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Walmart schließt Filialen und hinterlässt enorme Versorgungslücken

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Exodus bei US-Einzelhandelsriese  

Walmart hinterlässt verbrannte Erde

18.02.2016, 13:23 Uhr | dpa-AFX, t-online.de

Walmart schließt Filialen und hinterlässt enorme Versorgungslücken. Nachdem Walmart kleinere Konkurrenten aus dem Markt gedrängt hat, machen nun immer mehr Filialen des Einzelhandelsriesen dicht.  (Quelle: dpa)

Nachdem Walmart kleinere Konkurrenten aus dem Markt gedrängt hat, machen nun immer mehr Filialen des Einzelhandelsriesen dicht. (Quelle: dpa)

Seit seiner Gründung in den frühen 1960er Jahren hat der US-Einzelhandelsriese Walmart mit niedrigen Preisen und Löhnen zahllose lokale Konkurrenten vom amerikanischen Markt verdrängt. Den Trend zum Online-Shopping hat Walmart jedoch verschlafen. Gestiegene Löhne sorgen zudem für geringere Erlöse und immer mehr Filial-Schließungen. Zum Leid der Verbraucher gibt es vielerorts längst keine weiteren Einzelhändler mehr. 

"Walmart hat uns ruiniert", klagt Renee Ireland Smith im US-Sender Bloomberg TV. Sie betrieb das Lebensmittelgeschäft Town'n Country in der Kleinstadt Oriental in North Carolina. Der Absatz sei schlagartig um 30 Prozent gesunken, als Walmart im Mai 2014 eröffnet habe. Vergangenen Oktober machte der Laden zu. Und nun schließt auch Walmart.

Auch Gemeinden ächzen unter dem "Walmart-Effekt"

Oriental ist kein Einzelfall. Vor allem das jähe Ende eines erst 2011 gestarteten Experiments mit "Walmart Express" genannten Mini-Filialen hinterlässt mitunter tiefe Spuren. In vielen Provinzen - oftmals mit überwiegend älterer Bevölkerung - haben andere Einzelhändler oder Apotheken inzwischen dicht gemacht. Häufig ist der Konzern, der zugleich größter US-Arbeitgeber ist, auch eine der wichtigsten Steuerquellen der Gemeinden. Der Rückzug gleicht deshalb mitunter einem Kahlschlag.

Ökonomen nennen dies den "Walmart-Effekt": Kommt der Shopping-Riese in eine Stadt, werden andere Geschäfte verdrängt. Geht er, bleibt oft verbrannte Erde zurück. Darunter leiden vor allem kleine Gemeinden.

Walmart-Chef Doug McMillon bedauert den Rückzug des Unternehmens. Er sieht jedoch keine Alternative: "Filialen zu schließen, ist nie einfach, aber es ist notwendig, damit das Unternehmen stark und gut aufgestellt bleibt."

Allein in den USA verschwinden 154 der zuletzt 5310 Filialen. Aber der Konzern baut nicht nur in den USA ab. Weltweit werden 269 Standorte geschlossen, wie Walmart Mitte Januar ankündigte. 16.000 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Online-Handel verpasst, Löhne gestiegen

Ein Grund für das schwächelnde Geschäft ist, dass das Unternehmen nicht rechtzeitig in den Online-Handel eingestiegen ist. Um den Rückstand auf den Erzfeind Amazon aufzuholen, muss der Konzern jetzt kräftig investieren. Dazu kommt, dass das Unternehmen vor rund einem Jahr die Gehälter seiner 1,4 Millionen US-Mitarbeiter deutlich angehoben hat und jetzt einen durchschnittlichen Stundenlohn von 12,96 Dollar zahlt. Die Aktion brachte dem oft kritisierten Unternehmen viele positive Schlagzeilen.

Doch es war auch ein erheblicher finanzieller Kraftakt, der die Ergebnisse und den Geschäftsausblick belastete. Es folgten Gewinnwarnungen, die die Aktie in den letzten zwölf Monaten um rund 24 Prozent abstürzen ließen. Letztlich beschloss Walmart ein massives Sparprogramm. 

Zumindest mittelfristig dürfte das dem Kurs der Anteilsscheine aber kaum auf die Beine helfen. So hat das Unternehmen seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr bei der Vorlage der Jahresbilanz an diesem Donnerstag deutlich gesenkt. Es rechnet nur noch mit mehr oder weniger stabilen Erlösen. Zuvor war Walmart noch von einem Wachstum von drei bis vier Prozent ausgegangen. Hauptgrund für die Prognosesenkung ist, neben dem starken Dollar, der Wegfall von Verkaufsfläche durch die jüngst geschlossenen Geschäfte. 

"Big Apple" für Walmart tabu

Anders als in anderen Regionen der USA können sich Verbraucher in der Ostküsten-Metropole New York fast schon glücklich schätzen. Denn der "Big Apple" ist für Walmart tabu. Bürgermeister Bill de Blasio hat aus seiner Abneigung gegen den weltgrößten Einzelhändler nie einen Hehl gemacht: "Walmart gehört nicht nach New York City", machte er 2014 direkt nach seinem Amtsantritt unmissverständlich klar. Die niedrigen Preise und Löhne würden den lokalen Einzelhandel und die Sozialstruktur kaputt machen.

Alle Versuche des Unternehmens, in der Ostküsten-Metropole Fuß zu fassen, scheiterten. Bis heute sind die "5 Boroughs" - Manhattan, Brooklyn, Queens, die Bronx und Staten Island - Walmart-freie Zone. Damit ist New York jedoch eine absolute Ausnahme. 

Nur kurzes Intermezzo in Deutschland

Ab Mitte der 1990er Jahre versuchte Walmart auch in Deutschland Fuß zu fassen - scheiterte aber kläglich. Der Konzern investierte Milliarden, um über 20 Warenhäuser von Wertkauf und 74 von Interspar zu übernehmen. Wegen des harten Wettbewerbs in Deutschland fielen jedoch Verluste in Milliardenhöhe an. Mitte der 2000er Jahre verkaufte Walmart sämtliche Filialen an den Konkurrenten Metro und zog sich aus Deutschland zurück. 

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