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Low Carb oder Low Fat: Welche Diät am besten funktioniert

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Diät-Streit  

Ist Low Carb besser als Low Fat?

16.08.2015, 08:18 Uhr | Nina Weber, Spiegel Online

Low Carb oder Low Fat: Welche Diät am besten funktioniert. Der Verzicht auf Kohlenhydrate bietet der neuen Studie zufolge keinen Vorteil beim Abnehmen.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Verzicht auf Kohlenhydrate bietet der neuen Studie zufolge keinen Vorteil beim Abnehmen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Hauptsache, bei den Kohlenhydraten wird gespart - so das Motto von Low-Carb-Diäten. Schmelzen die Fettpolster tatsächlich schneller als mit fettarmer Kost? Ein rigoroser Test spricht dagegen.

Auf Kartoffeln, Nudeln, Weißbrot und ähnliche Lebensmittel verzichten, damit die Fettpolster möglichst schnell verschwinden - das ist die Grundidee von Low-Carb-Diäten wie Atkins, Logi oder Glyx, die seit einigen Jahren sehr beliebt sind. Während in Sachen Diät lange Zeit Fettverzicht an vorderster Stelle stand, gibt es inzwischen zwei Lager: die Vertreter von Low Carb und die von Low Fat, die zum Teil heftig miteinander streiten. Wer hat recht?

Eine im Fachblatt "Cell Metabolism" veröffentliche Studie kommt zum Schluss, dass die Wahrheit wohl in der Mitte liegt. Das Ergebnis zusammengefasst: Mit Low Fat bauten Übergewichtige mehr Körperfett ab, mit Low Carb nahmen sie insgesamt etwas mehr ab.

"Viele Menschen haben eine sehr gefestigte Meinung darüber, was am Wichtigsten beim Abnehmen ist. Die physiologischen Daten, auf denen diese Vorstellungen fußen, sind zum Teil dünn", sagt Kevin Hall von den National Institutes of Health in Bethesda (US-Bundesstaat Maryland), Leiter der Studie. "Ich wollte die These überprüfen, dass Kohlenhydratverzicht besonders effektiv Fettpolster schmelzen lässt, weil diese Idee die Ernährung vieler Menschen beeinflusst."

Jede Bewegung, jeden Bissen kontrolliert

An der Studie nahmen lediglich 19 Übergewichtige teil. Diese wenigen Probanden wurden jedoch komplett überwacht. Bei anderen Diätstudien besteht die Gefahr, dass sich die Teilnehmer nicht ans Programm halten, aber behaupten, die Diät befolgt zu haben. Hier gab es dagegen keine Möglichkeiten für Ausflüchte.

Die Probanden verbrachten zweimal elf Tage in einer Klinik. Ihre Ernährung und ihre Aktivitäten wurden genau protokolliert. Wenn sie Besuch hatten, war zum Beispiel immer ein Pfleger oder Forscher anwesend, damit niemand den Probanden Essen oder Getränke zustecken konnte.

Während des einen Klinikaufenthalts wurde die tägliche Energiezufuhr für fünf Tage durch Kohlenhydratverzicht um 30 Prozent gesenkt, die Fettmenge wurde nicht reduziert. Während des anderen Besuches war es umgekehrt: Sechs Tage wurde am Fett gespart, nicht aber an den Kohlenhydraten. Bei den beiden Diäten wurde also täglich die gleiche Kalorienmenge aufgenommen, nur das Nährstoffverhältnis unterschied sich.

Die Teilnehmer hielten sich einzeln in einem "Stoffwechsel-Zimmer" auf, in dem kontinuierlich gemessen wurde, wie viel Sauerstoff sie aufnahmen und wie viel Kohlendioxid sie abgaben. Anhand des gesammelten Urins maßen die Forscher, welche Mengen Stickstoff ausgeschieden wurden. Mit diesen Daten lässt sich berechnen, in welchem Maß der Körper seine Energie aus der Verbrennung von Kohlenhydraten beziehungsweise Fett gewonnen hat und wie viel Körperfett abgebaut wurde. Gewogen wurden die Probanden natürlich auch, zudem wurde ihr Körperfettanteil ermittelt.

Die Ergebnisse:

  • Nach sechs Low-Carb-Tagen hatten die Probanden im Schnitt 1,85 Kilogramm abgenommen, davon aber nur etwa 245 Gramm Fett.
  • Bei der fettarmen Diät nahmen die Teilnehmer im Schnitt 1,3 Kilogramm ab, davon allerdings 463 Gramm Fett.

Mehr Gewichtsverlust, aber weniger Fettabbau mit Low Carb - wie geht das? Bei einer Diät mit wenig Kohlenhydraten verliere man eher Wasser, schreiben die Forscher. "Fettabbau ist das wichtigere Ziel beim Kampf gegen Übergewicht, wichtiger als Gewichtsverlust", schreiben Hall und Kollegen dazu.

Ein mathematisches Modell, das die Forscher vor dem Experiment erstellt hatten, sagte die kurzfristigen Veränderungen gut vorher. Diesem Modell zufolge würde ein Übergewichtiger in einem halben Jahr rigoros eingehaltener Low-Fat-Diät drei Kilogramm Fett mehr abnehmen als im gleichen Zeitraum mit Low Carb. Es wäre aber denkbar, dass die Unterschiede mit der Zeit geringer werden, schreiben die Forscher.

Hall gibt daher allen, die abnehmen wollen, einen altbekannten Rat: Zurzeit ist die beste Diät die, die man einhalten kann.

Zusammengefasst: Ob der Verzicht auf Kohlenhydrate oder auf Fett wichtiger beim Abnehmen ist, ist eine Streitfrage. In einer kleinen Studie, bei der die Teilnehmer durchgängig überwacht wurden, bauten die Probanden durch Low Fat etwas mehr Fett ab als durch Low Carb. Die Forscher empfehlen Abnehmwilligen allerdings, sich für die Diät zu entscheiden, an die sie sich am besten halten können. Ob Low Carb besser ist oder Low Fat, muss nach dem derzeitigen Wissensstand wohl jeder für sich selbst beantworten.

So lief die Studie ab:

19 Probanden, zehn Männer und neun Frauen mit einem BMI zwischen 33 und 40, nahmen an der Studie teil. Sie verbrachten zweimal elf Tage in einer Klinik. Die ersten fünf Tage sah ihr Ernährungsplan vor, dass ihr täglicher Energiebedarf recht genau abgedeckt wurde, und zwar mit 50 Prozent der Energie aus Kohlenhydraten, 35 Prozent aus Fett und 15 Prozent aus Protein.

In der zweiten Hälfte wurde einmal der Kohlenhydratkonsum gesenkt, beim anderen Mal der Fettkonsum, sodass jeweils 30 Prozent weniger Energie aufgenommen wurde als in der ersten Phase. Die Proteinmenge blieb immer unverändert.

Die Probanden verbrachten einen Großteil ihrer Zeit in einem "Stoffwechsel-Zimmer", wo ihr Sauerstoffverbrauch ebenso gemessen wurde wie die Menge an ausgeatmetem Kohlendioxid. Zusätzlich wurde ihr Urin analysiert, um die ausgeschiedene Stickstoffmenge zu ermitteln. Die Forscher konnten anhand dieser Daten berechnen, wie viel Fett die Probanden verbrannt hatten.

Da die Studiendauer mit zweimal sechs Tagen auf Diät kurz war, lassen sich Aussagen über einen längeren Diätverlauf nur mit Vorsicht ableiten.

Zusätzlich sagt die Studie nichts darüber aus, wie gut sich Menschen im Alltag an diese Diätformen halten. In der Untersuchung ließen sich die Probanden auf eine Überwachung ihres Ess- und Bewegungsverhaltens ein, sodass sie die Diät zwangsweise befolgten.

Die Arbeit wurde von einer staatlichen Stelle finanziert, den National Institutes of Health.

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