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Wie gut schützt die HPV-Impfung Männer vor Krebs?

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Wie gut schützt die HPV-Impfung Männer vor Krebs?

15.05.2015, 11:32 Uhr | Irene Berres, Spiegel Online

Wie gut schützt die HPV-Impfung Männer vor Krebs?. HPV-Impfung: Die Spritze schützt vor bestimmten Krebsarten und Genitalwarzen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

HPV-Impfung: Die Spritze schützt vor bestimmten Krebsarten und Genitalwarzen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sexuell übertragbare Papillomaviren können auch bei Männern Krebs auslösen - geimpft werden bislang allerdings nur Frauen. Studien zeigen, dass sich dies zumindest für eine kleine Gruppe ändern sollte.

Die HPV-Impfung kann etwas, das sich viele Menschen erträumen: Sie schützt vor Krebs. Ein Universalmittel ist sie dennoch nicht. Als sie auf den Markt kam, waren sich Mediziner nur sicher, dass die Spritze das Risiko für Gebärmutterhalskrebs senken kann. Männer schloss man deshalb von den Impfprogrammen aus. Möglicherweise zu Unrecht.

Mittlerweile steht fest, dass auch Männer aufgrund einer Infektion mit bestimmten Humanen Papillomaviren, vor der die Impfung schützt, an Krebs erkranken können. Vor allem Analkarzinome, aber auch Tumoren am Penis und spezielle Krebserkrankungen im Rachen können Folge einer Infektion mit den sexuell übertragbaren Krankheitserregern sein.

Trotzdem werden in den meisten Ländern, so auch in Deutschland, bislang nur Mädchen standardmäßig gegen die Viren geimpft - am besten im Alter zwischen neun und 14 Jahren vor ihrem ersten Geschlechtsverkehr. Davon profitieren zwar auch die Männer, wie jetzt eine niederländische Studie zeigt: Sind die Frauen geimpft, können sie ihre Sexualpartner nicht anstecken. Ganz schützen können Frauen die Männer dennoch nicht.

Knapp 500 Männer geimpft - einen vor Krebs geschützt

Für ihre Untersuchung im "British Medical Journal" werteten die Forscher um Johannes Bogaards vom National Institute for Public Health and the Environment das niederländische Krebsregister aus und suchten nach Fällen, die sehr wahrscheinlich im Zusammenhang mit HPV stehen. Dabei konzentrierten sie sich auf Tumore im Analbereich, am Penis und im Mund- und Rachenraum.

Anschließend analysierten sie die Daten im Hinblick auf die Verbreitung der Viren. Ihre Ergebnisse machen deutlich, das die Einführung der HPV-Impfung für Frauen auch das Krebsrisiko der Männer senkte:

  • Vor der Einführung der Impfung hätten 466 Jungen geimpft werden müssen, um im Laufe ihres Lebens eine durch die Viren verursachte zusätzliche Krebserkrankung zu verhindern.
  • Werden 60 Prozent der Mädchen geimpft - das entspricht den aktuellen Impfquoten in den Niederlanden -, erkranken weniger Mädchen und dadurch auch weniger Jungen an HPV und den damit verbundenen Tumoren. Deshalb müssten dann 795 Jungen geimpft werden, um bei ihnen einen der Krebsfälle verhindern zu können. In Deutschland liegt die HPV-Impfquote mit rund 53 Prozent etwas niedriger.
  • Würden die Gesundheitsbehörden es schaffen, die Durchimpfungsraten bei den Mädchen auf 90 Prozent zu erhöhen, müssten sogar 1735 Jungen geimpft werden, um einen Krebsfall zu verhindern.

"Die Ergebnisse bestärken, was schon mehrere Studien ergeben haben: Ist die Impfquote bei den Mädchen hoch, bringt die zusätzliche Impfung von Jungen nicht mehr so viel", sagt Oliver Damm, der als Gesundheitsökonom an der Universität Bielefeld arbeitet. Die Untersuchung zeigt allerdings auch, dass die Impfung der Frauen die Männer nie komplett vor den virusbedingten Krebserkrankungen schützen können wird.

Auch wenn sich fast alle Frauen impfen ließen, blieb laut den Rechnungen vor allem ein Risiko für Analkarzinome bei den Männern bestehen. Zu erklären ist es mit einer kleinen, aber wichtigen Gruppe, die beim jetzigen System durchs Raster fällt: den Männern, die Sex mit Männern haben.

Sollte nicht jeder geimpft werden?

Die Ergebnisse werfen vor allem ethische Fragen auf: Bislang sind noch keine schwerwiegenden Nebenwirkungen der HPV-Vakzine bekannt. Sollten da nicht alle die Chance bekommen, sich impfen zu lassen, solange es auch nur einen minimalen Schutz vor einer so schwerwiegenden Krankheit wie Krebs gibt?

Für Harald zur Hausen, der 2008 den Nobelpreis für seine Forschung zu HPV-Viren und Gebärmutterhalskrebs erhielt, gibt es auf diese Frage eigentlich nur eine richtige Antwort: "Auf Basis der existierenden Daten kann eigentlich nur eine klare Empfehlung gegeben werden: Jungen sollten auch in entsprechendem Alter (zwischen neun und 14 Jahren) geimpft werden", schreibt er auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Auch Damm sieht die ethische Debatte: "Warum sollten Männer allein auf den Impfschutz der Frauen vertrauen müssen?", fragt er. Demgegenüber stünde allerdings der hohe Preis der Impfung: In Deutschland kostet die Immunisierung pro Person mit drei Impfdosen knapp 500 Euro. Das mündet in eine, im Zusammenhang mit der Gesundheit und so folgenschweren Krankheiten wie Krebs immer zynisch anmutenden Frage:

Zahlt sich das aus?

Bleiben die Preise so hoch, da sind sich zumindest Gesundheitsökonomen einig, tut es das wohl nicht. Auch die Forscher der aktuellen Studie schreiben, dass die Behörden aufgrund der hohen Kosten zunächst darauf hinwirken sollten, dass sich so viele Frauen wie möglich impfen lassen. Von ihnen müssen sich in den Niederlanden nur 200 immunisieren lassen, um einen Fall von Gebärmutterhalskrebs zu verhindern. Sobald die Preise soweit sinken, dass die Gesellschaft bereit wäre, die Kosten im Hinblick auf den Nutzen zu tragen, sei eine Impfung der Männer jedoch sinnvoll, so die Wissenschaftler.

Für Schwule sollte das schon heute der Fall sein, das untermauert auch die aktuelle Untersuchung. "Bei Männern, die Sex mit Männern haben, ist die Impfung kosteneffektiv, wie schon verschiedene Studien gezeigt haben", sagt Damm. Die englische Impfkommission hat auf diese Erkenntnis bereits reagiert: In einem Positionspapier vom November 2014 spricht sie sich dafür aus, schwule und bisexuelle Männer gegen HPV zu impfen. Deutschland ist noch nicht so weit.

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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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