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Geburt: Zu viele unnötige Kaiserschnitte in Deutschland

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GESUNDHEIT | GEBURT | KAISERSCHNITT  

Zu viele unnötige Kaiserschnitte in Deutschland

19.02.2008, 11:57 Uhr | dpa, dpa

Kaiserschnitte werden in Deutschland laut WHO doppelt so häufig durchgeführt als unbedingt notwendig. (Foto: Archiv)Kaiserschnitte werden in Deutschland laut WHO doppelt so häufig durchgeführt als unbedingt notwendig. (Foto: Archiv)Kaiserschnitte sind in Deutschland doppelt so häufig wie von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen. Inzwischen werde bei fast 30 Prozent aller deutschen Geburten per Kaiserschnitt entbunden, die WHO halte jedoch nur 10 bis 15 Prozent für nötig. Ein Grund sei die Angst vieler Frauen vor der Geburt. Nicht wenige Kliniken hätten aber auch wirtschaftliche Interessen an den lukrativen Kaiserschnitten, kritisierte der Chefarzt der Berliner DRK-Kliniken Westend Heribert Kentenich im Vorfeld der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Berlin.

Kaiserschnitt Was Eltern wissen sollten

Zwei Prozent medizinisch notwendig

Kentenich schätzt, dass nur zwei Prozent aller Geburten in Deutschland von vorneherein einen Kaiserschnitt erfordern. "Ein harter medizinischer Grund ist zum Beispiel, wenn der Mutterkuchen vor dem Muttermund liegt", sagte der Experte. Bei weiteren zehn Prozent sei ein Kaiserschnitt während der Geburt nötig, weil dem Baby zum Beispiel Sauerstoffmangel drohe. Ängste vor der Geburt zählten hingegen zu den weichen Faktoren für einen Kaiserschnitt, ähnlich wie ein zu großes oder zu kleines Baby.

Lukratives Geschäft für Kliniken

In vielen Kliniken gibt es nach Kentenichs Meinung ein wirtschaftliches Interesse an den Operationen. "Eine spontane Geburt bringt einem Krankenhaus bei Kassenpatienten rund 1600 Euro ein, ein Kaiserschnitt hingegen 2800 Euro." Bei Privatpatientinnen sei die Spanne noch deutlich größer. Gründe für einen Kaiserschnitt ließen sich auf dem Papier auch bei weichen Indikatoren gut finden. "Da wird nicht gelogen, aber ein Verschleiern ist möglich", so Kentenich weiter. Frauen reize am Kaiserschnitt eine planbare Geburt, die manchmal von so manchem Promi abgeschaut werde. Auch Ärzten sei mitunter eine Operation morgens um 11.00 Uhr lieber als ein Geburtseinsatz mitten in der Nacht.

Natürliche Geburt besser fürs Baby

Dennoch bleibe vor allem für Frauen, die noch mehr Kinder wollten, eine natürliche Geburt aus medizinischer Sicht sinnvoller. "Nach einem Kaiserschnitt wird eine Frau nicht mehr so gut schwanger. Da ist dann eine Narbe in der Gebärmutter", erläuterte Kentenich. Allerdings deuten Studien darauf hin, dass es nach einem Kaiserschnitt keine erhöhte Rate von Komplikationen bei weiteren Geburten gibt. Laut Kettenich ist für Kinder eine natürliche Geburt ebenfalls besser, da sie nach dieser Anstrengung wesentlich fitter seien als nach einem Kaiserschnitt. So hätten etwa rund zehn Prozent der Kaiserschnitt-Babys vorübergehend Lungenprobleme.

Gute Beratung wichtig

Mehr Zeit für Gespräche vor der Geburt ist wichtig, jede Frau Angst vor einer Geburt habe, so Kentenich. Für diesen psychologischen Aspekt müsse man sich Zeit nehmen, auch wenn das Arzt und Frau Mühe koste. "Ängste lassen sich nicht mit dem Messer lösen", sagte der Geburtsmediziner. "Es ärgert mich, dass es im Krankenhaus häufig zu wenig ausführliche Gespräche vor einer Geburt gibt."

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