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Zypern und die Euro-Krise: Experten befürchten das Schlimmste

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Zypern-Krise: Berlin garantiert Spareinlagen

18.03.2013, 18:31 Uhr | dpa, AFP, dpa-AFX, t-online.de

Zypern und die Euro-Krise: Experten befürchten das Schlimmste. Für die Rettung des Landes zahlen nun auch die Bankkunden in Zypern (Quelle: Reuters)

Für die Rettung des Landes zahlen nun auch die Bankkunden in Zypern (Quelle: Reuters)

Nach der Eskalation der Euro-Krise und der Teilenteignung von Kleinsparern in Zypern wächst in Deutschland das Unbehagen. Top-Ökonomen halten die Maßnahmen für brandgefährlich: Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger beispielsweise warnt vor fatalen Folgen der Zypern-Entscheidung. "Europas Bürger müssen nun um ihr Geld fürchten" sagte er im Interview mit "Spiegel Online". Auf Anfrage von t-online.de beschwichtigte er aber die deutschen Kleinsparer. Auch die Bundesregierung beeilte sich mit einer Beruhigung. Derweil ruderte Nikosia ein Stück zurück - Zypern will nun einen Freibetrag von 20.000 Euro einführen.

"Quasi-Enteignung" der Anleger

Bofinger kommentierte im Gespräch mit "Spiegel Online", die Beteiligung kleiner Sparer in Zypern sei hochgradig gefährlich. "Sie erschüttert das Vertrauen der Anleger auf dem ganzen Kontinent." Der "Passauer Neuen Presse" sagte er: "Diese Quasi-Enteignung der Anleger würde nicht nur das Bankensystem in Zypern gefährden, sondern wäre eine Bedrohung für das Finanzsystem im gesamten Euroraum". Die Regelung müsse revidiert werden, andernfalls werde sich die Schuldenkrise im Euroraum erneut verschärfen.

Bofinger bezeichnete die geplante Sonderabgabe für Bankkunden als "Tabubruch". Dieser könne auch Sparer in anderen Ländern so verunsichern, dass sie ihre Konten räumen würden. "Zypern zu stabilisieren, ohne die privaten Anleger zu beteiligen, wäre besser gewesen", resümierte der Ökonom.

Wirtschaftsweiser beruhigt deutsche Kleinsparer

Immerhin beruhigte der Volkswirt auf Anfrage von t-online.de die deutschen Kleinsparer: Das Geld auf den Konten in der Bundesrepublik sei "absolut sicher. Unser Bankensystem ist sehr stabil und mit dem Zyperns überhaupt nicht zu vergleichen". Für eine Zwangsabgabe auf Konten, Immobilien oder Lebensversicherungen hierzulande gebe es keinerlei Notwendigkeit, der deutsche Staat gelte international als einer der besten Schuldner, ergänzte Bofinger.

Die Leser von t-online.de zeigten sich zuletzt jedoch nicht überzeugt - eine überwältigende Mehrheit zweifelt an der Sicherheit der deutschen Spareinlagen, wie Sie an der - nicht repräsentativen - Umfrage rechts oben und hier im Link erkennen.

Merkel-Garantie für Deutschland

Die Unruhe unter den deutschen Bürgern wurde unterdessen auch in Berlin registriert: Die Bundesregierung erneuerte ihre Zusage vom Oktober 2008, dass sich die deutschen Sparer um ihre Bankguthaben keine Sorgen machen müssen. "Es ist das Merkmal einer Garantie, dass sie gilt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Und den Worten der Bundeskanzlerin und des damaligen Finanzministers ist nichts hinzuzufügen." Merkel und der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatten auf dem Höhepunkt der Bankenkrise erklärt, die Spareinlagen der Deutschen seien sicher.

Auch die FDP schließt eine direkte Beteiligung der deutschen Sparer an der Euro-Rettung weiterhin aus. Solche Sorgen seien "unberechtigt", sagte FDP-Chef und Vizekanzler Philipp Rösler nach der Sitzung der Spitzengremien seiner Partei.

Otte: "Schleichende Enteignung" in Deutschland

Eine direkte Zwangsabgabe in Deutschland oder eine Art Solidaritätsbeitrag zur Rettung des Euro kann sich zwar auch Max Otte, Professor in Worms und Graz, nicht vorstellen. Auf Anfrage von t-online.de ergänzte er aber: "Die Enteignung in Deutschland wird eher schleichend geschehen – mit Guthabenzinsen unterhalb der Inflation oder über Steuern, die vor allem die Mittelschicht treffen."

Auf die Frage, ob er sich langfristig eine Flucht ins Gold vorstellen kann, da sich Münzen und Barren vor dem Steuereintreiber verstecken ließen, antwortete Otte: "Ich plädiere schon länger für Gold."

Zu Zypern kommentierte der Experte, es sei marktwirtschaftlich richtig, dass die Gläubiger einbezogen werden. "Wenn das Geld aus dem ultraschlecht regulierten Zypern nach Deutschland, England und Frankreich flüchtet, so ist das nur zu begrüßen." Und weiter: In der Euro-Krise verschärfe sich die Gangart, da ein Krisenland bestraft wurde, seien aber Euro und die Eurozone gestärkt worden.

Der Wirtschaftsprofessor hält die Zypern-Vereinbarungen ansonsten für weitgehend wirkungslos im Kampf gegen die Geldwäsche in dem Inselstaat. "Zypern hat eindeutig kriminellen Machenschaften Beihilfe geleistet", sagte Otte "Handelsblatt Online". Eine einmalige Gebühr sei "zwar besser als nichts". Dies werde "aber russische Mafiosi nicht davon abhalten, weiter Geldwäsche zu tätigen".

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Nikosia will Kleinsparer bis 20.000 Euro von Abgabe ausnehmen

Derweil ist die Regierung in Nikosia etwas zurückgerudert: Die Regierung will nach dpa-Informationen nun doch Kleinsparer mit Guthaben bis zu 20.000 Euro von der geplanten Zwangsabgabe ausnehmen. Dies erfuhr die Nachrichtenagentur aus Kreisen des Finanzministeriums. Bis zu 100.000 Euro sollen wie gehabt 6,75 Prozent abgezogen werden und für Beiträge über 100.000 Euro sollen 9,9 Prozent an den Staat gehen. Eine offizielle Bestätigung steht allerdings aus.

Mit der Ausnahme der Kleinsparer würden Zypern etwa 300 Millionen Euro fehlen, um die nötigen Milliarden Euro einzusammeln, die zusammen mit den zehn Milliarden Euro der Geldgeber das klamme Land retten sollen. Wie es aus Kreisen des Ministeriums hieß, sollen die fehlenden Gelder "aus anderen Quellen" kommen. Welche diese sind, blieb unklar.

Zypern-Banken bleiben bis Donnerstag geschlossen

Das Zittern in Zypern geht unterdessen weiter – zum Entsetzen der Menschen. Das Parlament wird nun erst am Dienstag über das umstrittene Gesetz zur Zwangsabgabe auf Bankeinlagen abstimmen. Dies teilte der Vorsitzende einer der beiden regierenden Koalitionsparteien, Marios Karogian, im zyprischen Fernsehen mit. Ursprünglich war die Abstimmung für Montagnachmittag geplant. Die zyprischen Banken bleiben bis Donnerstag geschlossen.

Kunden könnten versuchen ihr Geld zu retten

Vor der neusten Entwicklung hatten sich Ökonomen wie folgt geäußert: "Dies ist ein riskantes Manöver mit ungewissem Ausgang", sagte derweil der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, zu "Handelsblatt Online". Die geplante Zwangsabgabe für sämtliche Kunden zyprischer Banken könne "die Einleger in allen Krisenländern verschrecken und zum Räumen ihrer Konten veranlassen". Das würde nach Einschätzung Horns eine Bankenkrise auslösen, die nur durch "massive Interventionen" der Europäischen Zentralbank (EZB) zu beenden wäre.

Metzler: Enteignung in Zypern führt Euro-Krise in neue Phase

Mit der Enteignung von Bankkunden in Zypern tritt die Vertrauenskrise in Euroland nach Einschätzung des Bankhauses Metzler derweil in eine neue Phase. "Hier wurde ein Exempel statuiert, das Gewaltmonopol des Staates eindrucksvoll vorgeführt", schreiben die Analysten. Die prozentualen (Steuer-)Anteile seien bereits von den Spareinlagen abgezogen, obwohl das Parlament in Nikosia erst noch abschließend über die Maßnahme abstimmen müsse.

"Die Zwangsenteignung wurde also durchgeführt, bevor sie national rechtskräftig wurde." Die Metzler-Experten interpretieren dies offenbar als Form einer neuen Rettungs-Radikalität: "Der Markt muss geschützt werden, die Ängste und Nöte der 'normalen' Bevölkerung werden bei den politischen Entscheidungen in Brüssel nur noch sehr am Rande berücksichtigt."

Chef der Saxo-Bank sieht veränderte Spielregeln

Klare Worte gab es auch von Lars Seier Christensen, dem Chef der dänischen Saxo-Bank: "Da der Damm gebrochen ist, kann es erneut passieren. Wenn zehn Prozent der Sparereinlagen konfisziert werden können, kann dies auch mit 25, 50 oder sogar 100 Prozent geschehen. Ich rechne mit noch Schlimmerem, wenn die Panik wächst und die Politiker weiter verzweifelt versuchen werden, den Euro am Leben zu erhalten", schrieb er in einem Kommentar.

Commerzbank: Sparer in anderen Ländern dürfen ruhig bleiben

Die Commerzbank rechnet derweil nicht damit, dass die geplante Zwangsabgabe auf zyprische Bankeinlagen zu dauerhaften Verwerfungen im Euroraum führt. Es sei zwar das erste Mal, dass im Laufe der Schuldenkrise Besitzer von Bankeinlagen an den Rettungskosten beteiligt würden, schrieb Analyst Christoph Weil. "Wir halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass die Sparer in den anderen Krisenländern nervös werden und in großem Stil Bankeinlagen abziehen."

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