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Sind stinkende Abgase gefährlicher als geruchsarme?

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Expertin im Interview  

Sind stinkende Abgase giftiger als geruchsarme?

14.09.2017, 14:04 Uhr | Larissa Koch, t-online.de

Sind stinkende Abgase gefährlicher als geruchsarme?. Auto stößt dunkelgraue Abgase aus (Quelle: Thinkstock by Getty-Images/Toa55)

Schwarz und schmutzig oder unsichtbar und geruchlos – welche Abgase sind schlimmer? (Quelle: Toa55/Thinkstock by Getty-Images)

Ein in die Jahre gekommener PKW setzt sich röhrend in Bewegung und zieht eine stinkende graue Rauchwolke hinter sich her. Fast automatisch hält man die Luft an, um das üble Gemisch bloß nicht einzuatmen. Sind unangenehm riechende dunkle Abgase wirklich schlimmer als die geruchsarmen unsichtbaren aus modernen Fahrzeugen? Larissa Koch, Gesundheitsredakteurin von t-online.de, hat eine Expertin vom Helmholtz Zentrum München gefragt.

Frau Professor Dr. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München, hat erforscht, welche Auswirkungen Autoabgase auf unsere Gesundheit haben. 

Frau Dr. Peters, sind stinkende, sichtbare Abgase gefährlicher als unsichtbare geruchsarme oder sind die genauso tückisch?

Wenn ich schwarze Rauchwolken sehe, sind das gesundheitsschädliche Partikel, aber die anderen, die ich nicht sehe, sind auch gefährlich.

Abgase enthalten feste und flüchtige Bestandteile. Wenn man etwas riecht, sind das in der Regel die flüchtigen Teile, die organischen Kohlenwasserstoffe. Unsere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass der Partikelanteil in den Abgasen der gefährlichste ist. Darunter vor allem die Rußpartikel.

Was genau ist an Abgasen, ob sichtbar oder nicht, so schädlich?

Das Gefährlichste ist aus unserer Sicht der Feinstaub. Das sind Partikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind und tief in die Lunge eindringen können. Feinstaub ist ein Gemisch vieler unterschiedlicher Stoffe. Darin findet sich auch der Ruß, den wir als besonders schädlich einstufen.

Aber auch das Stickstoffdioxid in Abgasen, über das derzeit viel debattiert wird, ist gesundheitsgefährdend. Ebenfalls das Ozon.

Warum sind Rußpartikel besonders schädlich?

Sie können bis tief in die Lunge eindringen und dort unterschiedliche Reaktionen auslösen. Die Partikel, die wir riechen – das sind die flüchtigen Substanzen in den Abgasen – empfinden wir zwar als unangenehm, weil wir sie als Gestank wahrnehmen, aber sie sind nicht so gefährlich wie die Partikel selbst. 

Was genau passiert im Körper, wenn wir Rußpartikel einatmen?

Ruß kann in die Atemwege eindringen und dort Entzündungsreaktionen auslösen und unser Immunsystem aktivieren. Durch die Immunreaktion wirken die Stoffe auf den gesamten Organismus. Rußpartikel sind so winzig, dass ein kleiner Teil auch aus der Lunge in die Blutbahn und in andere Organe gelangen kann. Die Substanzen können sich an den Innenwänden unserer Adern absetzen und eine Arteriosklerose auslösen bzw. verstärken. Inzwischen wird vermutet, dass die Partikel teilweise sogar bis in unser Gehirn vordringen können und damit den ganzen Körper in Mitleidenschaft ziehen können. 

Außerdem haben wir in den oberen Atemwegen sogenannte Irritantien-Rezeptoren, die sozusagen die schlechte Luft analysieren, die wir einatmen. Wenn diese Rezeptoren aktiviert werden, verändert sich unser autonomes Nervensystem. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass sich damit unsere Atmung und Herzfrequenz ändert. Bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen oder einem Risiko dafür, können Rhythmusstörungen ausgelöst werden oder die Symptome können sich verschlimmern.

Sind alle Feinstaubpartikel gefährlich?

Das hängt von der Größe ab. Gesundheitsgefährdend sind insbesondere Partikel kleiner als 1 Mikrometer. Unser besonderes Augenmerk liegt auf Partikeln, die kleiner als 100 Nanometer sind, zu denen auch die Rußpartikel gehören. 

Was ist bereits in Studien nachgewiesen, welche Folgen Feinstaub hat?

Wir haben eine große europäische Studie durchgeführt – die ESCAPE-Studie. So konnten wir feststellen, dass die Gesamtsterblichkeit in den Regionen Europas dort höher ist, wo die Feinstaubbelastung stark ist. Es gibt einen direkten Zusammenhang: Je größer die Feinstaubbelastung, desto höher ist die Rate von Lungenkrebs, Herzinfarkten und Schlaganfällen. Die Partikel machen uns auf ähnliche Weise krank wie aktives Rauchen oder Übergewicht. 

Wie stark ist unsere Luft mit Rußpartikeln belastet?

Im Vergleich zu vor 30 Jahren haben wir deutlich weniger Ruß in der Luft, weil viel weniger Industrieabgase, etwa aus der Schwerindustrie, anfallen. Die Luft ist deshalb insgesamt sauberer geworden. 

Das gilt auch für den Straßenverkehr: Wir haben heute viel effektivere und saubere Motoren als noch vor 20 bis 30 Jahren. Deshalb dürfen alte Autos ja in den Städten innerhalb der Umweltzonen nicht mehr fahren. Aber wir haben inzwischen dafür mehr Fahrzeuge als früher. Und die heutigen Autos sind nach wie vor nicht so sauber, dass sie nicht unsere Gesundheit beeinträchtigen. 

Sollte man beispielsweise als Radfahrer in Städten eine Atemmaske tragen?

Nein, die bringt Ihnen wenig. Sie müssten schon eine OP-Maske tragen, so wie es Chirurgen tun. Die lässt keinen Feinstaub durch, aber leider auch nur wenig Luft. Handelsübliche Schutz-Masken aus dem Baumarkt halten die schädlichen winzigen Substanzen nicht ab.

Es bleibt nur – Ausweichen auf Nebenstraßen. Dort ist die Feinstaubbelastung zumindest etwas geringer. Dennoch sollten wir auch in den Städten nicht auf körperliche Aktivität verzichten: Wir haben Abwehrmechanismen. Die Lunge reinigt sich ein Stück weit auch selbst. Außerdem kann man diesen Puffer unseres Körpers durch einen gesunden Lebensstil stärken, so dass er mit dieser Zusatzbelastung gut klar kommt.

Darüber hinaus kann man als einzelner wenig tun. Leider machen die gefährlichen Partikel auch vor den Innenräumen keinen Halt. Was wir also brauchen, ist saubere Luft. 

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