Sie sind hier: Home > Finanzen > Versicherungen >

Wie sich Versicherte vor dem Beitragsfluch schützen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

So schützen sich Privatversicherte vor dem Beitragsfluch

24.11.2010, 18:11 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Wie sich Versicherte vor dem Beitragsfluch schützen. Viele private Krankenversicherer erhöhen im kommenden Jahr erneut ihre Beträge (Quelle: dpa)

Viele private Krankenversicherer erhöhen im kommenden Jahr erneut ihre Beträge (Quelle: dpa)

Millionen Kunden der privaten Krankenversicherung haben Ende 2010 unerfreuliche Post bekommen: Die Beiträge stiegen Anfang 2011 deutlich. Doch es gibt einen Gesetzestrick, mit dem sich Verbraucher nächstes Mal gegen den Kostenfluch wehren können.

Höhere PKV-Beträge: Callcenter rät zum Hausverkauf

Vor einem Jahr wusste Peter Müller (Name geändert) nicht mehr weiter. Seine private Krankenversicherung hatte ihn krank gemacht. Die Prämie stieg zum 1. Januar 2010 um 33 Prozent. Verzweifelt bat der Frührentner den Anbieter um Alternativen zum 550-Euro-Monatsbeitrag. Er könne die Police nicht bezahlen, kündigte Müller mit verzweifeltem Unterton an.

Doch die Antwort aus dem Callcenter verstärkte nur seine Angst vor dem sozialen Ruin: "Tja, dann müssen Sie eben Ihr Haus verkaufen." Auch sein Makler erwies sich angesichts des finanziellen Dramas nicht gerade als Freund und Helfer: "Tut mir Leid, nichts zu machen."

Newsletter
Wichtiges zu privater Vorsorge
Werktags die wichtigsten Neuigkeiten rund um Wirtschaft und Finanzen per E-Mail in Ihr Postfach  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Antworten der Versicherung und des Policenverkäufers waren nicht nur zynisch. Sie waren auch falsch. Das erfuhr Müller aber erst, als er den Versicherungsmakler Javier Garcia aus Bad Oeynhausen kennenlernte. Der 40-Jährige verkauft ebenfalls Krankenversicherungen. Er gehört aber nach Müllers Meinung zum Kreis derjenigen Branchenvertreter, die anders als etliche Kollegen ihr Gewissen nicht zugunsten des Girokontos geopfert haben.

Weitgehend unbekanntes Gesetz zu privaten Krankenversicherungen

Garcia wies ihn auf ein Gesetz hin, das sperrig klingt und noch immer ziemlich unbekannt ist. Das aber jeder Privatversicherte kennen sollte. In Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetztes steht:

Der Versicherungsnehmer [kann] vom Versicherer verlangen, dass dieser Anträge auf Wechsel in andere Tarife mit gleichartigem Versicherungsschutz [...] annimmt; soweit die Leistungen in dem Tarif [...] höher oder umfassender sind als in dem bisherigen Tarif, kann der Versicherer für die Mehrleistung einen Leistungsausschluss oder einen angemessenen Risikozuschlag [...] verlangen.

Versteckt im sperrigen Gesetzestext folgt der entscheidende Satz:

Der Versicherungsnehmer kann die Vereinbarung eines Risikozuschlages und einer Wartezeit dadurch abwenden, dass er hinsichtlich der Mehrleistung einen Leistungsausschluss vereinbart.

Das heißt übersetzt: Jeder Privatversicherte hat das Recht, in einen Tarif seines Anbieters zu wechseln, der im Zweifel mehr Leistungen bietet und gleichzeitig günstiger ist. Falls er Vorerkrankungen hat, kann er die zusätzlichen Leistungen ausschließen und damit einen Risikozuschlag vermeiden. Die Formel lautet: Genauso gut versichert für weniger Geld.

Was die Versicherung vorschlägt, ist unattraktiv

Der Paragraf ist deshalb für die knapp neun Millionen Privatversicherten so wichtig, weil die Wahl von Debeka, DKV, Allianz und Co. einer Entscheidung fürs Leben gleichkommt. Wer sich vor 2009 für den Erste-Klasse-Schutz eines Anbieters entschieden hat, kann seine Alterungsrückstellungen beim Wechsel zur Konkurrenz nicht mitnehmen. Versicherte verzichten damit im Zweifel auf mehrere Zehntausend Euro. "Das lohnt sich nur in wenigen Fällen", sagt Experte Garcia.

Und jeder Privatversicherte, der bereits irgendein Wehwehchen hatte, ist eh an seinen Anbieter gefesselt. Er befindet sich je nach Schutzniveau in einem Fünf-Sterne-Gefängnis. Denn beim Wechsel zu einem anderen Unternehmen wird eine Gesundheitsprüfung fällig. Wenn der Antrag nicht ganz abgelehnt wird, kommt es oft zum Ausschluss von Leistungen oder zu saftigen Risikozuschlägen. "Beides ist für die meisten Versicherten nicht attraktiv", sagt Garcia.

Wer aber über Jahrzehnte an seinen Versicherer gebunden ist, muss zusehen, dass er dort für sich das Beste herausholt. Und dabei hilft besagter Paragraf 204. Die Firmen legen immer neue Köder-Tarife auf, die für junge Gesunde gedacht sind. Tarife, in denen sich die älteren Kranken tummeln, werden dagegen geschlossen oder nicht mehr beworben. Diese Tarife vergreisen, und die Kunden kämpfen mit drastischen Kostensteigerungen.

Will ein Versicherter seinen Beitrag senken, schlagen die Anbieter meistens eine höhere Selbstbeteiligung vor oder empfehlen die Wahl eines Tarifs mit geringeren Leistungen. Der Haken: Wer später den Selbstbehalt wieder reduzieren oder in einen leistungsstärkeren Tarif wechseln will, kann dies erst nach einer Gesundheitsprüfung tun. Beide Optionen sollten deshalb nur dann geprüft werden, wenn alle anderen Alternativen ausgeschöpft sind.

Doppel-Kampf lohnt sich

Und die beste aller Alternativen ist und bleibt der Wechsel in einen günstigeren Tarif - inklusive des potentiellen Ausschlusses von Mehrleistungen. Für dieses Recht müssen die Versicherten allerdings selbst kämpfen und Ausdauer beweisen. Denn die Unternehmen haben kein Interesse daran, dass Altversicherte mit Krankheiten die Kalkulation der jungen Alles-bestens-Tarife ad absurdum führen. Deswegen hielt die Krankenversicherung ihren Kunden Peter Müller über Monate mit Tarifangeboten inklusive Risikozuschlägen hin. Allerdings waren die Policen fast durchweg teurer als sein aktueller Tarif.

Dass auch Makler häufig nicht den entsprechenden Hinweis geben, dürfte oft finanzielle Gründe haben: Sie verdienen an einem internen Tarifwechsel nichts. Ihre Prämie von bis zu 16 Monatsbeiträgen bekommen sie nur, wenn ein Versicherter bei einer anderen Gesellschaft einen neuen Vertrag abschließt. Das wiederum ist für die meisten Versicherten unattraktiv. Die Interessen könnten unterschiedlicher kaum sein.

Aber der Doppel-Kampf gegen die Versicherung und den Makler lohnt sich. Das zeigt der Erfolg von Peter Müller. Acht Monate, nachdem er seine Versicherung erstmals wegen eines Alternativangebots kontaktiert und immer wieder nachgehakt hatte, unterbreitete sie ihm einen Vorschlag nach Paragraf 204. Nun hat er nahezu die identischen Leistungen wie früher - zahlt aber statt 550 nur noch 230 Euro pro Monat.

Der Branche graut davor, dass Hunderttausende Privatversicherte dem Beispiel von Peter Müller folgen. In der Tat hätte die Massenflucht aus teuren Tarifen zur Folge, dass mittelfristig die bislang günstigen Tarife ebenfalls explodieren. Allerdings ist die Alternative für die Versicherten deutlich schlechter: Im Status quo verharren und noch schneller steigende Beiträge ertragen.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Wirtschaft
3D-Technik im OP

Den weltweit modernsten Hightech-Raum für OP-Planung findet man in Leipzig. zum Video

Video des Tages

Shopping
Shopping
Neu: MagentaMobil Start L mit 100 Minuten Allnet
zur Telekom
KlingelBabistabonprix.deLidl.deStreet OneCECILMADELEINEdouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Telekom Fotoservice
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017