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Binge Eating: Wenn Heißhunger krankhaft wird

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Binge Eating: Wenn Heißhunger krankhaft wird

16.03.2012, 11:48 Uhr | dapd, dapd

Binge Eating: Wenn Heißhunger krankhaft wird. Binge Eating: Betroffene haben ihr Essverhalten nicht mehr unter Kontrolle.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Binge Eating: Betroffene haben ihr Essverhalten nicht mehr unter Kontrolle. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Anja Wolf wünscht sich oft, sie säße in einem Glas voller Süßigkeiten. "Ein Gummibärchen hält meine Hand", sagt sie. Die 44-jährige Frührentnerin aus Nordrhein-Westfalen, die an Multipler Sklerose erkrankt ist, sehnt sich nach Nähe und Geborgenheit. Doch gleichzeitig fürchtet sie sich vor jedem direkten Kontakt mit ihrer Umwelt. Ihren Frust isst sie sich von der Seele. Anja Wolf leidet seit anderthalb Jahren an Binge-Eating, der vermutlich weltweit häufigsten Essstörung. Sie isst oft heimlich, schnell und unkontrolliert riesige Mengen Nahrungsmittel. Hinterher fühlt sie sich schuldig und schlecht.

Binge Eating: Häufiger als Magersucht

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Essstörungen sind rund zwei Prozent der Menschen betroffen. Damit kommt Binge-Eating deutlich häufiger vor als Bulimie oder Magersucht. Die Hälfte der Betroffenen sind nach Expertenangaben Männer. Die gesundheitlichen Folgen sind enorm. Die meisten Esssüchtigen leiden psychisch unter ihren Anfällen. Sie haben Depressionen, Schlafstörungen und Selbstmordgedanken. Am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld gibt es Probleme. Die häufig mit Binge-Eating verbundene Adipositas verursacht Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Leiden und Erkrankungen am Skelettapparat.

Erst kam die Magersucht, dann die Essanfälle

Anja Wolf hat seit ihrem zwölften Lebensjahr ein gestörtes Verhältnis zum Essen. "Seit über 30 Jahren weiß ich nicht mehr, was es bedeutet, normal zu essen", sagt sie resigniert. Als Kind war sie übergewichtig und hat darunter sehr gelitten. Später lösten sich Magersucht und Bulimie immer wieder ab. "Ich bin fünf Mal magersüchtig geworden und hatte zwischendurch exzessive Bulimie mit bis zu 18 Brechanfällen täglich." Seit Oktober 2010 bricht sie nicht mehr nach dem Essen. "Dafür habe ich dann die Binge-Eating-Störung entwickelt."

Kontrolle über das Essen geht verloren

Wichtigstes Symptom der Störung ist das wiederholte Vorkommen unkontrollierter Essanfälle. Betroffene essen schneller als normal und bis zu einem unangenehmen Völlegefühl. Typisch sind auch die großen Mengen an Nahrungsmitteln, die verzehrt werden, obwohl die Betroffenen nicht hungrig sind. Hinzu kommt ein deutliches Leiden wegen der Anfälle. "Ich hasse mich dafür, weil ich dadurch wieder adipös geworden bin", sagt Anja Wolf. "Am liebsten wäre ich wieder dünn, aber durch das Übergewicht bin ich öfter unterzuckert und kann nicht mehr hungern."

Psychische Probleme als Ursache

Über die Ursachen der Störung gibt es nach Angaben des Selbsthilfevereins "Hungrig-Online" e.V. keine gesicherten Erkenntnisse. Studien zufolge haben Menschen, die unter Esssucht leiden, Schwierigkeiten, mit Emotionen umzugehen. Viele Betroffene sagen, dass Ärger, Wut, Trauer, Langeweile, Angst oder Stress Ess-Anfälle auslösen. Risikofaktoren sind psychische Krankheiten in der Familie, Missbrauchserlebnisse, ein negatives Selbstbild und Übergewicht in der Kindheit. Die Hälfte der Betroffenen leidet an Depressionen. Nicht geklärt ist bislang, ob die Depressionen die Essanfälle auslösen oder umgekehrt.

Soziales Umfeld hat oft wenig Verständnis

Anja Wolf sieht den Hauptgrund ihrer Probleme im sexuellen Missbrauch in ihrer Kindheit. "Ich bilde mir ein, ich könnte Gefühle wegessen." Vor allem signalisiert sie nach außen, was sie eigentlich gar nicht signalisieren will: Pack mich nicht an! "Ich glaube, dass andere Menschen denken könnten, ich bin so fett und fresse, die ist es gar nicht wert, umarmt, geschweige denn gemocht zu werden." Dadurch mache sie sich einiges kaputt, "denn eigentlich würde ich mich schon über eine Umarmung freuen". Ihre Angehörigen und Freunde wissen über ihre Störung Bescheid. Doch Leidensgenossen kann sie nicht empfehlen, offen damit umzugehen. "Man stößt auf wenig Verständnis", sagt sie. Da heißt es dann, reiß dich zusammen.

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