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Borreliose: "Alle haben die Zecken unterschätzt"

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"Alle haben die Zecken unterschätzt"

16.05.2011, 13:25 Uhr | Tonja Schewe

Wer unter ständiger Müdigkeit und Gelenkschmerzen leidet, wird dies wohl kaum auf einen Zeckenstich zurückführen. Dabei sind die Symptome einer unerkannten Borreliose alarmierend häufig. Dr. Armin Schwarzbach vom Borreliose Centrum in Augsburg hat tagtäglich mit Menschen zu tun, die unter den Spätfolgen einer Borreliose leiden, ohne dies zu wissen. Von schätzungsweise 798.000 Neuerkrankungen im Jahr 2009 gehen die Meldezahlen der Krankenkassen aus, so Schwarzbach. "Mittlerweile werden Sie in jeder Straße auf jemanden treffen, der Borreliose hat."

Jede zweite Zecke mit Borrelien infiziert

Eine bundesweite Meldepflicht der gefährlichen Infektionskrankheit gibt es bislang nicht. Selbst dem Robert Koch-Institut liegen keine eigenen Schätzungen vor. Deshalb beruhen die aktuellen Zahlen des Borreliose Centrums auf Hochrechnungen der Fälle an Borreliose-Erkrankungen mit Wanderröte in den bislang meldepflichtigen Bundesländern. "Diese Zahl müssen Sie noch mindestens mit dem Faktor zwei bis drei multiplizieren", erklärt Schwarzbach, "denn circa 20 Prozent der Patienten haben in der Erstinfektion nur eine Sommergrippe ohne Wanderröte." Der Zeckenexperte schätzt, dass tatsächlich jährlich etwa 1,2 Millionen Deutsche pro Jahr an Borreliose erkranken. "Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie verbreitet Borreliose ist", warnt der Laborfacharzt. "Selbst im Englischen Garten in München, mitten in der Großstadt, ist mittlerweile jede zweite Zecke mit Borrelien verseucht."

Entfernte Zecke keinesfalls wegwerfen!

Da die Bakterien erst zwölf bis 24 Stunden nach dem Stich auf den Menschen übergehen, ist es wichtig, eine Zecke möglichst zeitnah zu entfernen. Panik sei jedoch fehl am Platz, so Schwarzbach. Am besten lässt sich eine Zecke mit einer speziellen Pinzette oder Zeckenschlinge entfernen. Auf keinen Fall sollte man die Zecke quetschen, weil sie dann im Todeskampf zusätzlich Erreger abgibt. "Starten Sie einen Überraschungsangriff", rät Schwarzbach. "Das Geheimnis ist, sie ganz herauszubekommen." Ist beim Herausziehen doch ein Stück abgebrochen, sollte man den Rest vom Arzt entfernen lassen. In jedem Fall sei es wichtig, die Zecke aufzubewahren. "Kleben Sie sie mit einem Tesafilm auf ein Papier und notieren Sie das Datum dazu", rät Schwarzbach. "Nur dann zahlt später die Unfallversicherung."

Rechtzeitige Diagnose bei Borreliose entscheidend

Wird Borreliose frühzeitig diagnostiziert, kann sie erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden. In jedem Fall sei es deshalb nach einem Zeckenstich wichtig, auf Krankheitssymptome wie die charakteristische Wanderröte, Anzeichen einer Sommergrippe und Gelenkschmerzen zu achten. Ob man sicherheitshalber die Zecke im Labor auf Borrelien untersuchen lassen möchte, sei eine Frage des persönlichen Sicherheitsrisikos, so der Infektiologe. "Das ist wie beim Auto: Genügt Ihnen ein Airbag oder brauchen Sie mehrere?"

Verharmlost Gesundheitspolitik das Infektionsrisiko?

Bleibt Borreliose unerkannt, kann die Krankheit das Herz und das Nervensystem schädigen. Häufig bleibt ein Zeckenstich gänzlich unbemerkt. "Jeder zweite bekommt das gar nicht mit", weiß Schwarzbach. Borreliose-Patienten haben oft eine lange Leidensgeschichte hinter sich, bis die Krankheit erkannt wird. "Wenn jemand mit Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus eingeliefert wird, fragt doch keiner nach einem Zeckenstich", sagt Schwarzbach. Viele Hausärzte seien mit der Diagnose schlicht überfordert. "In meiner Generation hat man das während des Medizinstudiums nie gelernt." Der Borreliose und FSME Bund Deutschland e.V. wirft deutschen Gesundheitspolitikern vor, die Brisanz der Krankheit herunterzuspielen. So gingen führende Politiker immer noch von Neuerkrankungen in Höhe von etwa 80.000 Borreliose-Fällen im Jahr aus. Diese Zahlen beruhen jedoch auf zehn Jahre alten Studien.

"Zecken stecken voller Erreger"

Dabei sind Borrelien keineswegs die einzigen Bakterien, die von Zecken übertragen werden. "Wir haben es mittlerweile längst mit Mischinfektionen zu tun", weiß Schwarzbach. "Zecken stecken voller Erreger. Rund 120 verschiedene Erreger wurden in einer aktuellen Studie gefunden." Als Beispiel nennt er die noch relativ unbekannten Rickettsien. In den letzten 15 Jahren habe sich die Zeckenaktivität insgesamt dramatisch verschlimmert. "Eigentlich müssten überall Warnschilder hin, wie sie in den USA längst üblich sind", findet Schwarzbach, "mit Verhaltensregeln wie *nicht ins hohe Gras gehen' oder 'nicht an Bäume lehnen'."

"Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht"

Allerdings sind längst nicht mehr nur Spaziergänge am Waldrand oder durchs hohe Gras ein Risikofaktor. "Besonders gefährdet sind Hunde- und Katzenbesitzer und Menschen mit eigenem Garten am Waldrand", erklärt der Zeckenexperte. Deshalb sei Vorbeugen mit langer Kleidung, Zeckensprays und geschlossenem Schuhwerk noch immer das Wichtigste. "Einen hundertprozentigen Schutz gibt es aber nicht", so Schwarzbach. "Alle haben die Zecken unterschätzt".

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