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Medikamente: Auch bei rezeptfreien Pillen ist Vorsicht geboten

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Frei verkäuflich aber nicht harmlos  

Was Sie über bestimmte Pillen wissen sollten

28.01.2017, 10:05 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Medikamente: Auch bei rezeptfreien Pillen ist Vorsicht geboten. Auch mit rezeptfreien Medikamenten sollte man vorsichtig umgehen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Auch mit rezeptfreien Medikamenten sollte man vorsichtig umgehen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Über sechs Milliarden Euro geben die Deutschen für die Selbstmedikation jährlich aus. Jedes zweite in deutschen Apotheken abgegebene Arzneimittel ist ein rezeptfrei erhältliches Medikament. Besonders beliebt sind Erkältungs- und Schmerzmittel. Wir haben eine Apothekerin gefragt, worauf man bei der Anwendung besonders achten muss.

Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel, sogenannte OTC-Präparate (Over-the-Counter-Präparate) kann jeder ohne ärztliche Verordnung in der Apotheke kaufen. Am häufigsten angefragt werden laut dem Bundesverband der Arzneimittelhersteller e.V. (BAH) Präparate gegen Erkältungs- und Grippesymptome, Schmerzmittel sowie Arzneien für Muskel- und Gelenkbeschwerden. Danach folgen Hustenmittel, Magen- und verdauungsfördernde Arzneien sowie Abführmittel und Schlafmittel.

Probleme bei jeder fünften Selbstmedikation

Auch wenn die Arzneien rezeptfrei in den Apotheken erhältlich sind: harmlos sind sie nicht. So hat eine frühere bundesweite Untersuchung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) gezeigt, dass bei etwa jeder fünften Selbstmedikation arzneimittelbezogene Probleme auftreten – die meisten bei der Einnahme von Schmerzmitteln.

Schmerzmittel nie länger als drei Tage schlucken

"Schmerzmittel sollten ohne ärztlichen Rat grundsätzlich nicht länger als drei bis vier Tage am Stück und nicht häufiger als zehnmal pro Monat eingenommen werden. Bleiben die Schmerzen bestehen, sollte man einen Arzt aufsuchen", sagt Dr. Ursula Sellerberg, stellvertretende Pressesprecherin der ABDA.

Werde die Anwendungsdauer überschritten, könnten die Schmerzmittelwirkstoffe, darunter Ibuprofen, Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS), Naproxen und Diclofenac, zu starken anhaltenden Kopfschmerzen führen.  

Bleibende Leberschäden durch Paracetamol

Auch das Risiko für weitere riskante Nebenwirkungen ist erhöht. "So ist es beispielsweise bei Paracetamol wichtig, sich streng an die Dosierempfehlung zu halten, da sonst Leberschäden drohen", warnt Sellerberg. Bei Erwachsenen liegt die tägliche Maximaldosis bei vier Gramm, also acht Tabletten á 500 Milligramm.

Bei Kindern hingegen orientiert sich die Einnahmeempfehlung am Körpergewicht. "Besonders bei der Einnahme mehrerer Präparate ist das Maximum schnell überschritten", so Sellerberg. "Bevor man Kindern Schmerzmittel, Erkältungsarzneien und Zäpfchen verabreicht, sollte man sich in der Apotheke ausführlich beraten lassen und die Packungsbeilage gründlich zu lesen."

Ibuprofen nicht zusammen mit ASS einnehmen

Auch die möglichen Wechselwirkungen von Schmerzwirkstoffen sind nicht zu unterschätzen. So sollte etwa Ibuprofen nicht zusammen mit ASS eingenommen werden, da die Blutgerinnung herabgesetzt wird. Diclofenac und Ibuprofen vertragen sich zudem nicht mit Kortisonpräparaten. Diese Kombination erhöht das Risiko für Magenblutungen. Außerdem verschlechtern Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen oder Acetylsalicylsäure (ASS) die Verträglichkeit anderer antirheumatischer Wirkstoffe, zum Beispiel die von Methotrexat. 

Schmerzsalben oftmals eine gute Alternative zu Tabletten

Übrigens helfen bei Schmerzen nicht nur Tabletten. Oft können leichte bis mittelstarke Schmerzen mit rezeptfreien Cremes oder Gelen gut behandelt werden, die die gleichen schmerzstillenden Wirkstoffe enthalten wie Tabletten. Eine äußerliche Anwendung ist vor allem dann empfehlenswert, wenn die Gelenke schmerzen oder stumpfe Verletzungen wie Prellungen schuld an den Beschwerden sind. Die Salben sollten allerdings nie auf die verletzte Haut aufgetragen werden.

Schmerzmittel brauchen viel Flüssigkeit

Für die Einnahme von Schmerztabletten ist zudem wichtig, dass sie nicht auf leeren Magen geschluckt werden, da es zu Magenreizungen kommen kann. Zudem sollte man viel Flüssigkeit trinken. "Nur wenn die Tablette sich gut auflösen kann, kann sie schnell wirken", sagt Sellerberg.

Nasensprays und -tropfen maximal sieben Tage anwenden

Auch bei anderen OTC-Präparaten sollte man aufpassen. So auch bei Nasentropfen- und Sprays. Die Annahme, dass die abschwellenden Sprays für Kinder harmloser sind, weil sie einen geringeren Wirkstoffanteil haben, ist ein Irrtum. "Sobald eine abschwellende Wirkung eintritt, ist mit Nebenwirkungen zu rechnen. Gefäßzusammenziehende Nasentropfen sollten auch bei einer 'Kinderdosierung' nicht länger als sieben Tage angewendet werden", rät Sellerberg. Sonst gewöhnen sich die Nasenschleimhäute an den Wirkstoff. Bleibt dieser aus, schwellen sie zu. Das Phänomen ist auch unter dem Begriff "Nasentropfen-Sucht" bekannt.

Viele Hustenstiller beeinträchtigen das Reaktionsvermögen

Bei Halsschmerzen gibt es eine große Auswahl an Lutschtabletten in den Apotheken. Viele Experten sind vor allem bei desinfizierenden Wirkstoffen skeptisch, da sie auch auf die wichtige Bakterienflora im Mundraum einwirken. Wichtig ist, die Empfehlungen zu Dosierung und Häufigkeit der Einnahme zu beachten.

Auch bei Hustensäften sollte man in Packungsbeilage schauen. Denn viele enthalten Wirkstoffe, die müde machen und die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen, darunter etwa Codein. Hustenstiller sollten deshalb nur abends genommen werden, wenn der Husten das Einschlafen verhindert. Sind die Beschwerden nicht so schlimm, verzichtet man besser auf Hustenstiller. Denn der Husten ist zwar nervig, hat aber die Aufgabe, den produzierten Schleim nach außen zu befördern.

Grippaler Infekt: Monopräparate sind die bessere Wahl

Bei der Einnahme von Kombinationspräparate im Kampf gegen Erkältungssymptome ist ebenfalls Vorsicht geboten. Der Grund: Der Mix aus verschiedenen Wirkstoffen erhöht das Risiko für Nebenwirkungen. Vor allem dann, wenn noch weitere Arzneimittel eingenommen werden. Das kann unter anderem für die Nieren, die Leber und die Magenschleimhaut gefährlich werden.

So riet kürzlich auch "Öko-Test", bei Erkältungsbeschwerden zu Monopräparaten zu greifen. So behält man einen besseren Überblick über die eingenommenen Wirkstoffe. Viel hilft zudem nicht viel: Die Heilung beschleunigen können die Präparate alle nicht, lediglich die Symptome lindern. Hinzu kommt: "Viele Grippemittel vertragen sich nicht mit Blutdrucksenkern und es kann zu deutlichen Blutdruckanstiegen kommen. Müdigkeit und Herzrhythmusstörungen sind mögliche Folgen", sagt Sellerberg. "Auch hier bespricht man die Einnahme am besten mit einem Arzt oder Apotheker."

Abführmittel mit Bedacht anwenden

Verstopfung führt ebenfalls viele Patienten in die Apotheke. Wie lange man Abführmittel einnehmen darf, hängt vom Präparat ab, denn nicht alle sind für die Dauereinnahme geeignet. Hinzu kommt, dass Abführmittel die Wirkung anderer eingenommener Medikamente beeinflussen können, wenn die Wirkstoffe aufgrund der Abführmittel zu früh wieder aus dem Darm geschleust werden. Wer immer wieder unter Verstopfung leidet, sucht am besten einen Arzt auf.

Schlafmittel beeinträchtigen die Reaktionsfähigkeit

Auch bei Schlafstörungen hoffen viele auf rezeptfreie und vermeintlich harmlose Schlafmittel. Doch die stark beruhigende Wirkung, die oftmals mit Schwindel und Benommenheit einhergeht, ist nicht ungefährlich. Selbst zehn Stunden nach der Einnahme kann die Reaktionsfähigkeit noch beeinträchtigt sein. Das ist vor allem dann riskant, wenn man am Straßenverkehr teilnimmt, Maschinen bedient oder handwerklich tätig ist. Bei älteren Menschen ist zudem die Sturzgefahr erhöht. Bekannte Wirkstoffe sind Diphenhydramin und Doxylaminsuccinat. Wer eine pflanzliche Alternative sucht, kann zu Baldrian und Hopfen greifen.

Bei anhaltenden Beschwerden immer zum Arzt

Zusammengefasst lässt sich sagen: Zwar können rezeptfreie Medikamente in vielen Fällen Linderung verschaffen und dem Patienten den Weg zum Arzt sowie lange Wartezeiten erst einmal ersparen. Tritt allerdings keine Besserung ein oder verschlimmern sich die Symptome gar, sollte man auf jeden Fall eine Praxis aufsuchen.

Wichtig ist zudem, auch bei rezeptfreien Medikamenten immer die Packungsbeilage zu lesen und sich an die Herstellerempfehlungen zu halten. Wer bereits andere Medikamente einnimmt, sollte die Einnahme von OTC-Präparaten mit seinem Arzt oder Apotheker besprechen, um Wechselwirkungen vorzubeugen.

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