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Glyphosat: Bier und Muttermilch sind nicht das eigentliche Problem

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Alles nur Panikmache?  

Es geht nicht nur ums Bier: Das steckt hinter der Glyphosat-Debatte

27.02.2016, 08:13 Uhr | Sabine Dobel, dpa

Glyphosat: Bier und Muttermilch sind nicht das eigentliche Problem. "Glyphosat im Bier". Diese Meldung war ein großer Aufreger – kurz bevor über die weitere Zulassung des Unkrautvernichters in der EU entschieden wird. (Quelle: dpa)

"Glyphosat im Bier". Diese Meldung war ein großer Aufreger – kurz bevor über die weitere Zulassung des Unkrautvernichters in der EU entschieden wird. (Quelle: dpa)

Falls Kalkül dahintersteckte, ist der Plan aufgegangen: Auf "Gift" in Bier und Muttermilch reagieren die Menschen emotional. Ganz Deutschland spricht nun über Glyphosat. Dabei geht es gar nicht so sehr ums Bier, sondern darum, ob der Unkrautvernichter auch in Zukunft auf europäische Äcker gesprüht werden darf.

Die Vorwürfe gipfeln in "Angstkampagne" und "Panikmache". Ausgerechnet das Bier als ein Lieblingsgetränk der Deutschen sei missbraucht worden für politische Ziele, kritisierte der Industrieverband Agrar. Die Studie über Rückstände des Unkrautvernichters Glyphosat in Bier hat kurz vor der Entscheidung über die weitere EU-weite Zulassung eine heftige polemische Debatte ausgelöst. Glyphosat ist es eines der weltweit am häufigsten verwendeten Herbizide. Rund 5000 Tonnen landen jährlich auf deutschen Äckern, 15 Prozent der gesamten Pestizidmenge.

Gestritten wird um die mögliche Krebsgefahr, aber auch um Messmethoden und -werte. Grünen-Politiker empörten sich beispielsweise über "Gift im Bier", obwohl die Mengen so gering sind, dass der Alkoholgehalt größeren Schaden anrichten dürfte.

Umweltinstitut: Für krebserregende Stoffe darf es keine Untergrenze geben

Das private Umweltinstitut München, das sich als Verein für Umweltschutz einsetzt, hatte Biere der 14 beliebtesten Biermarken Deutschlands testen lassen und in allen Spuren des Unkrautvernichters gefunden. Die absoluten Mengen seien zwar klein, erläuterte der Verein. Bei krebserregenden Stoffen gebe es aber keine Untergrenze.

Vorwurf: Stimmungsmache mit Bier

Wissenschaftler werfen dem Umweltinstitut "Rechenfehler" oder gar "bewusste Täuschung" vor. Der Verband Deutscher Hopfenpflanzer wiederum nahm "mit Bedauern zur Kenntnis, dass das deutsche Bier, sein Reinheitsgebot, seine Brauer und auch die Hopfenpflanzer in der politischen Diskussion um Glyphosat derart missbraucht werden". Auch andernorts kocht der Vorwurf hoch, Umweltschützer hätten das Bier nur benutzt, um ihr Ziel eines Glyphosat-Verbots voranzutreiben - und die Studie gezielt kurz vor der EU-Entscheidung zur weiteren Zulassung des Mittels im März platziert.

Die Umweltschützer streiten auch gar nicht ab, dass sie genau jetzt Einfluss nehmen wollen. "Wenn man abwartet, bis Glyphosat zugelassen ist, wird es schwierig, noch etwas zu erreichen", sagt Sprecher Fabian Holzheid. "Uns geht es darum, die Belastung für die Verbraucherinnen und Verbraucher zu beseitigen. Das geht nur, wenn man auf die Politik Einfluss nimmt." Die heftigen Reaktionen zeigten nur, wie sehr die Studie ins Schwarze treffe, heißt es beim Umweltinstitut.

BfR: Erst bei 1000 Litern Bier pro Tag wird's gefährlich

Keine Gefahr, heißt es beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das vorrechnete: "Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken." Karl Bär vom Umweltinstitut nannte das "geschickte Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der chemischen Industrie". Und Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller sagt: "Wir trinken schließlich nicht den ganzen Tag Bier." Auch in anderen Nahrungsmitteln vermuten Experten Spuren von Glyphosat.

Bierbrauer schauen jetzt trotzdem genauer hin

Als Konsequenz aus der Studie wollen Bierbrauer nun ihre Produkte nochmals auf Glyphosat untersuchen. Auch wenn die Rückstände im Bier vermutlich eher aus dem Malz als aus dem Hopfen kommen, wollen die Hopfen-Untersuchungslabore "ihre Untersuchungen in Richtung Glyphosat nochmals intensivieren". Auch eine Brauerei teilte mit, die Auswahl ihrer Rohstoffe erneut zu prüfen.

Im Kern geht es um die Umweltbelastung durch Spritzgifte

Viele Fragen sind offen – etwa nach Wechselwirkungen mit anderen Stoffen. Oder nach einer Wirkung auf Bakterien. Das BfR hat eine schädliche Wirkung auf die Darmflora von Kühen bisher verneint.

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, warnt grundsätzlich: "Die Pflanzenwelt verarmt und die Artenvielfalt der Wildtiere ist bedroht. Auch das Grundwasser wird belastet. Wir wollen deshalb deutlich weniger Pestizide auf den Feldern."

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