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Mälzer bei "Hart aber fair": Kinder werden von Zucker "abhängig" gemacht

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TV-Kritik bei Plasberg  

Die Industrie macht Kinder vom Zucker "abhängig"

30.08.2016, 10:21 Uhr | Von David Heisig, t-online.de

Mälzer bei "Hart aber fair": Kinder werden von Zucker "abhängig" gemacht. Wie ungesund sind Zucker und Co.? Starkoch Tim Mälzer in der Talkrunde von Frank Plasberg. (Quelle: ARD /

Wie ungesund sind Zucker und Co.? Starkoch Tim Mälzer in der Talkrunde von Frank Plasberg. (Quelle: ARD / "hart aber fair")

Limo, Schokolade und Vanilleeis. Überall ist Zucker drin. Frank Plasberg ging in "Hart aber fair" der Frage nach: "Wie ungesund sind Zucker und Co.?"

Die Gäste

  • Silke Schwartau, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg
  • Günter Tissen, Geschäftsführer der wirtschaftlichen Vereinigung Zucker
  • Alfred Hagen Meyer, Anwalt für Lebensmittelrecht
  • Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft
  • Tim Mälzer, TV-Koch
  • Im Einzelgespräch: Anastasia Zampounidis

Das Thema...

… führte den Lebensmittelcheck mit Tim Mälzer fort, den das Erste vor "Hart aber fair" ausstrahlte. "Wie viel Zucker ist gut für uns", fragt der Koch in seiner Doku. Plasberg drehte die Frage ins Negative: "Wie ungesund sind Zucker und Co.?" Verspürte man bei Mälzer ob kochender Puddings, Vanilleeis-Tests und Schokoladen-Analysen noch ansatzweise den Drang, sich einen Joghurt aufzumachen oder einen Kakao zu schlürfen, verging einem beim Plasberg der Appetit. Hier war der Zucker ganz klar der Feind. Omnipräsent in allen Speisen, krankmachend, verfettend.

Aufreger des Abends

Den lieferte Mälzer mit einer Packung Frühstücksflocken in der Hand. Seine These war, es handele sich hierbei um irreführende Werbung, weil suggeriert werde, sie seien für Kinder gesund. Als Schmidt auf diese Aussage ausweichend reagierte, platzte Mälzer der Kragen: "Gibt es gesundheitsinteressierte Eltern?", wandte er sich an das Studiopublikum. Ein Vater betonte, die Verpackung locke die Kinder. Mälzer sah das als Bestätigung für seine These, dass der Kunde "visuell abhängig" sei. "Das ist wie die dicken Brüste in der Strip-Bar."

Meyer konterte, das sei grotesk. Es käme vor allem auf die Diskussion mit dem Verbraucher an. Lustige Werbung mit "Spaßfaktor" sei legitim.

Moderatoren-Moment

Den besorgte auch Meyer, als er sich in Begrifflichkeiten verstrickte und Plasberg Geld für das Phrasenschwein fordert. "Ich habe fünf Euro dabei", sagte Meyer und legte das Geld auf den Tisch. Klarheit brachten seine weiteren Ausführungen nicht. "Können Sie nochmal nachmünzen?", fragte der Moderator. Am Ende kamen fünfzehn Euro zusammen. Die spende man einer Diabetesorganisation, so Plasberg. Der Gag hatte Chuzpe.

Moderatoren-Fragen des Abends

Derer gab es zwei. Zu Beginn, als Plasberg fragte, ob der Hersteller eines Traubenzuckerpräparats namens "Schulstoff" "als Dealer" bezeichnet werden dürfe. Dieser werbe mit dem Reiz des Verbotenen, "dem Hauch von Doping". Er lenkte die Sendung so sehr schnell in eine Einbahnstraße, in die Diskussion, wie weit Werbung für zuckerhaltige Produkte vor allem für Kinder gehen darf. Tissen und Meyer als Wirtschaftsvertreter hatten an solcher Werbung nichts zu bemängeln. Mälzer bezeichnete sie dagegen als "bumsdämlich".

Plasbergs zweites Highlight kam zum Schluss, als er Tissen und Meyer fragte: "Keine leichte Sendung für Sie?" Vor allem Meyer konterte, ihm sei die Sendung zu banal gewesen. Zucker = schlecht sie die einzige Schlussfolgerung, die man ziehen wolle. Dabei müsse es vielmehr um Aufklärung in der Ernährung gehen. Es gehe um eine ganzheitliche Betrachtung von Ernährung und Bewegung, ergänzte Tissen.

Kern der Diskussion

Die reduzierte sich schnell auf die Selbstverpflichtung einiger großer Lebensmittelhersteller, verantwortungsvoller mit Werbung von Produkten für Kinder umzugehen. Meyer betonte, es handele sich bei dieser "EU-Pledge" um eine Erfolgsgeschichte, weil Diskussionen angestoßen worden seien. Auch Schmidt brachte in diesem Zusammenhang den Begriff Transparenz. Worüber Mälzer und Schwartau nur den Kopf schütteln konnten. Immerhin gelte die Selbstverpflichtung nicht für die Verpackungen. Als Exempel hielt Schwartau einen nach ihrer Meinung überzuckerten Joghurt mit Prinzessinnenaufdruck in die Kamera. Verführerischer für Mädchen könne das gar nicht sein.

Tiefpunkte des Abends

Davon gab es zwei. Zum einen wurden irgendwelche Zuckerprodukte die ganze Sendung über immer wieder von jemanden in die Kamera gehalten oder beim Namen genannt. Vermutlich konnte Wirtschaftsvertreter Tissen sein Glück kaum fassen. "Ich habe das Produkt gar nicht gekannt", meinte er mit Blick auf ein Brausewasser für Kinder. Auch der überdrehte Auftritt von TV-Moderatorin Anastasia Zampounidis im Einzeltalk wirkte verstörend. Seit zehn Jahren nehme sie keinen Zucker mehr zu sich. Sie sprach von Wiedergeburt, sie sei super drauf, und Plasberg durfte ihr Komplimente für ihr Aussehen machen. Um dann nachzuschießen, wie sie sich denn für die Kleinigkeiten im Leben belohne, wenn sie keine Schokolade esse. Mit Wein? Sie trinke nur Wodka. Soviel zum Thema "Kinder vor schädlichen Einflüssen schützen."

Was offen bleibt...

… ist die Frage, warum man sich die Sendung hatte anschauen müssen, wenn die Antwort auf die Ausgangsfrage ohnehin individuell zu geben ist. Zucker ungesund? Klar. Für jeden mehr oder weniger. Die Menge macht das Gift, ist die Floskel, die die Sendung selbst bemühte.

Ansonsten herrschte am Ende Konsens. Zucker allein könne nicht der Übeltäter sein, es komme auf eine ganzheitliche Betrachtung der Ernährung an. Letztendlich spiele die Selbstverantwortung der Konsumenten eine große Rolle. Das unterschrieben Tissen, Mälzer und Schmidt. Mögen auch die Ausgangslager der Diskutanten verschiedene gewesen sein, blieben am Ende keine verhärteten Fronten, an denen sich der Zuschauer für die eigene Meinungsbildung ein wenig hätte reiben können.

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