleite im Mai.

Die Geldgeber griffen ein, obwohl das Land nur 0,2 Prozent zur Wirtschaftsleistung der Eurozone beiträgt. "Zypern ist systemrelevant für die Eurozone", resümierte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Dies bedeutet, dass eine Staatspleite die gesamte Eurozone gefährden würde.

Der Deutsche Bundestag und mehrere andere nationale Parlamente müssen dem Hilfspaket noch zustimmen. Der Bundestag sollte noch am Samstag unterrichtet werden. Das Paket soll in der zweiten April-Hälfte endgültig unter Dach und Fach gebracht werden.

Zypern ist nach Griechenland, Portugal und Irland das vierte Land, das ein Vollprogramm aus dem europäischen Rettungsschirm bekommt. Spanien erhält Milliardenhilfen nur für seine maroden Banken.

Deutschland pocht auf Anti-Geldwäsche-Gesetze

Die von einer schweren Bankenkrise erschütterte Mittelmeerinsel hatte schon im vergangenen Juni ein Hilfsgesuch in Brüssel vorgelegt. Bis vor kurzem war ein Volumen von rund 17,5 Milliarden Euro genannt worden. Mit welchem Volumen sich der IWF beteiligt, ist noch offen, sagte die Chefin des Fonds, Christine Lagarde. Nach unbestätigten Informationen könnte es um eine Milliarde Euro gehen.

Deutschland und andere Staaten bestanden darauf, dass Anti-Geldwäsche-Standards eingehalten werden. Eine unabhängige Prüfung dazu ist bereits angelaufen und soll bis Monatsende abgeschlossen werden.

Als Teil der Maßnahmen wird die Unternehmensteuer in Zypern von zehn auf 12,5 Prozent angehoben. Einen Schuldenschnitt soll es nicht geben. Russland stellte die Verlängerung eines Kredits an Zypern zu reduzierten Zinsen in Aussicht.

Regierungschef Nicos Anastasidades sollte für eine Sondersitzung des Kabinetts nach Nikosia zurückkehren, wie die Nachrichtenagentur CNA berichtete. Das Parlament soll voraussichtlich am Sonntag über die Sonderabgabe abstimmen.

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