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Lebensmittelunverträglichkeit: 30-Jährige kann fast nichts mehr essen

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Unverträgliche Lebensmittel  

30-Jährige kann fast nichts mehr essen

16.02.2015, 17:37 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Lebensmittelunverträglichkeit: 30-Jährige kann fast nichts mehr essen. Lebensmittelunverträglichkeiten (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auf den Teller dürfen außer Zucchini nur wenige, andere Gemüsesorten. Zum Feiern darf es höchstens mal ein Wodka sein. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Vor drei Jahren war sie plötzlich da, die Lebensmittelunverträglichkeit. Und mit ihr veränderte sich das ganze Leben von Laura L.* "Es gibt keinen einzigen Tag, an dem es mir wirklich gut geht. Magen und Darm sind immer in meinen Gedanken", sagt die 30-Jährige. Uns hat sie erzählt, wie es ist, wenn der Speiseplan kaum noch Zutaten enthält - und warum ihr auch die Ärzte keine Hoffnung machen können.

UMFRAGE
An welcher Lebensmittelunverträglichkeit leiden Sie?

Lauras Geschichte beginnt im Juni 2011. Sie ist auf einer Hüttentour und fühlt sich schon den ganzen Tag unwohl: "Ich habe gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Wirklich einordnen konnte ich es aber nicht. Dann habe ich eine recht große Portion Hüttenkäse gegessen - und es wurde richtig schlimm." Sie leidet unter starken Krämpfen im Unterbauch und wird von heftigen Blähungen gequält. "Mein Bauch war kugelrund und fest, ich dachte, er platzt gleich. Mir ging es richtig schlecht." Laura wundert sich über die Symptome: "Ich kannte das nicht. Davor hatte ich noch nie mit Magen-Darm-Beschwerden zu kämpfen."

Unerklärliche Schwellungen an den Händen

In den nächsten Tagen verstärken sich die Beschwerden. Bereits ein kleines Stück Käse reicht aus und Laura fühlt sich, als hätte sie ein Weihnachtsmahl verspeist. Sie nimmt innerhalb kurzer Zeit stark an Gewicht zu. "Dabei habe ich doch gesunde Sachen wie Obst, Joghurt und Gemüse gegessen. Ich konnte mir nicht erklären, was plötzlich los war", erinnert sich Laura. Besonders Schokolade und Wein quälen ihren Darm. Als Wassereinlagerungen hinzukommen, geht sie schließlich mit Verdacht auf eine Lebensmittelunverträglichkeit zum Hausarzt. "Meine Augen waren zugeschwollen und meine Finger wurden so dick, dass ich nur noch schwer eine Faust machen konnte."

Laktose-Test: "Das Schlimmste, was ich je machen musste"

Der Hausarzt diagnostiziert eine Laktoseintoleranz, also eine Milchzuckerunverträglichkeit. Sie soll Milchprodukte von ihrem Speiseplan streichen. Doch auch das verbessert die Beschwerden nicht. Sie geht zu einem Internisten, der einen Ultraschall der inneren Organe macht und den Darm auf Pilze untersucht. Doch er findet nichts Auffälliges. Erst ein Gastroenterologe bestätigt ihre Vermutung: Laura hat eine Lebensmittelunverträglichkeit. Es folgen verschiedene Tests, um das Ausmaß der Erkrankung festzustellen.

"Der Laktose-Unverträglichkeitstest war richtig schlimm. Für den Atemtest trinkt man zu Beginn eine große Menge in Wasser aufgelöste Laktose und muss dann alle 30 Minuten in ein Röhrchen blasen. Ich habe gedacht, es zerreißt mich", sagt sie. Die Ärzte sind erschrocken: Lauras Werte sind deutlich höher als bei den meisten Patienten mit Laktose-Unverträglichkeit. Lauras Körper reagiert bereits auf kleinste Mengen: "Schon wenn ich nur zwei kleine Streusel vom Kuchen nasche, habe ich Schmerzen und Blähungen wegen der darin enthaltenen Butter. Das merke ich sofort", sagt die 30-Jährige.

Kein Obst erlaubt wegen Fruktoseintoleranz

Doch bei dieser Unverträglichkeit bleibt es nicht. Es kommen eine Fruktose-, eine Histamin- sowie eine Sorbitintoleranz hinzu. "Ich muss nicht nur auf Milchprodukte verzichten, auch Obst vertrage ich nicht". Die Histamin-Unverträglichkeit erschwert ihr das Leben noch zusätzlich: Viele Gemüsesorten wie Auberginen, Tomaten, aber auch  Fisch, Fleisch und Käse bilden den Botenstoff Histamin", erklärt Laura. "Wein und Sekt, Essig, Soja, Kakao, Nüsse, Hülsenfrüchte und Weizenmehl beispielsweise vertrage ich ebenfalls nicht."

Histamin-Unverträglichkeit: "Richtig gut geht es mir nie"

Das Problem ist, dass der Darm das Enzym Diaminoxidase, kurz DAO, nicht mehr bildet. Ohne dieses Enzym kann der Körper das Histamin nicht mehr abbauen. Das Tückische: Histamin wird nicht nur über die Nahrung aufgenommen, sondern der Körper bildet den Botenstoff auch selbst - stark vermehrt beispielsweise beim Sport oder bei Stress. So hat Laura immer zu viel Histamin in ihrem Körper. Ein Teufelskreis: "Richtig gut geht es mir nie. Ich habe zwar nicht ständig Krämpfe, Verdauungsbeschwerden oder Schwellungen, aber mein Bauch ist immer unangenehm präsent. Ich habe immer das Gefühl, dass er ein zu stark aufgeblasener Ballon ist", sagt Laura. Sie fühlt sich kraftlos, müde und unwohl.

Auf Partys nur Wodka

Die vierte Intoleranz, die Sorbit-Unverträglichkeit, ist der Grund, warum Laura keine Kaugummis, Light-Getränke und diätische Lebensmittel verträgt. Doch was bleibt ihr noch? "Ich trinke stilles Wasser, Fenchel- oder Pfefferminztee, ganz selten mal einen Espresso. Wenn ich feiern gehe, kann ich nur Wodka nehmen", erklärt die junge Frau. "Auf meinen Teller dürfen nur Zucchini, manchmal Möhren, Reis, Mais- und Dinkelmehl, Mandeln, Salz, frische Kräuter, Kartoffeln, Kürbis, Blumenkohl und Brokkoli.“ Hähnchen und Lamm sind selten erlaubt, aber nur in kleinen Mengen. Damit ihr Körper mit wichtigen Nährstoffen versorgt ist, muss sie Nahrungsergänzungsmittel nehmen.

Ärzte sehen keine Hoffnung

Die Ärzte machen ihr keinen Mut: Das Einzige, was Laura machen könne, sei, auf die Lebensmittel zu verzichten, die sie nicht verträgt. Denn die Medikamente, die es in der Apotheke gibt, schlagen bei ihr nicht an. "Manchmal frage ich mich schon, was ich getan habe, dass es mir jetzt so schlecht geht. Aber es bringt ja nichts", sagt Laura. "Ich versuche mir dann bewusst zu machen, dass es viel schlimmere Erkrankungen gibt." Trotzdem falle sie immer wieder in ein Loch. Zum Beispiel wenn sie mit Freunden unterwegs ist: "Während andere leckere Speisen bestellen oder Schokolade und Kekse naschen, sitze ich vor meinem stillen Wasser, das ist richtig hart."

Fressanfälle begleiten Laura

Manchmal sitze sie zu Hause und habe auf nichts Lust: "An solchen Tagen will ich mich einfach nur verkriechen. Dann packt mich oft der Frust und ich esse aus Trotz die Lebensmittel, von denen ich weiß, dass es mir danach schlecht geht - beispielsweise Gummibärchen. Das sind richtige Fressanfälle", berichtet Laura. "Danach habe ich dann das Gefühl, ich bestehe nur noch aus Magen-Darm-Krämpfen. Meine Ärzte haben mich zwar gewarnt, dass ich mit meinen Fressanfällen einen lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock riskiere, doch das interessiert mich in einem solchen Moment einfach nicht. Meist dauert es dann ein bis zwei Tage, bis es mir wieder besser geht."

Falsche Diagnose führt zu Haarausfall

Den absoluten Tiefpunkt musste Laura vor einigen Wochen durchleben. Sie war bei einem weiteren Arzt, in der Hoffnung, dass dieser ihr helfen kann. Er machte einen Bluttest und diagnostizierte eine Schilddrüsen-Unterfunktion. Sie bekam Medikamente und plötzlich fielen ihr die Haare aus: "Ich konnte meine Haare büschelweise herausziehen, das hat mich richtig fertig gemacht. Teilweise war meine Kopfhaut zu sehen." Laura, für die Haare das Symbol für Weiblichkeit sind und die immer großen Wert auf gepflegtes und gesundes Haar legt, ist verzweifelt. Das Unglaubliche: Es war eine Fehldiagnose. "Ein Spezialist für Schilddrüsenerkrankungen hat mir dann gesagt, dass meine Schilddrüsenwerte normal sind. Ich konnte es nicht fassen. Alles war umsonst. Ich hoffe, meine Haare wachsen wieder nach."

Der größte Traum: Tiramisu

Ihre Hoffnung liegt in einer Kur, die sie in den nächsten Tagen beginnt: "Es wird guttun, mit Menschen zu sprechen, denen es genauso geht", sagt Laura. Denn auch wenn ihre Familie und Freunde immer für sie da seien, habe sie doch den Wunsch nach Austausch mit Gleichgesinnten. Zudem hofft sie, die Erkrankung besser zu verstehen: "Ich frage mich oft, was der Auslöser war. Ob es das Stück Käse war, die Trennung von meinem damaligen Freund oder etwas, an das ich überhaupt nicht denke. Mir würde es viel besser gehen, wenn ich die Ursache kennen würde", sagt sie.

Auf die Frage, was sie als erstes essen würde, wenn die Intoleranzen geheilt wären, antwortet sie schnell: "Auf jeden Fall eine Süßspeise. Entweder Tiramisu oder Mousse au chocolat. Und einen richtig leckeren Cocktail." Ihr größter Wunsch: "Ich will mich endlich mal wieder fühlen wie früher." Und nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu: "Und einen liebevollen Partner finden, den meine Erkrankung nicht abschreckt."

*Name von der Redaktion geändert


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