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Homöopathie und seine Wirkung: mehr als ein Placebo-Effekt?

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Wirkung wissenschaftlich belegbar?  

Homöopathie: Tod eines Siebenjährigen heizt Debatte an

31.05.2017, 11:51 Uhr | dpa, t-online.de

Homöopathie und seine Wirkung: mehr als ein Placebo-Effekt?. Globuli. (Quelle: imago/westend61)

Globuli. (Quelle: westend61/imago)

Der Tod eines Siebenjährigen, dessen Eltern den Einsatz lebensrettender Antibiotika verweigert haben sollen, erschüttert Italien. Der Junge aus Cagli war an einer beidseitigen Mittelohrentzündung erkrankt und lediglich mit homöopathischen Mitteln behandelt worden. Seit längerem wird hitzig darüber debattiert, ob homöopathische Maßnahmen wirken.

Homöopathie: Ist die alternative Heilmethode nur eine Scheinmedizin mit Placeboeffekt, wie viele Kritiker behaupten? Es gibt Studien, die das Gegenteil belegen. Wir stellen Ihnen diese vor.

Schulmediziner gegen Homöopathen: Die Fronten sind verhärtet

Wie einst Hildegard von Bingen kämpfen bis heute ihre Nachfahren im Geiste um die rückhaltlose Anerkennung ihres – ebenfalls ganzheitlichen – Therapieansatzes. Gerade in jüngster Vergangenheit hat sich eine hitzige, über namhafte Medien ausgefochtene Debatte zwischen Gegnern und Anhängern der Homöopathie entfesselt. Hier treffen Vertreter der reinen Lehre – also aus der Schulmedizin – auf Ärzte mit homöopathischer Zusatzausbildung, die sich im Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) organisiert haben.

Im Kern geht es um die Frage, ob und in welchem Umfang die Wirkung homöopathischer Maßnahmen wissenschaftlich überhaupt belegbar ist. Während strikte Schulmediziner die Wirksamkeit der oft nur in geringen Potenzen nachweisbaren Wirkstoffe aus wissenschaftlicher Sicht bezweifeln oder rundweg abstreiten, belegen auf der anderen Seite zahlreiche Studien der jüngsten Zeit das Gegenteil. Sie zeigen eindeutig und wissenschaftlich fundiert die Wirksamkeit homöopathischer Therapien – auch jenseits des "Placebo-Effektes", demzufolge allein der Glaube an die Wirksamkeit bestimmter Arzneien die Heilung begünstigt.

Homöopathie ist weiter im Aufwind

Fest steht bei der aktuellen Debatte vor allem eines: Die Homöopathie boomt. Trotz aller Unkenrufe ihrer Gegner genießt die einst vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann (1755-1843) entwickelte Heilmethode weltweit eine hohe Akzeptanz – Tendenz weiter steigend. Sie wird derzeit in über 80 Ländern praktiziert. Laut einer im Jahr 2014 veröffentlichten Studie des Allensbach-Instituts hat mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung bereits homöopathische Arzneimittel verwendet und rechnet in Zukunft mit einer steigenden Bedeutung dieser so genannten Homöopathika.

In Deutschland finanzieren nach derzeitigem Stand bereits zwei Drittel aller gesetzlichen Krankenkassen homöopathische Behandlungen, in der Schweiz gilt die Heilmethode seit Kurzem als gleichwertige Alternative  zur Schulmedizin. Anders gesagt: Einflussreiche Anhänger und Befürworter dieser Methode lassen sich von negativer Berichterstattung nicht beeindrucken.

Homöopathie setzt auf Reiz-Reaktions-Prinzip

Das heißt konkret: Ein Fieberkranker erhält kein fiebersenkendes Medikament, wie es ein Schulmediziner verschreiben würde, sondern ein genau dosiertes homöopathisches Mittel pflanzlichen Ursprungs, das bei jedem Gesunden Fieber hervorrufen würde. Beim Kranken allerdings wirkt es im Sinne des Reiz-Reaktions-Prinzips: Das Medikament kann die vorliegenden Symptome kurzzeitig verstärken und "heizt" so die natürlichen Selbstheilungskräfte des Menschen an.

Der Organismus wird auf diese Weise in die Lage versetzt, sich selbst zu heilen. Er treibt also, wie es der Volksmund sagt "den Teufel mit dem Beelzebub aus." "Voraussetzung ist allerdings, dass der Organismus dazu noch in der Lage ist. Das müssen verantwortungsvolle Homöopathen im Vorfeld medizinisch abklären", sagt Dr. Cornelia Bajic, erste Vorsitzende des DZVhÄ gegenüber t-online.de.

Kritiker sprechen Hochpotenzen Wirkung ab

Gerade diese hohe Potenzierung ist für Kritiker ein Beweis, es mit einer Scheinmedizin zu tun zu haben. Sie sprechen den Arzneien jegliche Wirkung ab – schließlich sei in Hochpotenzen nichts enthalten, was aus pharmakologischer Sicht eine heilende Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus erzeugen würde.

So kommt eine Studie im Auftrag der australischen Gesundheitsbehörde NHMRC aus dem Jahr 2015 zu dem Ergebnis, dass es keinen sicheren Beweis gebe, dass Homöopathie effektiv wirke. Weiter heißt es in der Schlussfolgerung der Studie, dass Homöopathie bei chronischen oder schwerwiegenden Erkrankungen oder solchen, die schwerwiegend werden könnten, nicht angewendet werden sollte.

Sie sprechen sogar die Warnung aus: Wer Homöopathie nutze, gefährde seine Gesundheit, falls schulmedizinische Behandlungen abgelehnt würden. Ihre Empfehlung lautet: Wer sich dazu entscheidet, auf Homöopathie zu setzen, sollte sich vorab unbedingt den Rat eines ausgebildeten Heilpraktikers einholen.

Dem stehen wiederum Untersuchungen entgegen, die das Gegenteil belegen. Sowohl kontrollierte randomisierte Studien (RCTs) als auch Studien aus der Versorgungsforschung zeigen, dass die Homöopathie über einen reinen Placebo-Effekt hinaus wirkt: "Es liegen heute mehr als 200 randomisierte klinische Studien zur Homöopathie vor, von denen mehr als die Hälfte ein statistisch signifikantes und positives Ergebnis zugunsten der Homöopathie aufweist", urteilt Dr. Michael Teut von der Charité Hochschulambulanz für Naturheilkunde in Berlin.

Der Facharzt für Allgemeinmedizin und Homöopathie ist auch einer der Autoren des neuen Forschungsreaders "Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie", der von WissHom im Mai 2016 herausgegeben wurde. Die Analyse erstreckt sich von der Versorgungsforschung über randomisierte kontrollierte klinische Studien und Meta-Analysen bis hin zur Grundlagenforschung. "Darin führen wir den Beweis, dass die von Kritikern oft angeführte These, es gebe keine Studien, die die Wirksamkeit der Homöopathie über Placebo belegten, eine falsche Tatsachenbehauptung ist", erklärt Dr. Cornelia Bajic.

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