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Zypern-Banken öffnen erst nächste Woche

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Zyperns Banken öffnen erst wieder nächste Woche

20.03.2013, 20:13 Uhr | jbü, AFP, dpa, dpa-AFX, dapd, t-online.de

Zypern-Banken öffnen erst nächste Woche. Der Präsidentenpalast in Nikosia: Auch hier wird hektisch eine Lösung gesucht (Quelle: dpa)

Der Präsidentenpalast in Nikosia: Auch hier wird hektisch eine Lösung gesucht (Quelle: dpa)

Nach dem Scheitern der Zypern-Rettung wird die Geduld der Bürger im griechischen Teil der Insel auf eine harte Probe gestellt. Die zyprische Nationalbank teilte am Mittwochabend in der Hauptstadt Nikosia mit, dass die Banken auch am Donnerstag und Freitag geschlossen bleiben. Da am Montag in Zypern Nationalfeiertag ist, könnten die Banken damit frühestens am nächsten Dienstag wieder öffnen. Die Geldinstitute sind nun schon seit Samstag geschlossen. Geldautomaten funktionieren nur noch teilweise.

Am Tag nach der Ablehnung des EU-Rettungspakets durch das zyprische Parlament hatte sich die Regierung des Krisenlandes derweil um Hilfe von anderer Seite bemüht. Russland rückte stärker in den Fokus - das Land, dessen Unternehmer Schwarzgeld in Milliardenhöhe auf die kleine Insel transferiert haben. Zyperns Finanzminister war nach Moskau gereist und sprach mit Regierungsvertretern über Finanzhilfen. Eine Lösung zeichnete sich bisher jedoch nicht ab.

Dementi zu Investoren-Interesse

Auf der Suche nach frischem Geld für Zypern gibt es laut einem Zeitungsbericht zwar eine Lösung. Für die angeschlagene Bank Popular seien russische Investoren gefunden worden, berichtete die griechische Zeitung "Kathimerini" ohne Nennung von Quellen. Die Vereinbarung sei noch vorläufig. Sollte der Einstieg realisiert werden, würde der Finanzbedarf des kurz vor der Pleite stehenden Landes um rund vier Milliarden Euro sinken, hieß es weiter in der Zeitung. Ein Regierungssprecher dementierte allerdings kurz darauf den Verkauf der Bank an russische Investoren.

"Troika akzeptiert unseren Plan B nicht"

Genau von diesem Institut hatte sich der zyprische Innenminister Sokratis Hasikos am Vormittag zumindest in Worten verabschiedet. "Die Troika akzeptiert unseren Plan B nicht", sagte er mit Blick auf die Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) dem griechischen Fernsehsender Mega. Bei einer Telefonkonferenz am Dienstagabend hätten die Troika-Vertreter "im Prinzip gesagt, dass die Bank of Cyprus und die Cyprus Popular Bank voraussichtlich nicht wieder öffnen werden".

Finanzminister bleibt länger in Moskau

Derweil ist Russland nach Zyperns Nein zum europäischen Hilfsvorschlag in den Fokus gerückt. Das Land und vor allem dessen Unternehmer sind in dem Krisenland finanziell hoch engagiert. Zyperns Finanzminister Michalis Sarris, der schon am Dienstag nach Moskau gereist war, wollte länger als geplant in der russischen Hauptstadt bleiben, um über einen Ausweg aus der drohenden Staatspleite zu verhandeln.

Die Gespräche mit russischen Regierungsvertretern sollten an diesem Donnerstag fortgesetzt werden, meldete die Finanznachrichtenagentur Prime. Erste Gespräche mit Finanzminister Anton Siluanow sowie Vize-Regierungschef Igor Schuwalow verliefen offenbar ergebnislos. Eine mögliche Unterstützung wäre die Verlängerung eines russischen Kredits über 2,5 Milliarden Euro.

Russlands Regierung hatte sich über die möglicher Retter-Rolle zunächst gar nicht begeistert gezeigt: Der drohende Verlust russischer Spareinlagen trieb den Kreml zur Weißglut. "Unfair, unprofessionell und gefährlich" - mit diesen Worten geißelte Präsident Wladimir Putin die Pläne der Europäischen Union für die Zwangsabgabe auf zyprische Konten, so, als ginge es um sein eigenes Geld.

Schätzung: Russische Einlagen von 35 Milliarden Euro

Russisches Geld ist es zum großen Teil auf jeden Fall: Die Abgabe träfe nicht nur die Inselbewohner, sondern vor allem russische Firmen und Oligarchen, die auf Zypern dank niedriger Unternehmenssteuern ihre Vermögen horten. Je nach Schätzung stammen bis zu 35 Milliarden Euro auf zyprischen Konten aus Russland - und fließen von dort oft geradewegs wieder in die Heimat.

Laut der Wirtschaftszeitung "Wedomosti" stammen 40 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen im Riesenreich aus Zypern. Umgekehrt liegt Geld russischer Banken in Milliardenhöhe bei zyprischen Kreditinstituten: Nach Schätzungen der Rating-Agentur Moody's waren es Ende 2012 gut zwölf Milliarden Dollar. In Moskauer Medien hieß es daher, die Finanzbranchen beider Länder seien miteinander verbunden "wie siamesische Zwillinge", ein Überspringen der Krise auf das Riesenreich sei also möglich.

Insel kann Investoren etwas bieten

Allerdings: Bei aller Verärgerung seitens des Kreml klingen manche Vorschläge für Investoren nicht unattraktiv. Möglich ist, dass der regierungsnahe Rohstoffgigant Gazprom sich Schürfrechte rund um Zypern, etwa an den Offshore-Erdgasfeldern, zusichern lässt. Auch andere Staatsunternehmen hoffen auf Beteiligungen, etwa bei Infrastrukturprojekten.

Immer wieder gibt es zudem Gerüchte über russische Militärpläne auf der strategisch günstig gelegenen Insel. Im Mittelmeer hat der Kreml derzeit nur einen einzigen Stützpunkt im syrischen Tartus, dessen Zukunft wegen des Bürgerkriegs unsicher ist. Spätestens seit das Verteidigungsministerium eine ständige Schnelle Eingreiftruppe im Mittelmeer ankündigte, sucht die Marine dort nach einer geeigneten Basis. Allerdings hatte Zypern dies stets vehement dementiert.

Nach Ablehnung im Parlament ist alles offen

Das Parlament in Zypern hatte das europäische Maßnahmenpaket zur Vermeidung eines Staatsbankrotts am Dienstagabend abgelehnt. Die Gesetzesvorlage sah zuletzt eine Zwangsabgabe von 6,75 Prozent für Bankguthaben ab 20.000 Euro vor, bei Guthaben von über 100.000 Euro sollte sie 9,9 Prozent betragen. Mit dem Parlamentsvotum entfällt die Voraussetzung für die Zusage der Euro-Gruppe vom Wochenende, Zypern mit einem Kredit von bis zu zehn Milliarden Euro zu unterstützen. Bedingung dafür war, dass das Land 5,8 Milliarden Euro einnimmt.

EZB: Ohne Hilfspaket keine Bankenhilfen

Zypern braucht das Geld dringend, nach früheren Angaben wird sonst der Regierung im Mai das Geld ausgehen. Die EZB könnte zudem Zyperns Banken die überlebenswichtigen Hilfskredite entziehen, wenn eine Einigung auf ein Hilfspaket für das Land nicht zustande kommt. Darauf hat Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen in einem in Auszügen veröffentlichten Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit" hingewiesen.

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Die Notenbank könne "Notfallliquidität nur solventen Banken gewähren", ließ sich Asmussen zitieren. Die Solvenz der zyprischen Banken müsse aber "als nicht gegeben angesehen werden (...), wenn nicht bald ein Hilfsprogramm für Zypern beschlossen wird, das eine rasche Rekapitalisierung des Bankensektors gewährleistet."

Euro-Gruppe will weiter unterstützen

Die Nachrichtenagentur AFP meldete zudem, die Euro-Gruppe stehe für eine rasche Zusammenkunft bereit, wenn Zypern einen Alternativplan zur Lösung seiner Finanzprobleme vorlege. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hatte am Dienstag erklärt, die Eurozone sei weiter bereit, Zypern in seinen Reformbemühungen zu unterstützen. Einen Alternativplan forderte auch die EU-Kommission.

Merkel: Abgabe soll erst ab 100.000 Euro greifen

Auch die deutsche Politik beschäftigte sich mit der Zypern-Krise: Bundeskanzlerin Angela Merkel Merkel sagte, sie erwarte schwierige Verhandlungen bis zu einer Lösung der Krise. Im Namen der Eurogruppe lehnte sie es ab, Vermögen von weniger als 100.000 Euro in die geplante Abgabe einzubeziehen. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle nannte eine Staatspleite Zyperns unerwünscht, aber beherrschbar. Die Spitzen von Union und FDP wollten am Donnerstag im Koalitionsausschuss das weitere Vorgehen erörtern.

Die Opposition im Bundestag attackierte die Regierung. SPD-Chef Sigmar Gabriel warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, das "Zypern-Desaster" trage die Handschrift der Kanzlerin. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin kritisierte in Berlin, es sei der zyprischen Regierung "ganz offensichtlich nicht um Kleinsparer, sondern um den Erhalt ihres Geschäftsmodells" gegangen.

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