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Holzhacken: Raus aus der Muckibude

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Ungewöhnliches Fitnesstraining  

Holzhacken macht richtig fit

09.04.2015, 15:43 Uhr | Marc Reisner

Holzhacken: Raus aus der Muckibude. Holzhacken kann als echtes Fitness-Programm durchgehen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Holzhacken kann als echtes Fitness-Programm durchgehen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wer hätte das gedacht? Bundeskanzlerin Angela Merkel beneidet die Männer – zumindest um zwei Dinge: Mit tiefer Stimme sprechen und Holzhacken. Das sagte sie im Jahr 2013 bei einem Interview mit der Frauenzeitschrift "Brigitte". Kein Wunder, denn das Spalten dicker Stämme mit der geschliffenen Axt bietet eine einzigartige Kombination aus Kraft und Eleganz. Immer mehr Männer wagen sich an Buche, Pappel und Co. Und das nicht nur im heimischen Hof, sondern auch auf sportlichen Events.

Foto-Serie mit 12 Bildern

Holz für den Kamin wärmt zweimal, heißt es, erst beim Schlagen und Spalten, dann beim Verfeuern. Und tatsächlich kann Holzhacken als echtes Fitness-Programm durchgehen. Wer die Stämme zum Klotz schleppt, verbrennt pro Stunde schnell 1000 Kalorien, das eigentliche Zerkleinern schlägt mit rund 450 Kalorien zu Buche – das entspricht zusammen einer knappen Stunde Joggen.

Außerdem ist die Arbeit mit Axt, Beil und Säge so vielseitig, dass ein Großteil der menschlichen Muskeln trainiert wird. Zugleich ist man an der frischen Luft. Also: Muckibude ist out, Holzhacken dagegen angesagt. Doch bevor es ans Eingemachte geht, benötigen Holzhack-Novizen das passende Equipment. Schnittschutzhose – vor allem bei der Arbeit mit der Kettensäge -, Helm, Sicherheitsstiefel und gute Handschuhe sind Pflicht. >>

Preis fürs Gesamtpaket: etwa 400 bis 500 Euro. Und dann braucht der Holzfäller noch die Hardware. "Das Herz des Holzfällens ist die Motorsäge", sagt Lars Mytting, Autor des Standardwerks "Der Mann und das Holz" (Insel Verlag Berlin 2014, 222 Seiten, 18 Euro). Und er fährt fort: "Die Wahl der Motorsäge ist eine Charakterfrage, ähnlich wie der Kauf eines Autos, eines Jagdgewehrs oder einer Stereoanlage." Vor dem Gang zum Händler sollten Interessenten Kataloge wälzen, Internet-Portale besuchen, die Erfahrungsberichte anderer Nutzer studieren. Die wichtigsten Anbieter sind Husqvarna, Jonsered und Stihl, das Budget sollte bei mindestens 300 Euro liegen.

Europäische Handarbeit

Als Ergänzung zur Motorsäge empfehlen Profis eine Bügelsäge. Die reicht auch für den, der nur daheim lange Stämme zum Hacken vorbereiten will. Experte Mytting: "Viele schätzen den Trainingseffekt des ‚analogen‘ Holzfällens, das Schulter und Rücken stärkt." Gute Bügelsägen, die nicht zu klein sein sollten, kosten ungefähr 40 bis 50 Euro.

Und dann ist da noch die Axt: Da wählen Kenner am liebsten europäische Handarbeit. Und wer die für ihn optimale Axt gefunden hat, lässt sich nicht selten seinen Namen eingravieren. Sie sollte nicht zu schwer, der Stiel nicht zu lang sein. Sonst ist zwar der Trainingseffekt hoch, aber das Gerät wird auch unhandlicher und schwieriger zu kontrollieren. Gut geeignet sind Köpfe mit einem Gewicht von etwa 1,7 bis 1,9 Kilogramm sowie Stiellängen von 70 bis maximal 75 Zentimetern. Das Portal Spaltaxt-test.com hat zahlreiche Produkte unter die Lupe genommen. Auf den ersten drei Plätzen landeten dabei die große Spaltaxt von Gränsfors, die Fiskars X25 Superspalter und die Gardena 1600S. Die Preise liegen zwischen 50 und 120 Euro.

Holzhacken in Höchstgeschwindigkeit

Und das war’s dann auch schon mit der Grundausstattung. Ein nicht zu hoher Hauklotz sorgt dafür, dass die Axt im perfekten Winkel auf die Scheite trifft. Und neben einer ordentlichen Portion Kraft gehört auch Geschick dazu: "Oft fragen mich Leute, ob das denn wirklich eine sportliche Betätigung sei, Holz zu hacken. Dann drücke ich ihnen meist eine Axt in die Hand, damit sie es selbst ausprobieren", erklärt Josef Laier, Landwirt und begeisterter Sport-Holzhacker, "denn auch wenn es nur nach Krafteinsatz aussieht – Köpfchen und Mut gehören ebenfalls zum professionellen Holzhacken in Höchstgeschwindigkeit dazu.“ Laier weiß, wovon er redet, denn der 30-jährige Modellathlet tritt in der österreichischen Timbersports-Serie an, die vom Kettensägen-Hersteller Stihl gesponsert wird. Die Wurzeln dieser Sportart liegen in Kanada und den USA sowie in Australien und Neuseeland. Schon Ende des 19. Jahrhunderts traten dort Holzfäller gegeneinander an, um sich zu messen. Seit 1985 haben die Wettkämpfe "offiziellen“ Charakter, 2005 gab es die erste Weltmeisterschaft. Gesucht wird der beste Athlet in einem Sechskampf. Auf dem Programm stehen drei Axtwettbewerbe wie "Springboard“, bei dem die Konkurrenten Taschen in einen aufrecht platzierten Stamm schlagen müssen. Dort hinein werden die sogenannten Springboards gesteckt. Auf diesen stehend schlagen die Sportler einen Block von zwei Seiten durch.

Beim "Standing Block Chop“ müssen die Konkurrenten einen Pappelstamm mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern von zwei Seiten durchhauen. Der Weltrekord für dieses simulierte Fällen eines Baumes liegt bei 12,33 Sekunden. Und beim "Underhand Chop" wird ein waagerecht liegender Pappelstamm mit 32 Zentimetern Durchmesser zerteilt. Die Säge-Wettbewerbe sind unterteilt in "Single Buck", bei der mit einer mechanischen Säge eine dünne Scheibe von einem 46 Zentimeter dicken Pinienstamm abgeschnitten werden muss – der Weltrekord liegt hier bei 9,4 Sekunden. Beim "Stock Saw" wird mit einer serienmäßigen Motorsäge gearbeitet. Und beim "Hot Saw" kommen getunte Hochleistungsgeräte mit bis zu 80 PS zum Einsatz. Die Maschinen können schon einmal 30 Kilo wiegen und sind für Laien kaum beherrschbar.

Seminare von Volkshochschulen

Wer Lust aufs Holzfällen, aber auch etwas Respekt hat, für den sind Kurse als Einstieg gut geeignet. Tatsächlich bieten viele Volkshochschulen entsprechende Seminare an. Kompakt sind die Lehrgänge, die Forstschule.com anbietet; das Angebot reicht vom Motorsägen-Führerschein bis zum Holzfäller-Tag. Baumfäller-Kurse finden Interessierte auch auf der Website einmalige-erlebnisse.de. Und wer erste Erfahrungen im Wald mit einem Kurzurlaub in der Schweiz verknüpfen will, der sollte sich auf der Seite www.swissforest.ch umschauen. Doch auch wer das Holzhacken nicht als Sport betreiben möchte, sollte im Notfall zur Axt greifen: Psychologen wissen, dass die körperliche Betätigung im Freien ein hervorragendes Mittel bei Liebeskummer ist ...

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