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BODY MASS INDEX  

Zu dick? Was der Body-Mass-Index aussagt

13.05.2008, 12:47 Uhr | cme

Wer zu schnell abnimmt, nimmt oft schnell wieder zu. (Foto: Archiv)Wer zu schnell abnimmt, nimmt oft schnell wieder zu. (Foto: Archiv)Immer mehr Kinder sind zu dick, jeder zweite deutsche Erwachsene bringt zu viel Gewicht auf die Waage. Viele Betroffene sind sich dessen nicht bewusst. Doch wo beginnt eigentlich Übergewicht? Und was sagt der viel zitierte Body-Mass-Index aus? Der Wert - kurz BMI genannt - basiert auf einer einfachen Formel aus Körpergröße und Körpergewicht und ist selbst bei Experten umstritten. So berücksichtigt der BMI beispielsweise nicht den unterschiedlichen Körperbau und ist für Kinder nur begrenzt aussagekräftig. Wir haben eine Expertin gefragt, was der Wert aussagt - und wo seine Grenzen liegen.

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Übergewicht: ein Phänomen, mehrere Definitionen

"Adipositas, also das behandlungsbedürftige Übergewicht, wird definiert als ein Zuviel an Körperfett", sagt Diplom-Oecotrophologin Dr. Stefanie Gerlach von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG). Doch Körperfett lässt sich nur schwer messen - auch nicht mit einer Körperfettwaage. Tatsächlich existieren verschiedene Definitionen für Übergewicht. Viele von uns kennen noch den so genannten Broca-Index, der das Normalgewicht bei "Körpergröße (in cm) minus 100" festlegt. Da diese Formel sehr willkürlich erscheint, wurde er vor einigen Jahren durch den BMI abgelöst, der inzwischen auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannt ist. Neuerdings werden zur Beurteilung des Übergewichts zunehmend Werte wie der Taille-Hüft-Quotient oder der Bauchumfang berücksichtigt. Die verschiedenen Definitionen zeigen, dass die Grenze, ab der ein Mensch zu viel wiegt, nur schwer zu bestimmen ist.

Körperbau bleibt unberücksichtigt

Der Body-Mass-Index wurde im 19. Jahrhundert von dem belgischen Mathematiker Adolphe Quételet entwickelt. Er basiert auf der Formel Körpergewicht (in Kilogramm) geteilt durch Körpergröße (in Metern) zum Quadrat. Das Ergebnis ist bei Normalgewichtigen ein Wert zwischen 19 und 25. Darüber liegende Werte zeigen in der Regel Übergewicht an. Ab einem BMI von 30 spricht man von behandlungsbedürftigem Übergewicht (=Adipositas). Da der BMI den Körperbau nicht berücksichtigt, wird er oft als unzureichend kritisiert. So haben Menschen mit hoher Muskelmasse, zum Beispiel Bodybuilder, einen verhältnismäßig hohen Body-Mass-Index, auch wenn sie kaum Körperfett besitzen. Der BMI kann daher nur als Richtwert gelten.

Dick ist nicht gleich dick

Überschüssige Fettpolster werden ohnehin erst dann zum Problem, wenn sie dem Menschen schaden. Viele Frauen empfinden sich zu dick ohne laut Definition übergewichtig zu sein. Umgekehrt fühlen sich viele Menschen auch mit einem BMI über 25 durchaus wohl. Tatsächlich schadet ein hohes Körpergewicht nicht immer. So gilt eine große Muskelmasse als unproblematisch und selbst das Körperfett schadet nicht immer. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass vor allem das tiefer liegende Fett im Bauchraum die Entstehung verschiedener Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Fettstoffwechselstörungen fördert. Reiterhosen oder Speck an Beinen und Po hingegen gelten als relativ ungefährlich. Weitere Studien haben gezeigt, dass auch die körperliche Fitness eine große Rolle spielt: Wer also ein paar Pfunde zu viel mit sich herum trägt, aber regelmäßig Sport treibt, muss sich wenig Sorgen machen.

Bauchumfang statt BMI

Ganz ohne Bedeutung ist der BMI allerdings nicht. So gilt ein Wert zwischen 25 und 30 als leichtes Übergewicht. "In diesem Bereich muss man nicht unbedingt Gewicht abnehmen", sagt Stefanie Gerlach. Wer für sich einen BMI in diesem Bereich ermittelt, sollte aber zumindest wissen, dass seine Gesundheit möglicherweise gefährdet ist. "Liegen bereits ernährungsabhängige Krankheiten vor oder ist der Taillenumfang erhöht, so sollte das Gewicht reduziert werden", so die Expertin. Bei Frauen sollte der Taillenumfang nicht über 80 Zentimetern (cm) liegen, bei Männern nicht über 94 cm. Spätestens ab einem Wert von 88 cm (Frauen) beziehungsweise 102 cm (Männer) besteht ein erhöhtes Risiko für Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall. Ab einem BMI von 30 allerdings gibt es kaum noch Zweifel, die Grenze zur Adipositas ist erreicht: Das Gewicht ist zu hoch und sollte reduziert werden, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden.

Der BMI bei Kindern - höchst kompliziert

Für Kinder ist die Diagnose von Übergewicht noch komplizierter, da je nach Alter und Geschlecht ein höherer oder ein niedrigerer Body-Mass-Index als "normal" gilt. Zwar wird der BMI zunächst nach der gleichen Formel berechnet wie für Erwachsene. Ob er im Normbereich liegt, lässt sich nur mit einer Vergleichstabelle, zum Beispiel beim Kinderarzt, ermitteln. Entscheidender als die Anzeige der Waage ist ohnehin die körperliche und seelische Entwicklung: Kann das Kind ohne Probleme rennen, klettern und im Sport mithalten und leidet es nicht unter Hänseleien, ist zu viel Sorge unnötig.

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