Sie sind hier: Home > Finanzen > Versicherungen >

OECD-Bericht: Warum in Deutschland Medikamente so teuer sind

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Alarmierender OECD-Bericht  

Warum in Deutschland Medikamente so teuer sind

04.11.2015, 19:09 Uhr | t-online.de

OECD-Bericht: Warum in Deutschland Medikamente so teuer sind. In Deutschland wird viel Geld für Medikamente ausgegeben. (Quelle: dpa)

In Deutschland wird viel Geld für Medikamente ausgegeben. (Quelle: dpa)

Deutschlands Gesundheitssystem ist im Vergleich zu anderen OECD-Ländern teuer. Vor allem die Kosten für Medikamente sind hoch. Warum geben Deutsche so viel Geld für Arzneimittel aus?

Im OECD-Vergleich liegt Deutschland mit 678 US-Dollar (rund 620 Euro) jährlich pro Einwohner 30 Prozent über dem Durchschnitt. In Europa toppt das nur Griechenland.

Dass hierzulande für Medikamente mehr Geld ausgegeben wird, hat zum einen mit den vergleichsweise höheren Preisen zu tun. "Deutschland ist für viele andere europäische Länder der Referenzmarkt, sie richten ihre Preise daran aus", erklärt Kai Vogel, Experte für Gesundheitswesen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, gegenüber t-online.de. Deshalb hätten die Pharmaunternehmen ein "strategisches Interesse daran, die Preise hochzuhalten", so Stefan Etgeton, Experte bei der Bertelsmann-Stiftung.

Ein ganz simpler Grund seien jedoch auch die Einkommensverhältnisse: Die Deutschen verdienen im Schnitt mehr als viele andere Europäer - und müssten deshalb auch mehr bezahlen.

Ausgaben für Arzneimittel im OECD-Vergleich (Quelle: OECD)Ausgaben für Arzneimittel im OECD-Vergleich (Quelle: OECD)


Gesetz zeigt Wirkung

2010 wurde der Markt neu geregelt: Das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz legt seitdem fest, dass der Preis für ein Medikament vom Hersteller in Abstimmung mit den Krankenkassen unter Berücksichtigung des Nutzens des Produktes verhandelt werden muss. Davor herrschten paradiesische Zustände für die Pharmaunternehmen: Sie konnten die Preise quasi frei gestalten.

Das Gesetz zeigt Wirkung: So stagnierten die Ausgaben für Medikamente zwischen 2009 und 2013 weitgehend. Nun sind sie um sieben Prozent gestiegen.

Für Etgeton ist dies jedoch ein Ausnahmeeffekt. Teure Innovationen wie Hepatitis C-Präparate sorgten für diese Erhöhung. "Das wird sich wieder einpegeln", so Etgeton.

Hohe Generikaquote

Der Experte gibt zu bedenken, dass zum Beispiel dank der Rabattverträge für Medikamente zwischen Krankenkassen und Hersteller für die Versicherer die Kosten gesunken seien.

Auch Vogel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen weist darauf hin, dass die satten Preise nicht pauschal für alle Produkte gelten würden. So sei die Generikaquote in Deutschland hoch. Sie gibt den Prozentsatz der (günstigeren) Nachahmerprodukte unter den verordneten Medikamenten an. Eine hohe Quote bedeutet Einsparungen. In Deutschland liegt sie bei über 80 Prozent - in Griechenland beispielsweise nur bei fünf.

Ein Grund für die hohen Ausgaben für Arzneimittel in Deutschland liegt indes laut Vogel auch in der Einstellung der Verbraucher: Viele Patienten gingen zum Arzt und erwarteten, dass ihnen etwas verschrieben würde. Deshalb rät er einerseits den Ärzten, intensiver mit den Patienten zu sprechen und auf sie einzugehen. Auf der andere Seite sollten die Verbraucher kritisch nachfragen: Wofür ist das Medikament? Hilft es wirklich? "Man sollte dem Arzt nicht blind vertrauen", so Vogel.

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.

Kommentare

(0)
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Anzeige

Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Finanzen > Versicherungen

Anzeige
shopping-portal
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017