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Wirtschaft: Rickmers-Gläubiger sollen ohne Versammlung Sanierung zustimmen

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Rickmers-Gläubiger sollen ohne Versammlung Sanierung zustimmen

21.04.2017, 18:19 Uhr | dpa-AFX

HAMBURG (dpa-AFX) - Die Gläubiger der taumelnden Reederei Rickmers Gruppe sollen ohne Versammlung dem Sanierungskonzept zustimmen und den Hamburger Rechtsanwalt Kristian Heiser als ihren gemeinsamen Vertreter akzeptieren. Das geht aus der Aufforderung zur Stimmabgabe der Anleihegläubiger hervor, die am Freitag im Bundesanzeiger und auf der Internet-Seite der Rickmers Gruppe veröffentlicht wurde. Rickmers hat sich über eine Anleihe am Kapitalmarkt 275 Millionen Euro geliehen, die im nächsten Jahr fällig würde. Die Laufzeit der Anleihe soll bis Ende 2027 verlängert und Zinsen bis dahin nicht ausgezahlt werden.

Sollten die Gläubiger nicht zustimmen, sei die Insolvenz der Reederei die Folge, heißt es in der Aufforderung. Nur wenn die Gläubiger zustimmen, erhalten sie im Juni noch eine Zinszahlung von knapp neun Prozent. In dem Papier wird darauf hingewiesen, dass eine eventuelle Insolvenzquote niedriger ausfallen würde. Die Abstimmung läuft vom 8. bis zum 10. Mai. Sie ist Teil eines komplexen Sanierungskonzepts, das aus einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen besteht. Bertram Rickmers, der Alleinaktionär der Rickmers Holding AG, muss 75 Prozent seiner Anteile abgeben und bis zu 30 Millionen Euro aus seinem Vermögen nachschießen.

Die Anteile der Rickmers Gruppe landen nach einer Kapitalerhöhung vorübergehend bei einer Luxemburgischen Gesellschaft (LuxCo), die sie später wieder verkaufen soll. Sie wird auch neue Schuldnerin der Anleihe. Aus dem möglichen Verkaufserlös der neuen Rickmers-Aktien sollen auch die Anleihegläubiger bedient werden. Es sei aber nicht zu erwarten, dass dieser Erlös den Wert der Anleihe erreiche. In dem Papier heißt es, es gebe "lediglich eine Chance, ohne dass ein Auszahlungsbetrag in bestimmter Höhe garantiert ist". Der finanzielle Schaden der Anleger ist also noch ungewiss; bei einer Insolvenz betrüge er mehr als 90 Prozent.

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In dem Papier werden auch detaillierte Informationen über die Bankverbindlichkeiten der Rickmers Gruppe ausgeführt. Danach liegen die Schulden bei etwas mehr als einer Milliarde US-Dollar, von denen der Großteil auf die HSH Nordbank und die Unicredit entfallen. Vorgesehen sind unter anderem Verkäufe von Unternehmensbeteiligungen und Schiffen, Laufzeitverlängerungen, Zinskürzungen, Stundungen und Tilgungsverschiebungen, um die Rickmers Gruppe über Wasser zu halten. Auch die Höhe des Schadens für die Banken und speziell für die HSH Nordbank geht aus dem Dokument nicht hervor.

Rickmers ist ebenso wie viele andere Reedereien durch die hartnäckige Schifffahrtskrise in Schwierigkeiten geraten. Die Verluste in den ersten neun Monaten 2016 betrugen fast 200 Millionen Euro. Die Rickmers Gruppe besitzt oder managt mehr als 100 Containerschiffe sowie rund 30 weitere Massengut- oder Spezialschiffe. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 2000 Mitarbeiter.

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