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Zecken: Gefühlvolles Herausziehen ist am besten

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Richtiger Umgang mit Zecken  

Am besten ist gefühlvolles Ziehen

10.09.2015, 11:00 Uhr | Julia Merlot, Spiegel Online

Zecken: Gefühlvolles Herausziehen ist am besten. Zecken (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Zecken sollten immer schnellstmöglich aus der Haut entfernt werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Pilzzeit ist Zeckenzeit: Schon ein Biss der Parasiten kann gefährlich werden. Damit sie keine Krankheiten übertragen, sollte man die Tiere schnellstmöglich aus der Haut entfernen. Wie aber geht das richtig?

Geht der Sommer, hängen die ersten Zecken in den Kniekehlen unachtsamer Spaziergänger. Von April bis Juni und meist noch mal im Oktober haben die Parasiten Hochsaison. Wo es warm und feucht ist, fühlen sie sich wohl: Mit zwei Mundwerkzeugen ritzen sie die Haut ihrer Opfer auf und schlürfen über Tage Blut aus dem verletzten Gewebe.

Die meisten Menschen bemerken die Verletzung nicht, denn die Zecke betäubt die Stelle mit ihrem Speichel. Dieser enthält außerdem Stoffe, die das Blut am Gerinnen hindern und eine Entzündung unterdrücken. Gefährlich sind Zecken aber vor allem, weil sie über den Speichel Viren und Bakterien übertragen können.

Am häufigsten geben sie in Deutschland Erreger der Lyme-Borreliose an den Menschen weiter. Im Gegensatz zu den Viren, die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen und vor allem in Süddeutschland vorkommen, gibt es diese Erreger landesweit. In den meisten, aber nicht in allen Fällen, zeigt sich die Lyme-Borreliose durch einen roten Ring um die Bissstelle der Zecke.

Wer die Infektion rechtzeitig entdeckt, kann sie mit Antibiotika behandeln. Breiten sich die Erreger jedoch ungehindert im Körper aus, kann es zu Gelenkbeschwerden sowie vorübergehenden Lähmungen und Entzündungen im Gehirn kommen. Im Gegensatz zu FSME gibt es keine Impfung gegen Borreliose.

Gefährlicher Klebstoff-Tod

Grundsätzlich gilt: Die Zecke sollte möglichst schnell aus der Haut verschwinden. Ideen, wie das klappen könnte, gibt es viele. So wird teils geraten, den Parasiten mit ein paar Tropfen Öl, Klebstoff oder Benzin abzutöten. Empfehlenswert ist das allerdings nicht.

"Es gibt Substanzen, die den Speichelfluss der Zecke anregen und dadurch das Infektionsrisiko erhöhen", sagt Dania Richter, die die Übertragung von Borrelien durch Zecken an der TU Braunschweig erforscht. Bei Klebstoffen und Öl lasse sich das nicht ausschließen. Zudem sterben die Tiere unter der Giftglocke sehr langsam.

"Je länger eine infizierte Zecke saugt, desto wahrscheinlicher überträgt sie Lyme-Borrelien auf den Menschen", sagt Richter. Solange die Zecke im Unterholz herumlungert, sitzen die Erreger inaktiv in ihrem Darm. Mit dem ersten Tropfen Blut, der bei ihnen ankommt, beginnen sie sich jedoch zu vermehren und im Körper der Zecke auszuschwärmen, unter anderem in die Speicheldrüsen.

Abwehr mit Gefühl

In Versuchen, in denen Forscher infizierte Zecken auf Nager gesetzt haben, dauerte es je nach Studie zwölf bis 48 Stunden, bis die Borrelien im Wirt angelangt waren. "Wer seinen Körper morgens und abends gründlich nach Zecken absucht, ist, was eine mögliche Übertragung von Lyme-Borrelien angeht, auf einer ziemlich sicheren Seite", sagt Richter.

Beim Entfernen ist vor allem Gefühl gefragt. Am besten ist es, die Zecke mit einer spitzen Pinzette oder einer Zeckenkarte zu greifen, notfalls gehen auch die Fingernägel. Drehen wird nicht empfohlen, egal in welche Richtung. Das Robert Koch-Institut (RKI) sowie die amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention raten dazu, die Zecke möglichst sanft und gerade aus der Haut zu ziehen. Manche Experten vermuten, dass Herausdrehen den Speichelfluss des Spinnentiers anregt.

Auch wenn man die Anatomie der Zecke beachtet, ergibt gerades Herausziehen Sinn. "Statt einem Gewinde haben die Mundwerkzeuge der Zecke Widerhaken", erklärt Richter. Um diese zu lösen, könne es helfen, die Haut beim Herausziehen mit den Fingern leicht anzuspannen. Auch vorsichtiges Ruckeln ist erlaubt.

Die Angst, dass der Kopf der Zecke beim Entfernen stecken bleibt und dadurch Erreger in die Wunde gelangen, ist übrigens unbegründet. "Welcher Kopf?", sagt Richter. "Zecken haben gar keinen." Was gelegentlich stecken bleibt, sind die Mundwerkzeuge. Das ist aber in der Regel unproblematisch.

Schafe gegen Borreliose

Wie viele Menschen jährlich in Deutschland an Borreliose erkranken, ist unklar. Während FSME-Fälle meldepflichtig sind, gibt es zur Häufigkeit von Borreliose nur für einige Bundesländer offizielle Daten. Laut RKI tragen je nach Region bis zu 30 von 100 Zecken den Erreger in sich.

Wie viele Zecken mit Lyme-Borrelien infiziert sind, unterscheide sich mitunter über sehr geringe Distanzen, erklärt Richter. Eine besondere Rolle dabei spielen Ziegen, Schafe und Kühe: "Lyme-Borrelien überleben nicht nur nicht in Wiederkäuern", sagt Richter. Infizierte Zecken verlieren sogar die Erreger, wenn sie an Wiederkäuern saugen.

Wie genau das funktioniert, ist noch unklar. Bei einer zweijährigen Studie in Baden-Württemberg trafen Richter und ein Kollege auf einer Wiederkäuer-Weide im Schnitt aber auf nur eine infizierte Zecke in zwei Stunden - auf benachbartem Brachland waren es in der gleichen Zeit mehr als 50.

Übrigens: Der Gemeine Holzbock, die Zeckenart, die in Deutschland Menschen befällt, lebt in der Laubschicht im Wald, im Unterholz oder auf schattigen Wiesen. Dort wartet er auf Grashalmen und Sträuchern, bis ein Tier oder Hosenbein vorbeikommt, an dem er sich festhalten kann. Von Bäumen fallen lassen sich Zecken nicht.

Fazit: Egal in welche Richtung, Zecken sollten nicht aus der Haut gedreht werden. Besser ist gefühlvolles Ziehen. So behält die Zecke die Borreliose-Erreger mit größerer Wahrscheinlichkeit in sich und kommt vollständig aus der Haut.

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