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Ausreden und Ängste: Warum Männer den Weg zum Arzt scheuen

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Ausreden und Ängste  

Warum sich Männer gern vor dem Arzt drücken

15.06.2016, 21:12 Uhr | dpa-AFX

Ausreden und Ängste: Warum Männer den Weg zum Arzt scheuen. Männer gelten als Gesundheitsmuffel - doch warum ist das so? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Männer gelten als Gesundheitsmuffel - doch warum ist das so? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Das Pochen im Zahn? Wird schon von alleine wieder von selbst verschwinden. und der über Wochen andauernde Reizhusten? Kein Grund zur Beunruhigung. Wenn es darum geht, Symtome beim Arzt abklären zu lassen, bekommen viele Männer Muffensausen. Doch warum ist das so? Dieser Frage ging eine Umfrage aus den USA nach. 

Im Auftrag der Orlando-Health-Kliniken befragten Meinungsforscher 2000 Männer, welche Aussagen für sie gegen die Vereinbarung eines jährlichen Gesundheits-Checks sprechen. Vor allem Männer zwischen 18 und 44 stimmten der Aussage zu, sie seien zu beschäftigt. Viele äußerten auch Angst vor einer schlimmen Diagnose und wollten keine unangenehmen Untersuchungen, etwa an der Prostata, über sich ergehen lassen.

"Keine Zeit" - die klassiche Rechtfertigung 

Die Keine-Zeit-Ausrede sei "unentschuldbar", betonte der US-Urologe Jamin Brahmbhatt dazu. Männer könnten pro Woche mehrere Stunden mit Sport-Gucken verbringen, da müssten sie auch für eine 90-minütige Untersuchung Zeit aufbringen können, findet er. Besteht angesichts der nahenden Fußball-EM auch Grund zur Sorge um Männer in Deutschland?

Angst vor einer negativen Diagnose 

Wohl weniger: "Es ist immer wieder zu beobachten, dass manche Patienten und insbesondere auch Männer nicht zum Arzt gehen, weil sie schlichtweg Sorge vor der Diagnose haben", erklärt der Sprecher des Deutschen Hausärzteverbands, Vincent Jörres. Wichtig sei ein "langjähriges Vertrauensverhältnis" zum Arzt - dann falle es Patienten leichter, bestimmte Beschwerden anzusprechen.

Lange Wartezeiten - für Männern unerträglich

Gut belegt sei für Deutschland jedoch, dass Mäanner vor allem die Wartezeiten beim Arzt Männer abschrecke, sagte Theodor Klotz, Vorstand der Stiftung Männergesundheit. Sie wollten es vermeiden, lange mit Menschen zusammenzusitzen, die über Krankheiten sprechen. Ärzte, die dieses Problem erkannt hätten, böten deshalb Terminsprechstunden an.

Erst wenn's weh tut, wird der Arzt aufgesucht

Auch hätten Männer ein anderes Körpergefühl als Frauen: Der Körper werde eher als Werkzeug betrachtet, sagte Klotz. Männer gehen, da sind sich Experten einig, vergleichsweise spät zum Arzt: Wenn etwas sehr weh tut und es unbedingt sein muss.

In der Mehrzahl der Fälle seien es die Frauen, die ihre Männer in die Sprechstunde schicken, beobachtet Gerd Thomas von der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit. Seinen Worten nach schwankt die Selbsteinschätzung je nach Geschlecht enorm.

Körperliche Warnzeichen oft unterschätzt

Im Männergesundheitsbericht 2014 kommen Experten des Robert Koch-Instituts zu dem Schluss, dass Männer ihre Gesundheit häufiger als gut oder sehr gut einschätzen. Mögliche Erklärung: Männer nehmen körperliche Symptome weniger wahr oder reden weniger darüber.

Jüngere Männer sind gesundheitsbewusster 

Experten sehen aber auch Generationsunterschiede: Während bei den Über-70-Jährigen noch ein traditionelles Verständnis vorherrsche, habe sich das bei den gesundheitsbewussten 40- bis 60-Jährigen in den vergangenen zehn bis 15 Jahren gewandelt: Der Besuch beim Männerarzt oder Urologen sei inzwischen enttabuisiert, sagte Klotz.

"Viagra-Effekt" als Türöffner 

Der Wandel hat für Klotz eine Ursache: Er spricht vom "Viagra-Effekt". Die Einführung der blauen Pille in den 1990er Jahren sei ein Türöffner gewesen, so dass sich vermehrt Männer mit Erektionsstörungen in ärztliche Behandlung begaben und Ursachen wie Depression oder Übergewicht erkannt wurden. "Vorher musste der Mann funktionieren", so Klotz. Impotente seien zum Psychiater geschickt worden.

Vernachlässigung der Gesundheit kostet Lebenszeit

Der Umgang mit der eigenen Gesundheit kostet die Männer auch Lebenszeit. Statistisch betrachtet leben Frauen fünf Jahre länger als Männer. Das hat aber viel mit den Lebensumständen zu tun: Männer sterben jünger, weil sie beruflich wie privat riskanter leben. Bei einer Studie zur Lebenserwartung von Ordensbrüdern und -schwestern im Kloster lebten Frauen nur ein Jahr länger, wie Klotz sagte. Seiner Ansicht nach holen die Männer auch im "normalen" Leben auf.

Dass sich die Geschlechter am Ende nicht so erheblich unterscheiden, zeigt die US-Umfrage: Zwischen Frauen und Männern herrschte annähernd Einigkeit über die wichtigsten Gründe, nicht zum Arzt zu gehen.

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