Sie sind hier: Home > Finanzen > Versicherungen >

Privater Krankenversicherer erschwert systematisch Tarifwechsel

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Privater Krankenversicherer erschwert systematisch Tarifwechsel

18.06.2013, 11:42 Uhr | Spiegel Online

Privater Krankenversicherer erschwert systematisch Tarifwechsel. Die PKV versucht Kunden mit Warnungen vor einem Tarifwechsel zu behindern - nicht alle Leistungen würden übernommen werden (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die PKV versucht Kunden mit Warnungen vor einem Tarifwechsel zu behindern - nicht alle Leistungen würden übernommen werden (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Privat Krankenversicherte, die unter steigenden Monatsbeiträgen leiden, haben es schwer. Per Gesetz steht ihnen zwar ein Wechsel in einen günstigeren Tarif zu. Doch in der Praxis scheitern viele. Die Gesellschaften wimmeln ab, unterschlagen günstige Angebote, warnen vor angeblichen Problemen und verweigern teils sogar komplett den Wechsel.

Desinformation hat teilweise System

Wenn in der Vergangenheit über solche Fälle berichtet wurde, hieß es meist: war ein Versehen, kommt nicht wieder vor. Doch "Spiegel Online" liegt nun ein internes Schreiben einer Krankenversicherung vor, das erstmals belegt: Es sind keine Einzelfälle, das Hinhalten und die Desinformation haben zumindest teilweise System.

Das Papier stammt von der Gothaer, es trägt den Vermerk "nur für den internen Gebrauch". Darin heißt es: "Vor dem Hintergrund steigender PKV-Beiträge haben Versicherungsnehmer zunehmend Interesse an einer Umstellung in Tarife mit einem niedrigeren Beitrag." Und laut Paragraf 204 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) seien die Kunden dazu auch berechtigt. Doch dann kommt das große Aber: Eine besondere Möglichkeit, die das Gesetz beim Tarifwechsel vorsieht, sei bitte zu vermeiden.

Versicherungen zeigen Nachteile, die es nicht gibt

Konkret geht es um den sogenannten Mehrleistungsausschluss. Hinter der sperrigen Formulierung verbirgt sich das Prinzip, dass Kunden beim Tarifwechsel auf die Mehrleistungen des neuen Tarifs verzichten, um keinen Risikozuschlag zahlen zu müssen. Wohlgemerkt: Es handelt sich dabei um Leistungen, die sie auch im alten Tarif nicht hatten. Die Gothaer, die Signal Iduna und die Allianz versuchen, den Kunden vom Mehrleistungsausschluss abzuhalten, indem sie Nachteile suggerieren, die gar nicht existieren. Das zeigen zahlreiche Fälle, die "Spiegel Online" vorliegen.

Warum, das steht schwarz auf weiß im internen Schreiben der Gothaer: "Die Leistungseinschränkung ist grundsätzlich mit Mehraufwand und Abgrenzungsproblemen verbunden." Und dann heißt es fettgedruckt: "Dem Versicherungsnehmer ist daher vorrangig der medizinische Wagnisausgleich anzubieten." Das bedeutet: Den Kunden wird nahegelegt, lieber einen Risikozuschlag zu zahlen, statt auf Leistungen zu verzichten, die sie auch bisher nicht hatten.

Kunden werden verunsichert

Für Versicherungsmakler, die sich regelmäßig mit Tarifwechseln beschäftigen, ist das Vorgehen der Gothaer kein Einzelfall. Die Gesellschaften setzen bei Kunden, die in einen günstigeren Tarif wechseln wollen, auf das Prinzip Verunsicherung. Die Allianz ließ Kunden etwa unterschreiben, ihnen sei bewusst, "durch den Teil-Leistungsausschluss auf Versicherungsleistungen zu verzichten, die zu einem späteren Zeitpunkt wichtig sein können". Mögliche Zusatzkosten müssten sie selbst übernehmen. "Ein Fall von Panikmache", kritisiert SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach.

Das ist nicht ungesetzlich, Banken und Versicherungen arbeiten ähnlich, wenn es darum geht, Kunden neue Produkte zu verkaufen. "Bei der PKV geht es aber um Gesundheit, nicht um irgendeine Geldanlage", sagt SPD-Mann Lauterbach. Außerdem könnten die Beiträge gerade für ältere Versicherte in den kommenden Jahren noch deutlich steigen. "Diese Menschen werden einen großen Teil ihrer Rente für die PKV zahlen", sagte er dem "Spiegel".

An Formulierungen bei Beschwerden "nicht zwingend festhalten"

Auch die Gothaer führt in ihrem Schreiben angebliche Nachteile auf. So müsse der Versicherte die Rechnung des Arztes direkt bezahlen. Das ist allerdings bei der privaten Krankenversicherung die Regel: Der Versicherte zahlt die Rechnung und lässt sich das Geld von seiner Gesellschaft erstatten. Mit dem Leistungsausschluss entsteht ihm also kein neuer Nachteil.

Die Gothaer weist ihre Mitarbeiter dennoch an: "Eine Leistungseinschränkung ist nur zu vereinbaren, wenn der Versicherungsnehmer oder Honorarberater diese explizit fordern." Im Klartext: Nur wer sein Recht einfordert, soll es auch in Anspruch nehmen dürfen.

Abschließend heißt es: "Sollte die formulierte Leistungseinschränkung durch den Versicherungsnehmer rechtlich angezweifelt werden oder gar eine Kundenbeschwerde auslösen, so ist an der Formulierung nicht zwingend festzuhalten."

"Im Kundeninteresse nicht priorisiert"

Eine Sprecherin der Gothaer teilte "Spiegel Online" auf Anfrage mit, man handele "entsprechend der gesetzlichen Regelung". Es gehe nicht darum, Kunden von einem Leistungsausschluss abzuhalten, diese würden lediglich "im Kundeninteresse nicht priorisiert".

Die Anforderungen an die Beratung zu Tarifwechseln seien "sehr hoch". Daher bedürfe es "detaillierter Arbeitsanweisungen für Mitarbeiter unseres Hauses". Ein Risikozuschlag habe im Vergleich zum Leistungsausschluss "diverse Vorteile", etwa weil er "den gewünschten Versicherungsschutz ohne Einschränkungen" biete.

Risikoaufschlag könnte Ersparnisse reduzieren

Doch den meisten Kunden geht es bei einem Tarifwechsel nicht darum, zusätzliche Leistungen zu bekommen. Sie wollen ihren Beitrag verringern. Ein Risikozuschlag könnte die mögliche Ersparnis dagegen reduzieren oder sogar ganz aufzehren.

Das Schreiben stellt auch Aussagen in Zweifel, die der scheidende PKV-Chef Reinhold Schulte im Interview mit "Spiegel Online" gemacht hat. So sagte er im Januar, Probleme beim Tarifwechsel könne er "überhaupt nicht bestätigen". Zum internen Schreiben der Gothaer sagte Schulte nun, er werde "den Vorgang gegenüber Vorstandschef Michael Kurtenbach ansprechen".

Um niedrigere Beiträge betrogen

"Das Schreiben der Gothaer belegt, was Branchenkenner seit langem geahnt haben", sagt SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach. "Nämlich, dass die PKV Kunden systematisch um die Möglichkeit betrügt, geringere Beiträge zu zahlen." Lauterbach hält das Vorgehen für branchenüblich und fordert die Gesellschaften auf, ihr Verhalten beim Tarifwechsel zu ändern.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Video des Tages
Ähnliche Themen im Web

Shopping
Shopping
congstar „Smart Aktion“: 300 Min, 100 SMS und 1000 MB
zu congstar.de
Shopping
Portable Bluetooth-Speaker für alle Gelegenheiten
online unter www.teufel.de
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Prepaid-Aufladung
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • MagentaCLOUD
  • Homepages & Shops
  • De-Mail
  • Freemail
  • Mail & Cloud M
  • Sicherheitspaket
  • Hotspot
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017