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Hinterbliebene: Mit Vollmachten den eigenen Tod regeln

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Vorsorge für Todesfall  

Mit Vollmachten den eigenen Tod regeln

25.06.2017, 16:14 Uhr | dpa-tmn

Hinterbliebene: Mit Vollmachten den eigenen Tod regeln. Mann schreibt mit einem Kugelschreiber ein Dokument (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/anyaberkut)

Nur wer für den Todesfall vorgesorgt hat, lässt die Hinterbliebenen nicht ratlos mit der Organisation bürokratischer Angelegenheiten zurück. (Quelle: anyaberkut/Thinkstock by Getty-Images)

Ein Todesfall ist für Hinterbliebene schwer zu bewältigen. Dazu kommen die Bürokratie und die Organisation der Trauerfeier. Wer sich nicht rechtzeitig mit dem eigenen Lebensende auseinandersetzt und unbeliebte Formalitäten wie Vollmachten oder Patientenverfügungen regelt, der muss darauf hoffen, dass sich die Nachkommen einigen. Aber häufig geht das nicht gut. Wer rechtzeitig vorsorgt, nimmt den Hinterbliebenen einen Teil der Last ab.

Ein Todesfall macht Angehörigen und engen Freunden nicht nur emotional zu schaffen. Sie haben auch praktisch einiges zu tun – schließlich sind sie oft für Trauerfeier, Wohnungsauflösung und bürokratische Dinge zuständig. Frühzeitige Vorbereitungen können ihnen bei der Bewältigung helfen, erklärt der Bundesverband Bestattungsbedarf in Bad Honnef.

Handlungssicherheit für Verwandte

"Wenn man nichts regelt, sitzen die Angehörigen hinterher da und wissen nicht, was sie machen sollen", betont Christoph Kranich, Leiter der Fachabteilung Gesundheit bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Daher rät er für den Fall, dass man selber nicht mehr entscheiden kann, den Angehörigen den Willen schriftlich mitzuteilen. Dann wissen die, wie sie sich etwa im Hinblick auf lebenserhaltende Maßnahmen nach einer schweren Erkrankung oder Operation verhalten sollen. Das gebe auch den Ärzten Handlungssicherheit. Denn die würden sich im Zweifelsfall immer für solche Maßnahmen entscheiden.

Vorsorge-Vollmacht für Vertrauensperson

Eine Möglichkeit ist, einer guten Vertrauensperson eine Vorsorge-Vollmacht zu erteilen. Das ist laut Kranich eine Generalvollmacht, die erst dann gilt, wenn die Notsituation eingetreten ist. "Damit kann jemand für mich entscheiden, wenn ich dazu nicht mehr in der Lage bin." Sie bezieht sich auf alle Bereiche, in denen es etwas zu regeln gibt wie Behörden, Banken und Ärzte. Sie kann aber auch eingeschränkt werden – etwa für medizinische Fragen.

Patientenverfügung auch wichtig

Kranich empfiehlt, medizinische Dinge lieber gesondert in einer Patientenverfügung zu regeln. "Die Bank muss ja nicht wissen, ob und wenn ja welche lebenserhaltenden Maßnahmen man wünscht." Sie richtet sich an die Person, die den Willen des Verfassers durchsetzen soll. "Das ist ziemlich bindend nach der neuen Rechtsprechung", erläutert Kranich.

Wichtig sei jedoch, dass sie möglichst präzise die Krankheitszustände und Maßnahmen beschreibt. Daher sollte man sich für das Aufsetzen der Verfügung fachkundigen Rat holen. Und man sollte sich von einem Zeugen bestätigen und unterschreiben lassen, dass man beim Verfassen der Verfügung bei klarem Verstand war.

Eine Bankvollmacht macht es Angehörigen leichter

Mit einer frühzeitig erteilten Bankvollmacht kommen Hinterbliebene schneller an Geld für die Bestattung und für aufgelaufene Rechnungen des Krankenhauses oder Pflegeheimes. Sie erlaubt ihnen etwa den Zugriff auf Konten, wenn man länger im Krankenhaus liegt. Andernfalls droht eine Kontosperre, bis alle Fragen der Erbfolge geklärt sind.

Der Kontoinhaber muss dafür eine Standardvollmacht ausstellen, so Stephanie Pallasch, Projektleiterin für Finanzdienstleistungen beim Magazin "Finanztest". Hilfreich sei auch eine Bankvollmacht für den Todesfall. Damit könnten Angehörige gleich über die Konten des Verstorbenen verfügen und müssten nicht erst auf den vom Nachlassgericht ausgestellten Erbschein warten. Für beide Vollmachten hätten die Kreditinstitute Standardformulare, erläutert Pallasch. Diese sollten Verbraucher auch benutzen: "Die meisten Banken akzeptieren keine handschriftlichen Vollmachten."

Aufzeichnungen: So soll die Trauerfeier gestaltet werden

Persönliche Notizen können im Sterbefall sehr hilfreich sein, teilt der Bundesverband mit. Wie sollte die Trauerfeier ablaufen? An wen sollten Einladungen verschickt werden? Auch Informationen zu Dekoration, Musik oder persönlichen Sachen während der Zeremonie könnten dort festgehalten werden. Zudem sollten Angehörige wissen, wie sie mit laufenden Verträgen oder Haus und Auto verfahren sollten.

Das alles reduziere den Stress beim Eintreten des Todesfalls. "Und zu guter Letzt können die persönlichen Aufzeichnungen auch noch ein paar gute Wünsche und liebe Worte enthalten, die beim Angehörigen für ein Lächeln bei all der schweren Trauer sorgen", sagt Jürgen Stahl, Vorsitzender des Verbandes.

Erbe wird im Testament geregelt

Die Frage, wer was nach dem Tod erben soll, wird im Testament geregelt. Doch dazu entschließen sich nur 25 Prozent der Deutschen, kritisiert Prof. Klaus Michael Groll. Keine Regelung zu treffen, sei jedoch der "schlimmste Fehler", der bei der Nachlassregelung passieren kann, so der Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht. "Es ist ein großes Zeichen von Verantwortungslosigkeit, wenn man sich nicht darum kümmert."

Denn ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge, was zu komplizierten und unerwünschten Konstellationen führen kann: So können Personen erben, die der Erblasser gar nicht berücksichtigen wollte. Oder es entstehen Erbengemeinschaften, die Groll als "Konfliktpotenzial ersten Ranges" bezeichnet: Jeder Miterbe kann die Erbengemeinschaft sprengen und zum Beispiel die Versteigerung einer Immobilie erzwingen, um sich auszahlen zu lassen.

Aber auch wer ein Testament verfasst, kann ungewollt Unheil anrichten – weil er inhaltliche Fehler macht. Groll rät daher, sich Rat von einem Fachanwalt für Erbrecht zu holen. Formell kann der Nachlass per privatschriftlichem oder notariell beglaubigtem Testament sowie per notariellem Erbvertrag geregelt werden. Vom Erbvertrag rät Groll jedoch ab, weil dieser sich nur rückgängig machen lässt, wenn dem alle Vertragsparteien zustimmen. Ein Testament lässt sich jederzeit vom Verfasser ändern.

"Berliner Testament" für Ehepartner

Ehepartner verfassen gern ein gemeinschaftliches Ehegatten-Testament, oft in Form des "Berliner Testaments", in dem sie sich zur Absicherung gegenseitig als Alleinerben einsetzen. Der Haken bei dieser Lösung: Sie enterben dabei laut Groll ihre Kinder, wodurch diese einen Pflichtteilanspruch erhalten. Dieser ist immer ein Geldanspruch und kann ebenfalls zu Problemen führen, wenn Sohn oder Tochter auf Auszahlung bestehen. Um für diesen Fall den Verkauf des Wohnhauses zu vermeiden, in dem Mutter oder Vater weiter leben wollen, empfiehlt Groll, zu Lebzeiten mit den Kindern einen Pflichtteilverzichtsvertrag zu schließen. Wichtig ist außerdem, Ersatzerben zu bestimmen für den Fall, dass die Haupterben verstorben sind. Sonst würde hier ebenfalls die gesetzliche Erbfolge greifen.

Vermögensübertragung zu Lebzeiten

Um Erbschaftsteuer zu sparen, ist die Vermögensübertragung zu Lebzeiten in Mode gekommen. Wichtig ist bei solchen Schenkungen, mit dem Beschenkten schriftlich zu vereinbaren, dass sie in Anrechnung auf den späteren Pflichtteil erfolgen, erläutert Groll. Und auch hier gibt es Gründe, die trotz des Steuervorteils dagegen sprechen: Oft können es etwa die Eltern gar nicht absehen, welchen Finanzbedarf sie im Alter aufgrund von Pflegebedürftigkeit noch haben.

Testament beim Nachlassgericht hinterlegen

Ist eine Form der Nachlassregelung gefunden, empfiehlt Groll, das Testament beim Nachlassgericht oder Anwalt zu hinterlegen und einen Testamentvollstrecker einzusetzen. Dieser sei eine neutrale Person und diene als Puffer zwischen den Erben. Außerdem übernimmt er die Abwicklung, was möglichen Streit vermeidet. Nicht zuletzt sollten Eltern den Inhalt ihres Testaments für sich behalten, betont Groll: "Das Testament ist geheime Kommandosache und geht die Kinder nichts an. Sonst weckt es zu Lebzeiten nur Begehrlichkeiten."

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