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Krebsverdacht: Glyphosat bei fast jedem im Urin nachweisbar

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Umstrittener Unkrautvernichter  

Glyphosat findet sich bei fast jedem im Urin

07.03.2016, 16:25 Uhr | dpa

Krebsverdacht: Glyphosat bei fast jedem im Urin nachweisbar. Ein Landwirt versprüht auf einem Feld im brandenburgischen Sieversdorf ein Pestizid. (Quelle: dpa)

Ein Landwirt versprüht auf einem Feld im brandenburgischen Sieversdorf ein Pestizid. (Quelle: dpa)

Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat findet sich auch im menschlichen Körper. Eine aktuelle Studie zeigt: Bei der Mehrheit der Deutschen lassen sich deutliche Mengen Glyphosat im Urin nachweisen. 

Für die Erhebung der Bürgerinitiative Landwende, die in der Grünen nahen Heinrich-Böll-Stiftung vorgestellt wurde, wurden Urin-Proben von rund 2000 freiwilligen Testpersonen untersucht. Demnach ließen sich bei 99,6 Prozent der Probanden Glyphosatrückstände nachweisen. Bei 75 Prozent der Probanden lagen die Glyphosatrückstände über 0,5 Mikrogramm pro Liter Urin - das ist fünfmal so hoch wie der Grenzwert für Trinkwasser mit 0,1 Mikrogramm pro Liter. 

BfR: Glyphosat wird mit dem Urin ausgeschieden

Das Pflanzengift Glyphosat steht laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung IARC im Verdacht, krebserregend zu sein. Die WHO hat diese Einschätzung übernommen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht jedoch keine Gefahr für die Gesundheit. In seiner Einschätzung berücksichtigt das Institut nach eigenen Angaben stets auch die realen Aufnahmemengen potenzieller Gefahrenstoffe. Das BfR betonte, Glyphosatnachweise im Urin seien in geringen Konzentrationen zu erwarten. "Sie zeigen, dass Glyphosat, vorwiegend mit dem Urin, rasch wieder ausgeschieden wird."

Zudem seien nicht einmal die festgestellten Maximalwerte gesundheitlich bedenklich. Die Belastung, die sich daraus berechnen lasse, liege "weit unterhalb der Grenzwerte".

Risiken für die Gesundheit noch ungeklärt

Die frühere Leiterin des Instituts für Bakteriologie und Mykologie der Universität Leipzig, Monika Krüger, erklärte, dass über die nun veröffentlichte Studie hinaus weitere Untersuchungen nötig seien. Offen seien etwa Zusammenhänge zwischen einer Belastung mit Glyphosat und bestimmten Erkrankungen. Das von ihr mitgegründete Labor Biocheck-Holzhausen hatte die Proben untersucht.

Männer stärker belastet

Demnach haben Männer deutlich mehr Rückstände im Urin als Frauen. Kinder und Jugendliche scheinen zudem stärker belastet zu sein als andere Altersgruppen. Vegetarier und Veganer haben demnach indes weniger Rückstände im Urin.

Nach Angaben der Macher der Studie handelte es sich bei den Proben allerdings um sogenannte Einpunktbestimmungen - und nicht etwa um Sammelurin über 24 Stunden hinweg. Zudem sei die Datenbasis bei Kindern vergleichsweise gering gewesen.

Glyphosat-Funde "nicht überraschend"

"Uns überraschen die Werte überhaupt nicht. Sie liegen in einer Größenordnung, die wir jüngst bei unserer eigenen Langzeitmessung im Urin von 400 Studierenden gefunden hatten", erklärte die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger. Der Fund von Glyphosat im Urin sei angesichts der langjährigen und intensiven Ausbringung des Mittels kaum verwunderlich.

Krautzberger sagte: "Wichtig ist, einzelne Pflanzenschutzmittel nicht isoliert zu betrachten oder sich auf einzelne Wirkstoffe einzuschießen. Es ist der intensive Einsatz der Mittel in ihrer Gesamtheit, der ökologisch nicht nachhaltig ist."

EU-Entscheidung über Glyphosat steht bevor

In wenigen Tagen könnte auf europäischer Ebene über eine erneute Glyphosat-Zulassung entschieden werden. Die EU-Kommission plädierte zuletzt für eine Verlängerung bis 2031. Der Wirkstoff ist seit rund 40 Jahren auf dem Markt und steckt inzwischen in zahlreichen Pflanzenschutzmitteln. Rund 5000 Tonnen Glyphosat landen jährlich auf deutschen Äckern, das sind 15 Prozent der gesamten Pestizidmenge.


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 (Quelle: t-online.de)WICHTIGER HINWEIS:
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