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Externe Berater übernehmen für Krankenkassen die Betreuung psychisch Kranker.

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Teures Krankengeld  

Kassen setzen externe Berater auf psychisch Kranke an

18.10.2013, 15:51 Uhr | Spiegel Online

Externe Berater übernehmen für Krankenkassen die Betreuung psychisch Kranker.. Die Zahl von psychischen Erkrankungen steigt enorm an -das wird den Kassen zu teuer (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Zahl von psychischen Erkrankungen steigt enorm an -das wird den Kassen zu teuer (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Im Gesundheitssystem hat sich ein neues Geschäftsmodell etabliert: Externe Berater übernehmen für Krankenkassen die Betreuung psychisch Kranker. Ärzte und Datenschützer halten das Vorgehen für problematisch.

Externer Berater soll Zustand bewerten

Das Schreiben seiner Krankenkasse erreichte Johannes K. vor wenigen Wochen. Die AOK Bayern lädt den Münchner darin ein, er soll zu einem "Beratungsgespräch zum Gesundheitsmanagement" kommen. Doch der Termin findet nicht etwa bei der Kasse selbst statt. Sprechen soll K. mit einem Mitarbeiter von Ge.on Case Management. Dabei handelt es sich um einen privaten Dienstleister, den die AOK beauftragt hat, um psychisch und chronisch Kranke zu betreuen.

Johannes K., seit Monaten arbeitsunfähig, reagierte ungehalten: "Warum soll ich da hingehen? Das ist doch eine Pseudoveranstaltung." Sein Verdacht: Die Kasse wolle ihn unter Druck setzen, schnell wieder zu arbeiten und damit kein Krankengeld mehr zu kassieren. K. schaltete seinen Anwalt ein. Der bestätigt ihm, dass die Beratung freiwillig ist. Die Kasse kann ihn nicht dazu verpflichten, mit den Ge.on-Leuten zu reden.

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K. entschied sich, das Angebot abzulehnen. Damit sei er Teil einer kleinen Minderheit, sagt Susanne Jacobs-Finkelmeier. Sie ist die Chefin von Ge.on Case Management. "90 Prozent der von der Kasse angesprochenen Versicherten machen mit und sind dankbar für unser Angebot." Im Jahr betreue Ge.on etwa 10.000 Personen. Nur wenige seien zunächst misstrauisch, ließen sich dann aber doch überzeugen und blieben, so Jacobs-Finkelmeier.

Krankenkassen übern Druck aus

Der Umgang von Krankenkassen mit psychisch Kranken hat in den vergangenen Wochen für Aufregung gesorgt. Betroffene klagen über Sachbearbeiter, die massiven Druck ausüben, Telefonterror und Einschüchterung betreiben. Der Hintergrund ist klar: Es geht ums Geld. Die Kassen versuchen, die deutlich steigenden Krankengeldkosten zu verringern. Wer länger krankgeschrieben ist, hat Anspruch auf diese Leistung der Krankenkassen, deren Höhe sich am zuletzt erhaltenen Gehalt orientiert.

Gerade psychische Erkrankungen gehen oft mit längerer Arbeitsunfähigkeit einher. Schätzungen zufolge sind in Deutschland jährlich 2,2 Millionen Menschen wegen psychischer Krankheiten arbeitsunfähig. In den vergangenen 15 Jahren nahm die Zahl der Fälle demnach um fast 150 Prozent zu.

Rein in den Job - raus aus dem Krankengeld

Fast alle Kassen haben deshalb Krankengeld-Fallmanager eingestellt, zumeist sind ganze Abteilungen für diese besonders teuren Versicherten zuständig. Daneben hat sich eine ganze Branche von Dienstleistern etabliert, die den Kassen versprechen: Wir bringen psychisch Kranke zurück in den Job - und damit raus aus dem Krankengeld.

Wie geschieht das nun? Setzt auch Ge.on die Versicherten unter Druck, nur subtiler, als das beim Telefonterror einiger Kassen geschieht? Jacobs-Finkelmeier weist das vehement zurück. "Wir wollen, dass Patienten alles bekommen, was sie brauchen, um gesund zu werden."

Dafür arbeiteten ihre Mitarbeiter - Psychologen, Sozialpädagogen und Ärzte - eng mit dem behandelnden Arzt zusammen. "Der Eindruck der medizinischen Laien ist: Man muss bei psychisch Kranken Druck machen, dann läuft das schon wieder", sagt die Firmenchefin. Doch damit werde "nur das Gegenteil erreicht".

Neben der Kooperation mit den Ärzten setze Ge.on darauf, mit dem Versicherten direkt an seinen Problemen zu arbeiten. Zum Beispiel könne der Berater helfen, Konflikte am Arbeitsplatz zu lösen und das Gespräch mit Kollegen oder Vorgesetzten zu suchen.

"Patienten werden in die Mangel genommen"

Klingt nett, doch Patientenschützer und Ärzte sind skeptisch, was die Arbeit von Dienstleistern wie Ge.on angeht. Ein Mediziner aus München, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen will, erzählt: "Patienten berichten, dass sie sich unter Druck gesetzt fühlen." Sein Eindruck sei: "Die Menschen werden gleichsam vom Ge.on Case Manager und vom Kassenmitarbeiter in die Mangel genommen."

"Da wird ein subtiler Druck auf die Patienten erzeugt", kritisiert auch Claudia Schlund von der Unabhängigen Patientenberatung (UPD). "Viele fühlen sich genötigt, sich nackt auszuziehen, alles preisgeben zu müssen." Ihre Erfahrung aus der Beratung sei, dass viele psychisch Kranke nicht frei in ihrer Entscheidung seien, mit den Beratern zu reden. "Sie haben Angst vor dem Damoklesschwert Leistungskürzung und machen deshalb mit."

Jacobs-Finkelmeier kennt diese Kritik. Sie hält sie aber schlicht für unbegründet. Sie kennt auch Kassen, die Versicherte nur unter Druck setzen - ohne großes Interesse an ihrer Genesung. Mit solchen Kassen arbeite Ge.on aber nicht zusammen.

Problem Datenschutz

Ein weiteres Problem, das Ärzte und Patientenschützer ansprechen, ist der Datenschutz. Immerhin sammeln die Dienstleister zahlreiche persönliche Informationen über die Patienten und tauschen diese auch mit den Kassen aus. Auch wenn die Versicherten diesem Vorgehen schriftlich zustimmen müssen, sei noch lange nicht klar, dass die Praxis damit wasserdicht sei, sagt eine Sprecherin des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar. "Es gibt dafür keine Rechtsgrundlage." Die Sprecherin kündigt eine gründliche Prüfung an: "Wir werden dem nachgehen."

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