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"Pflege- Bahr": Versicherung von Gesundheitsminister Daniel Bahr boomt

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Nach verhaltenem Start  

"Pflege-Bahr" boomt

16.11.2013, 18:04 Uhr | dpa

"Pflege- Bahr": Versicherung von Gesundheitsminister Daniel Bahr boomt. Die Zusatzversicherung war eine Herzensangelegenheit der FDP und des Namensgebers Daniel Bahr (Quelle: dpa)

Die Zusatzversicherung war eine Herzensangelegenheit der FDP und des Namensgebers Daniel Bahr (Quelle: dpa)

Erst dümpelte die Pflegezusatzversicherung, eingeführt von FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr, vor sich hin. Doch mittlerweile erfreut sich die staatlich geförderte Pflege-Police wachsender Beliebtheit - wohl ganz zum Unmut von Schwarz-Rot. Denn so leicht wie erhofft werden sie den "Pflege-Bahr" nicht wieder los.

Die SPD war in der Sache stets glasklar. "Das unsinnige Geschenk von Schwarz-Gelb an die Privatassekuranz von fünf Euro im Monat wird abgeschafft", versprach ihr Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Wahlkampf. Gemeint war die staatlich geförderte Pflege-Zusatzversicherung, die die schwarz-gelbe Pflegereform Anfang 2013 mit sich brachte. Experten hatten viel zu kritisieren an dem Vorhaben. Zumindest in der FDP freute man sich über dieses Konstrukt. Ihr damaliger Generalsekretär Christian Lindner gab ihm den Namen: "Das ist der 'Pflege-Bahr', den wir einführen."

Verhaltener Start der Versicherung

Zuerst dümpelte die Pflegezusatzversicherung vor sich hin. Die Private Krankenversicherung (PKV) tat sich schwer mit konkreten Angeboten. Denn ab zehn Euro Mindestbeitrag konnte jeder dabei sein - ohne Risikoprüfung. Branchenkenner sagten den PKV-Unternehmen nach, nicht die Ersten sein zu wollen, die sich Kunden mit hohem Risiko ins Haus holen. Als es Angebote gab, strömten die Kunden erst auch nur spärlich.

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1600 Abschlüsse pro Arbeitstag

Das hat sich deutlich geändert - wie 1600 Vertragsabschlüsse pro Arbeitstag heute zeigen. 332.600 Verträge sind es insgesamt bisher. Nächstes Jahr soll die Eine-Million-Marke geknackt sein. Für die Förderung hat der Bund 100 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen.

Klar ist: Pflege zehrt heute oft die Ersparnisse auf. Auch die Angehörigen können den Eigenanteil fürs Heim häufig nicht zahlen. Viele Betroffene brauchen Sozialhilfe. Doch Verbraucherberater lassen trotzdem wenig Gutes an der Zusatzversicherung.

Versichertenbund kritisiert hohes Risiko

Die Policen würden ohne Beratung massenweise verschickt, kritisiert der Bund der Versicherten. Die Beiträge in den Tarifen drohten später zu steigen, weil hier viele mit hohem Risiko versammelt seien. Schließlich müssen die Unternehmen bei diesen Versicherungen alle Interessenten nehmen. "Ich denke, dass Versicherte hier lieber versuchen sollten, ungeförderte Verträge ihrem Bedarf entsprechend abzuschließen", sagt der Berater Timo Voß.

Hilfe zur Pflege: Zuletzt brauchten 330.000 Menschen finanzielle Unterstützung (Quelle: dpa)Hilfe zur Pflege: Zuletzt brauchten 330.000 Menschen finanzielle Unterstützung (Quelle: dpa) Ende 2012 gab es 2,2 Millionen solcher Verträge, für 2013 rechnete der PKV-Verband mit Zuwachs. Auch Kombinationen gibt es mit Namen wie "PflegeBAHR und PflegeBAHRPLUS" bei einem Versicherer.

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Was wird also aus der Zusatzversicherung? Der Pflegeexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, Dieter Lang, ist alles andere als ein Freund der schwarz-gelben Erfindung. Aber er räumt ein, dass man sie wohl nicht einfach abschaffen kann: "Wer den Vertrag geschlossen hat, baut darauf, die Förderung weiter zu bekommen." Je mehr dies tun, desto stärker zählt das. Man könnte das Angebot höchstens auslaufen lassen, also Neuverträge nicht mehr fördern. Aber auch das gilt als riskant, drohen in den Tarifen ohne Neuabschlüsse doch erst recht Beitragssteigerungen.

Bahr wollte mehr durchsetzen

Es könnte aber auch noch einen späten Triumph Bahrs geben, der mit seiner Pflegereform stets mehr gewollt hatte, als er durchsetzen konnte. Der gegenteilige Weg wäre, die staatliche Förderung stark auszuweiten, nebenbei die Beratung zu verbessern und Attraktivität sowie Wirksamkeit der Zusatzpolicen so zu steigern.

Alleine aus Rücksichtnahme gegenüber der Union ist es ohnehin wahrscheinlich, dass die SPD die ungeliebte Zusatzversicherung akzeptiert. Sie war zwar keine Herzensangelegenheit von CDU/CSU, aber gemeinsam mit der FDP beschlossen hat man sie doch.

Derweil stemmt sich die SPD gegen die Unionspläne, darüber hinaus mit Beitragsgeld auch kollektiv in einer großen Kapitalrücklage anzusparen - also nicht mit freiwilligen Policen einzelner Versicherter. CDU-Verhandlungsführer Jens Spahn will damit erwartbar steigendem Pflegebedarf durch das Altwerden der Babyboomer begegnen. Für Lauterbach ist dies "Zwangssparen". Er will offiziell nach wie vor das Umlagesystem zur Pflege-Bürgerversicherung ausbauen. Am Sonntag wird darüber weiterverhandelt.

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