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Rauchen: Neue Schockbilder zeigen, wie gefährlich die Nikotinsucht enden kann.

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Rauchen  

Anti-Raucher-Kampagne: Qual kommt vom Qualmen

22.06.2011, 08:21 Uhr | Frank Patalong

Rauchen: Neue Schockbilder zeigen, wie gefährlich die Nikotinsucht enden kann.. Neue Schockbilder: Rauchen kann Krebs verursachen. (Foto: AP)

Neue Schockbilder: Rauchen kann Krebs verursachen. (Foto: AP)

Der 21. Juni markiert seit Menschengedenken einen Wendepunkt. Die Sommer-Sonnenwende beendet die erste Jahreshälfte, danach werden die Tage kürzer, es geht wieder abwärts mit der Höhe der Kreisbahn der Sonne am Himmel. Und nicht nur mit der: Nach der neuen Vorlage der verbindlichen Warnhinweise für Zigarettenpackungen durch die U.S. Food and Drug Administration FDA dürfte sich auch das Image der Raucher in den USA in einen noch steileren Sinkflug begeben. Denn auf den den US-Kippenschachteln sollen künftig schockierende Bilder prangen - klicken Sie sich durch: Wir zeigen die Schockbilder der Kampagne.

Von Krebsgeschwüren zerfressene Münder

Wer sich dann ab Herbst nächsten Jahres - so viel Galgenfrist hat die US-Tabak-Lobby rausholen können - eine Packung Glimmstängel kauft, dokumentiert mit äußerster Deutlichkeit, dass er zur Gruppe der suizidalen Parias gehört, die nicht nur sich, sondern auch ihr Umfeld schädigen. Gut vorstellbar, dass Restaurantgäste künftig bitten werden, doch das Zichten-Päckchen vom Tisch zu nehmen, weil es ihnen den Appetit verdirbt. Denn die Grafiken und Fotos, die die bisherigen, eher unauffälligen Aufdrucke der Marke "Rauchen schadet Ihrer Gesundheit" ersetzen werden, sind mehr als eindeutig: Von Krebsgeschwüren zerfressene Münder sieht man da, eine wie in Teer getauchte Lunge, einen Toten auf der Bahre.

USA-Raucherquote stagniert

Es ist die Steigerung einer seit Jahrzehnten um Abschreckung bemühten Aufklärungskampagne: Die USA pappten schon 1966 erste Warnhinweise auf Zigarettenpackungen, wurden damit zu Vorreitern - allerdings sowohl beim Verkauf von Zigaretten, als auch bei den Warnungen davor. In den letzten 30 Jahren verbannten immer mehr US-Bundesstaaten das Rauchen weitgehend aus dem öffentlichen Leben. Bis Mitte der Neunziger gelang es so, die Raucherquote in den USA zu senken. Seitdem aber stagniert sie: Rund 21 Prozent der dortigen Bevölkerung, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO, rauchen nach wie vor, mit Appellen an die Vernunft ist ihnen nicht zu helfen. Bei uns qualmt noch immer rund ein Drittel der Bevölkerung.

Abschreckung und Einheits-Päckchen: Ein internationaler Trend

Jetzt soll verschärfte Abschreckung Raucher wachrütteln, sie zumindest aber noch tiefer in die Paria-Ecke drücken. Die amerikanische Regelung folgt Beispielen in Australien, Belgien, Brasilien, Großbritannien, Kanada, Lettland, der Schweiz, Thailand, Venezuela und anderen Ländern, wo die Warnungen teils noch erheblich deutlicher ausfallen. Auf der Vorderseite einer Zigarettenpackungen in Neuseeland und Venezuela gibt es eine relativ kleine Warnung mit Text und Bild, die Rückseite wird zu 60 Prozent vom Bild eingenommen, zu 40 Prozent von der textlichen Warnung. Da sieht man dann auch schon einmal abgefaulte, schwarze Zehen-Stummel in Großaufnahme, blutende Gehirne oder blau angelaufene Föten, die nach einer Fehlgeburt in der Handfläche des Arztes liegen.

Hersteller sollen zu neutralem Design verpflichtet werden

So weit geht man in den USA nicht, aber das kann noch kommen. Denn der Trend zu immer deutlicheren Abschreckungs-Designs ist unverkennbar und international. So werden voraussichtlich ab dem 1. Januar 2012 in Australien nur noch Zigarettenpackungen in den Verkauf gehen, auf denen man den Markennamen wird suchen müssen. Die Hersteller sollen per Gesetz zu einem einheitlichen, "neutralen" Design verpflichtet werden, das ihnen nur noch den Aufdruck des Markennamens in nüchterner Typographie auf den Schmalseiten der Packungen erlaubt. Noch hält die Tabak-Lobby mit PR-Kampagnen dagegen, hat der im April vorgestellte Gesetzesentwurf die parlamentarischen Hürden nicht genommen. Das aber gilt als ausgemachte Sache, seit am 31. Mai die Liberalen, Australiens wichtigste Oppositionspartei, ihre Unterstützung zugesagt haben.

Die europäische Einheitspackung dürfte via Brüssel verordnet werden

Natürlich hat auch in der Europäischen Union die Diskussion um verschärfte Warnhinweise längst begonnen. Wenig überraschend orientieren sich die Brüsseler Verbraucherschützer eher am Modell Australien, als an den USA. Wenn es nach der EU-Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher geht, werden Zigarettenpackungen in der EU nur noch Warnhinweise zeigen - den Markennamen dürfen die Hersteller dann noch auf die schmalen Kanten des Päckchens drucken, wie in Australien in nüchterner Schrift ohne Logos, Markenfarben und Schnörkel. Im September 2010 legte die Generaldirektion eine 345 Seiten starke Studie der Rand Corporation zu Möglichkeiten einer Revision der sogenannten EU-Richtlinie 2001/37/EC vor, die Herstellung, Aufmachung und den Verkauf von Tabakprodukten in der EU regelt. Darauf basierend begann die EU-Kommission im Oktober 2010 ein "Öffentliches Konsultationsverfahren bezüglich der möglichen Überarbeitung der Tabakproduktrichtlinie 2001/37/EG", das im Dezember 2010 abgeschlossen wurde. Was dabei herauskam und wie genau die Überarbeitung der Richtlinie aussehen wird, sollen wir EU-Bürger in Kürze erfahren. Denn der Zeitplan steht längst fest:

  • Zweite Jahreshälfte 2011: Vorstellung der überarbeiteten Richtlinie
  • 2012: Verabschiedung
  • bis 2014: Umsetzung in nationales Recht.

So einfach ist das - nur nicht für die Tabakindustrie

So einfach ist das - nur nicht für die Tabakindustrie.

Die ist schon jetzt in heller Panik, die Lobby wirbt und buhlt - ohne in der Öffentlichkeit groß punkten zu können. Dass im Mai die Europäischen Tabakfachhändler in Brüssel tagten, erfuhr die Welt nicht etwa aus Medienberichten. Verbreitet wurde die Information dank OTS und einigen anderen Diensten: Das sind Agenturen, die gegen Bezahlung versuchen, "Originaltexte" in die Öffentlichkeit zu bringen. Die Branchen-Lobbyisten warnten nicht nur vor Betriebsschließungen und "größten Einbrüchen bei den Steuereinnahmen", sondern auch vor einer "hohen Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung". Und zwar nicht durch Tabak, sondern durch die Warnungen davor. Die könnten schließlich dazu führen, dass die Kunden dann vermehrt "gefälschte und geschmuggelte Waren" konsumierten. So sieht das aus, wenn einer Lobby die Argumente ausgehen.

WTO-Beschwerde: Ein Eigentor?

Die Hersteller fürchten die "Gleichmacherei" durch eine erzwungene Vereinheitlichung des Produkt-Designs mehr, als abschreckende Wirkungen durch die Foto-Warnungen. Der Verband der Deutschen Rauchtabakindustrie vertritt offiziell den Standpunkt, dass auch die Horrorbilder zur Abschreckung von Rauchern unwirksam seien. Zu befürchten seien vielmehr Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten kleinerer, weniger bekannter Marken.Genau über solche Bedenken beriet am 7. Juni auch die Welthandelsorganisation WTO in ihren TRIPS-Konsultationen, bei denen es um handelsbezogene Aspekte der Rechte am geistigen Eigentum geht. Gefragt wurde, ob man Tabakfirmen und ihre Imagetragenden Marken zum Einheitsdesign zwingen darf. Vorgebracht wurde eine entsprechende Beschwerde der Dominikanischen Republik, die jedoch wenig Unterstützung fand: Nur Ecuador, Honduras, Kuba, Nicaragua, Mexiko, die Philippinen, Sambia und die Ukraine unterstützten den Standpunkt.

Abschreckung plus Motivationskampagne

Fast alle sind Tabak-produzierende Länder. Nur die Unterstützung der Ukraine, die als Europas Raucher-Hochburg gilt, kam überraschend: Der Staat hat erst Ende März selbst einen Zwang zu Warnbildern auf Zigarettenpackungen eingeführt. Ansonsten stießen Australiens Pläne in der TRIPS-Runde auf Zustimmung oder Verständnis. Die Diskussion um solche Kampagnen dürfte das eher belebt haben. Die Europäische Union kombiniert die Strategie der Abschreckung mit einer Motivations-Kampagne, die das Nichtrauchertum als cooles Ziel propagiert: Am 16. Juni gab die Kommission den Startschuss zur Aktion "Ex-Raucher sind nicht aufzuhalten". Die Imagekampagne mit Werbeschaltungen, einer Webseite zum Thema, einer Facebook-Profilseite und dem "iCoach"-Trainer, der bei der Entwöhnung helfen soll, will beim Raucher-Nachwuchs ansetzen.

Krankheit statt Coolness

Beides zielt letztlich darauf, die Images zu ändern. Rauchen soll nicht mehr für Freiheit und Abenteuer und Coolness stehen, sondern für Krankheit, Sucht und Tod. Den Rest soll dann der wachsende öffentliche und soziale Druck bringen: Nach dem Rauchverbot an öffentlichen Orten wird auf EU-Ebene nun das Rauchverbot im Auto diskutiert. Auch im Kleinen rücken Raucher immer weiter in die Außenseiter-Ecke. In Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) haben die Grünen Mitte Juni einen Antrag in die Bürgerschaft eingebracht, das Rauchen am Ostseestrand zu verbieten. Der Vorschlag fand bei der SPD sowohl im nahen Rostock als auch auf Landesregierungsebene begeisterte Zustimmung. Die dortige Gesundheitsministerin und stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende Manuela Schwesig ließ die "Ostsee-Zeitung" wissen: "Wir sind Gesundheitsland. Jede Initiative gegen das Rauchen können wir nur begrüßen." Es wäre das erste Rauchverbot im Freien an einem öffentlich zugänglichen Ort - Bahnsteige sind Privatgelände. Die Luft wird dünner, aber daran sind Raucher ja gewohnt.

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