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Trend zur Selbstvermessung: Mein Puls, mein Blut, mein Gehirnstrom

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Trend zur Selbstvermessung: Mein Puls, mein Blut, mein Gehirnstrom

12.10.2015, 13:28 Uhr | Jonas-Erik Schmidt, dpa

Trend zur Selbstvermessung: Mein Puls, mein Blut, mein Gehirnstrom. Immer mehr Menschen messen ihre Körperdaten und machen Selbstoptimierung zum Hobby. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Immer mehr Menschen messen ihre Körperdaten und machen Selbstoptimierung zum Hobby. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Bei älteren und kranken Menschen kann es sinnvoll sein, Blutdruck und Puls mittels Technik zu überwachen. Doch auch immer mehr Gesunde messen ihre Körperdaten und machen die Selbstoptimierung zum Hobby. Aber manche übertreiben es.

Smartphones begleiten ihren Besitzer heute häufig bei Tag und Nacht. Spezielle Apps können seine Schritte zählen, Daten über sein Gewicht oder Puls sammeln und den Schlafrhythmus dokumentieren.

Smartphones als Begleiter bei Tag und Nacht

Andreas Schreiber möchte seinen Schlafrhytmus dokumentieren und beschreibt seine Erfahrungen mit den Geräten folgendermaßen: "Ich habe einen Hund, der sehr nervt, der mindestens fünfmal die Nacht aufs Bett springt", sagt er. Sein Smartphone, das die Bewegungen auf seiner Matratze und damit den Schlaf misst, bringt das komplett durcheinander. Er notiert dann "Hund war auf Bett" für die Datenanalyse.

Schreiber interessiert sich sehr für Daten, die er über sich selbst sammeln kann, nicht nur beim Schlafen. Er ist nicht der Einzige – auf einem Treffen der "Quantified Self"-Gruppe in Köln tauschen sich die Daten-Freaks aus. Solche "Quantified Self"-Gruppen gibt es auf der ganzen Welt in vielen deutschen Städten. Man erzählt, was und wie man etwas über seinen Körper herausgefunden hat. Es ist eine Mischung aus Gesundheitsseminar und Technikshow.

Der Trend zur Selbstvermessung

Selbstvermessung liegt im Trend. Tag für Tag werfen Entwickler neue elektronische Gadgets auf den Markt, mit dem sich das eigene Leben in Zahlen und Grafiken darstellen lässt. Auch die IFA im September stand unter dem Eindruck der "Wearables". Technik, die man am Körper tragen kann und die Daten an Smartphones übermittelt, gilt als heißer Wachstumsmarkt. Fitnesstracker, die den Puls messen oder die Schritte zählen, sind längst im Mainstream angekommen.

Schreiber und seine Kölner "Quantified Self"-Gruppe sind Pioniere der Selbstvermessung. Sie praktizierten diese schon zu einer Zeit, als es noch ein Nischenthema war. "Ich habe damals meine Schritte manuell vom Gerät abgeschrieben und auf eine Webseite eingetragen", sagt Schreiber. Er kann heute von einem Stirnband berichten, das angeblich Gehirnströme misst.

Warum sich der Mensch selbst vermisst

Was ist die Motivation dahinter? "Es gibt drei Aspekte: Gesundheit, Fitness, Spieltrieb. Bei mir ist es die Gesundheit und der Spieltrieb", beschreibt Schreiber. Er fing nach einem Schlaganfall an. "Ich sollte meinen Blutdruck und mein Gewicht aufzeichnen." Nun untersucht er beispielsweise selbst, ob sein Kaffeekonsum Auswirkungen auf seinen Blutdruck hat. Er hat schließlich eine Firma mitgegründet, die Apps dafür entwickeln. Viele in der "Quantified Self"-Szene verbindet eine gewisse Technikverliebtheit. Chantal Pannacci etwa, die auch bei dem Kölner Treffen ist, erzählt von ihrer W-LAN-Waage.

Sensoren im Körper, die Mensch und Haushalt steuern

Stefan Selke von der Hochschule Furtwangen hat ein Buch über das Thema geschrieben. Er berichtet von einem Treffen mit einem Selbstvermesser, der sich Sensoren in den Körper implantieren ließ. Damit wird die Körpertemperatur gemessen und zum Beispiel die Heizung im Haushalt daraufhin gesteuert. Selke betrachtet die Entwicklung kritisch und warnt davor, das ganze als bloße Spielerei abzutun.

"Unser Menschenbild wird dadurch extrem maschinistisch. Diese Zerlegung in Einzeldaten ist praktisch dasselbe wie die Zerlegung einer Kaffeemaschine in Einzelteile. Und die Illusion, die da mitschwingt, ist die völlige Austauschbarkeit von einzelnen Faktoren", sagt er. Hinzu kommen einige eher handwerkliche Probleme bei der Selbstoptimierung. "Für eine Interpretation braucht man Kontext. Und wenn man den Kontext nicht hat, sind die Daten sinnlos", berichtet Selke weiter.

Daten für den Arzt interessant

Für den Kontext hat Andreas Schreiber momentan noch seinen Arzt. Der freue sich bei seinen Terminen über all die Daten. "Er kann viel bessere Entscheidungen treffen", macht Schreiber deutlich. "Er will nur nicht, dass ich ihm vorschreibe, was für Medikamente ich bekommen soll."

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