Alle 2,5 Minuten eine Kollision

So verhalten Sie sich bei Wildunfällen richtig

05.10.2017, 14:28 Uhr | mst/mid; msc/t-online.de, dpa

Aus Hirsch wird Elefant: Die Grafik zeigt, wie hoch das Aufprallgewicht von heimischen Wildtieren bei Tempo 60 ist.

Die Herbstzeit ist die Zeit der Wildunfälle und viele Autofahrer kennen das: Bei der Fahrt durch ein dunkles Waldstück blitzt am Straßenrand plötzlich ein Augenpaar auf – jetzt ist Vorsicht geboten. Denn bei einem Wildunfall droht auch Ärger mit der Versicherung. Vor allem, wenn ein Ausweichmanöver Schuld am Schaden ist.

In der Dämmerung in den frühen Morgen- oder Abendstunden – wenn viele Autofahrer auf dem Arbeitsweg sind – kreuzen wieder vermehrt Rehe, Hirsche und Wildschweine die Straßen. Besonders zur Erntezeit im Herbst zieht dann das Wild vermehrt über die Straßen entlang von unübersichtlichen Feld- oder Waldrändern auf der Suche nach Futter.

Laut Huk-Coburg kommt es jedes Jahr zu rund 240.000 Wildunfällen in Deutschland, wobei ein Schaden im Durchschnitt mehr als 2300 Euro kostet. Der ADAC meldet dutzende Tote, mehr als 3.000 Verletzte und eine halbe Milliarde Euro Sachschaden jährlich: Alle 2,5 Minuten kollidiere in Deutschland ein Reh, ein Wildschwein oder ein Hirsch mit einem Fahrzeug. Die Dunkelziffer sei noch höher.

Großer Unterschied zwischen Teil- und Vollkasko

"Zusammenstöße mit Tieren sind in der Teilkasko versichert. Während einige Policen für Unfälle mit Tieren aller Art aufkommen, decken andere lediglich Schäden durch Haarwild", erklärt Arnd Schröder, Geschäftsführer vom Vergleichsportal TopTarif. Die Vollkaskoversicherung zahlt für alle Unfälle, auch bei einem Ausweichmanöver. Allerdings rutschen Autofahrer dann automatisch in eine schlechtere Schadenfreiheitsklasse mit höheren Prämien.

Haarwild: So ist es laut Gesetz definiert

Unter Haarwild versteht der Gesetzgeber neben Rehen, Hirschen und Wildschweinen auch Hasen und Wildkaninchen, Murmeltiere, Marder, Elche, Luchse und Füchse. Sogar Seehunde und Fischotter stehen laut TopTarif auf der Liste – diese werden Autofahrern allerdings eher selten über den Weg laufen.

Im Frühjahr und Herbst besonders groß: Unfallgefahr durch Wildwechsel.

Der Verkehrsclub ADAC rät: Besser langsam als zu schnell fahren. Bei Tempo 80 kann das Fahrzeug zum Beispiel noch rechtzeitig zum Stehen gebracht werden, wenn in 60 Meter Entfernung ein Wildtier auf die Straße springt. Bei 100 km/h gelingt dies nicht mehr.

Ausweichen oder nicht: Schadensminderung entscheidet

Ausweichen ist nicht immer die beste Lösung. Außer der Gefahr, dass durch heftige Lenkbewegungen das Fahrzeug ins Schleudern geraten kann, weigert sich auch möglicherweise die Versicherung, den Schaden zu begleichen, besonders bei Teilkaskoverischerungen. Denn nicht immer entspricht ein Ausweichmanöver der sogenannten "Schadensminderungspflicht".

Weiterer Nachteil des Ausweichens ist die Beweisführung

Wer beispielsweise einen Totalschaden verursacht, weil er einem Hasen ausgewichen ist, wird von seiner Versicherung hören, die Gefahr falsch beurteilt und falsch reagiert zu haben. Bei Kleinwild wird der Versicherer regelmäßig die Schadensregulierung verweigern, da eine Kollision nur geringe Schäden verursacht hätte, teilt TopTarif mit. Problematisch beim Ausweichen sei außerdem der Nachweis, dass überhaupt ein Tier die Unfallursache war. Denn am Auto sind dann keine Spuren zu finden.

Abbremsen, Fernlicht abblenden, hupen, Warnblinker

So verhalten Sie sich richtig, um Wildunfälle zu vermeiden:

  • Fahren Sie in Waldgebieten generell langsamer
  • Bremsen Sie langsam ab
  • Blenden Sie mit Fernlicht ab
  • Machen Sie sich mit Hupen bemerkbar
  • Alarmieren Sie nachfolgende Fahrzeuge per Warnblinker

Fahren Sie zur Sicherheit, wenn es der Verkehr zulässt, mit Schrittgeschwindigkeit weiter, bis keine Tiere mehr zu sehen sind.

Bei unvermeidlicher Kollision: Ruhe bewahren

Ein Auf- oder Anprall ist oft die bessere Alternative zum Ausweichen. Ist eine Kollision nicht zu vermeiden, beachten Sie Folgendes:

  • Halten Sie das Lenkrad fest und fahren Sie ohne heftige Lenkbewegungen auf das Tier zu
  • Sichern Sie nach einem Unfall die Unfallstelle mit Warnblinklicht und Warndreieck
  • Fassen Sie das Tier nicht an
  • Bleiben Sie an der Unfallstelle, aber begeben Sie sich aus dem Gefahrenbereich
  • Rufen Sie die Polizei

Fotos vom Schaden am Auto nicht vergessen

Nach einem Wildunfall sollten Autofahrer Fotos vom Schaden am Fahrzeug und von der Unfallstelle machen. Das sei als zusätzlicher Nachweis zu empfehlen, rät die Prüforganisation Dekra. Teilkasko-Versicherungen zahlen in der Regel zwar den Schaden – aber nur, wenn es auch Belege für eine Kollision mit einem Wildtier gibt. Grundsätzlich wird der Schaden auf Basis eines Polizeiprotokolls und einer Wildunfallbescheinigung durch den Versicherer reguliert. Außerdem empfiehlt es sich, Namen und Adressen von möglichen Zeugen zu notieren.

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