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E-Zigarette: Wird sie in der EU endgültig verboten?

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Elektroraucher bangen um den Nikotin-Dampf

13.12.2010, 12:22 Uhr | Spiegel Online

E-Zigarette: Wird sie in der EU endgültig verboten?. Elektroraucher bangen um den Nikotin-Dampf (Foto: dpa)

Elektroraucher bangen um den Nikotin-Dampf (Foto: dpa)

Rauchen verboten, dampfen erlaubt? Die elektronische Zigarette verbrennt keinen Tabak, stattdessen verdunstet ein flüssiges Nikotinkonzentrat. Hersteller und Konsumenten schwärmen vom gesünderen Genuss oder einem neuen Weg zur Rauchentwöhnung - die EU erwägt dennoch ein Verbot.

Unterschriften für die elektronische Zigarette

"Bitte unterzeichnet alle diese Petition!" Die Betreiber der Internetseite e-rauchen-forum.de machen sich große Sorgen, dass ihr liebstes Laster - das Paffen von elektronischen Zigaretten - bald verboten werden könnte. Die EU-Kommission erwägt nämlich, E-Zigaretten in die überarbeitete Fassung der Tabakproduktrichtlinie aufzunehmen - oder sie alternativ als Medizinprodukt einzustufen.

In beiden Fällen droht der Hightech-Droge eine strenge Prüfung und womöglich das Ende des legalen Konsums. Die Petition "Freedom of Choice for Smokers" will dagegen vorgehen, 3000 Menschen haben schon unterzeichnet.

In Deutschland ist der Verkauf der E-Zigarette verboten

Noch ist die gesetzliche Regulierung auf EU-Ebene uneinheitlich und bisweilen schwammig. In Deutschland ist der Vertrieb von E-Zigaretten theoretisch verboten, weil es sich um ein ungeprüftes Produkt handelt. Praktisch können sich E-Raucher aber im Internet eindecken - dort bieten zahlreiche Händler ihre Modelle feil, geahndet wird das bisher nicht. Der reine Konsum ist legal.

Drei Zutaten braucht es für den elektrischen Dunst: Eine Kartusche mit Nikotinlösung, einen elektrisch betriebenen Verdampfer und einen aufladbaren Akku. Zieht man am Mundstück, springt das kleine Gerät an und erhitzt die Flüssigkeit, der entstehende Dampf wird inhaliert und tritt beim Ausatmen als weißes Wölkchen aus dem Mund - er stinkt nicht und sticht auch nicht in den Augen.

Mittlerweile sieht die E-Zigarette ihrer analogen Schwester zum Verwechseln ähnlich, ein glimmendes LED-Lämpchen simuliert sogar die abrennende Glut.

Gesundheitliche Folgen sind unklar

Erfunden wurde die elektronische Zigarette schon vor gut zehn Jahren in China. In Europa ist sie erst Mitte dieses Jahrzehnts aufgetaucht, ihre Popularität nimmt seitdem stetig zu. Zwar gibt es keine Erhebung darüber, wie viele Menschen tatsächlich "dampfen", einer Studie der Harvard Medical School zufolge hat die Suchhäufigkeit des Begriffs "electronic cigarettes" bei Google in den vergangenen zwei Jahren aber um 5000 Prozent zugenommen. Auf der deutschen Website des E-Rauchen-Forums haben sich mehr als 4600 User registriert.

Auf manchen Webseiten wird die E-Zigarette als "gesunde Alternative zum Rauchen" oder als "Ausweg aus der Nikotinsucht" beworben. Bisher wurden jedoch weder die potentiellen Gesundheitsfolgen hinreichend erforscht, noch ein wissenschaftlicher Beweis geliefert, dass sich E-Zigaretten besser zur Rauchentwöhnung eignen als etwa Nikotinpflaster oder -kaugummis.

Im direkten Vergleich könnten E-Zigaretten tatsächlich weniger Schaden anrichten als normale Zigaretten. Mit ihnen nimmt der Konsument nur das reine Nikotin auf, ohne die krebserregenden Stoffe einzuatmen, die beim Verbrennen von Tabak entstehen. Gleichwohl ist Nikotin ein Nervengift, das bei einer Überdosis zu schweren Schäden führen kann und natürlich abhängig macht. Gesund ist das Dampfen in keinem Fall.

Es fehlen Qualitätskontrollen

Zudem unterliegen die Hersteller von E-Zigaretten keinerlei verbindlichen Qualitätskontrollen. In einer aktuellen Studie, die kalifornische Wissenschaftler kürzlich im Fachmagazin "Tobacco Control" veröffentlicht haben, wurden erhebliche Mängel bei der Verarbeitung und Beschriftung von Produkten sechs unterschiedlicher Marken aufgezeigt.

Demnach laufen die Kartuschen mit der Nikotinlösung leicht aus, Hautkontakt ließe sich kaum vermeiden. Auch gebrauchte Kartuschen enthielten noch Nikotin, sollten Kinder die Behälter fälschlicherweise in die Finger bekommen, könnten sie sich vergiften. Die Studienautoren empfehlen ein Verbot der E-Zigarette, bis einheitliche Sicherheitsstandards eingeführt wurden.

Auch angeblich nikotinfreie Kartuschen enthalten Nikotin

Es gibt keine Garantie, dass der Inhalt hält was die Verpackung verspricht. Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat zwei Modelle mit unterschiedlichen Kartuschen chemisch analysiert. Die zu verdampfende Flüssigkeit besteht bis zu 90 Prozent aus Propylenglykol, das für den Nebeleffekt sorgt. Daneben fand die FDA abweichende Nikotinkonzentrationen, als die Hersteller ausgewiesen hatten. Zum Beispiel enthielten selbst die Kartuschen Nikotin, die mit null Milligramm ausgezeichnet waren und damit ausschließlich den Raucheffekt simulieren sollten.

Zudem fanden sie auch geringe Mengen von Giftstoffen, die typischerweise in Tabak zu finden sind, etwa krebserregende Nitrosamine. Dabei handelt es sich möglicherweise um Verunreinigungen im Nikotin, das aus Tabak gewonnenen wird.

Verbotene Medikamente in den Kartuschen

Die fehlende Regulierung des Marktes nimmt bisweilen gefährliche Züge an. So mischen manche Hersteller gezielt Medikamente in die Nikotinlösung, um mit einem medizinischen Effekt zu werben. Etwa so: "Beim Rauchen die sexuelle Potenz steigern". Die entsprechenden Kartuschen enthalten Tadalafil, ein Mittel zur Behandlung von Erektionsstörungen.

"Beim Rauchen Gewicht verlieren" ist das Versprechen von Kartuschen mit Rimonabant. Dieser Wirkstoff wurde vor ein paar Jahren als Arznei gegen Übergewicht zugelassen, dann aber wieder vom Markt genommen - er ist somit verboten.

Die FDA konnte mit einer weiteren chemischen Analyse bestätigen, dass die Kartuschen die Wirkstoffe tatsächlich enthalten. Von ihrem Gebrauch ist in jedem Fall abzuraten, da Nebenwirkungen oder eventuelle Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Medikamenten kaum abzuschätzen sind. Wie die FDA schreibt, kann zum Beispiel Tadalafil in Kombination mit nitrathaltigen Verbindungen zu einem drastischen Abfall des Blutdrucks führen, der im schlimmsten Fall lebensbedrohlich ist.

Gefahr für Jugendliche?

Auch Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum plädiert für ein Verbot der E-Zigarette: "Wir brauchen nicht noch ein Suchtmittel."

Ihrer Erfahrung nach ist die elektronische Variante für einen starken Raucher keine Alternative, dafür sei die Handhabung des Geräts viel zu umständlich. Man müsse zum Beispiel ständig den Akku aufladen und die Kartuschen wechseln. Sie vermutet, dass sich das Produkt vielmehr an Kinder und Jugendliche richtet. "Dafür spricht, dass die Kartuschen in vielen süßen Aromen angeboten werden." In der Tat kann man im Netz von A wie Apfel bis Z wie Zimt, fast jede vorstellbare Geschmacksrichtung bestellen. Pötschke-Langer will hier eine Parallele zu den Alcopops erkennen.

Im E-Rauchen-Internetforum ist eine Registrierung offiziell erst ab 18 Jahren erlaubt, jedoch wird das Alter hier, genau wie auf den Händlerseiten, nicht eindeutig geprüft.

Entscheidung über ein Verbot erst 2012

Wer sich durch die Einträge klickt, stößt auf zahlreiche Erfolgsgeschichten der Rauchentwöhnung. So mancher User zählt in einem Ticker, wie lange er schon ohne "Pyros", also echte Zigaretten auskommt: 234 Tage, 16 Stunden und 3 Minuten. Nachprüfen kann man solche Forenbeiträge natürlich nicht. Pöttschke-Langer ist misstrauisch, "Blogs und Foren können leicht von Händlern missbraucht werden, um Werbung zu streuen."

In Deutschland gibt es momentan keine Bestrebungen, rechtlich gegen die E-Zigarette vorzugehen. Man will zuerst das EU-Urteil abwarten. Bis Mitte Dezember läuft noch eine Online-Anhörung der EU-Kommission. Eine Entscheidung ist nicht vor 2012 zu erwarten.

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