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Übergewicht: Wenn sich der OP-Tisch unter dem Patienten biegt

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GESUNDHEIT | ÜBERGEWICHT  

Wenn sich der OP-Tisch unter dem Patienten biegt

26.02.2010, 11:29 Uhr | bri/dpa

Mehr als die Hälfte der Deutschen hat Übergewicht. (Foto: imago)Mehr als die Hälfte der Deutschen hat Übergewicht. (Foto: imago)Patienten, unter denen sich die OP-Tische biegen, sind für Oliver Mann fast Alltag. Doch diese Patientin war selbst für den auf Fettleibigkeit spezialisierten Chirurgen am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf Rekord: 350 Kilogramm brachte die Frau auf die Waage. "Vor einigen Jahren war das noch die absolute Ausnahme. Dieses Jahr hatten wir aber schon fünf, sechs Patienten über 200 Kilo." Und Hamburg ist kein Einzelfall. "Das ist ein Trend, der den Krankenhäusern zunehmend Sorge macht", sagt Daniel Wosnitzka von der Deutschen Krankenhausgesellschaft in Berlin.

Dicke Deutsche Ergebnisse der Verzehrstudie

Patienten so schwer wie ein Klavier

Ein Blick in die Statistiken zeigt, vor welch schwerwiegenden Problemen das Gesundheitssystem steht. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts hat jeder zweite Erwachsene in Deutschland Übergewicht, davon gilt ein Fünftel als fettleibig. Vor allem Menschen in den neuen Bundesländern haben zu viel Speck auf den Rippen - was die Sanitäter vom Deutschen Roten Kreuz in Sachsen-Anhalt mit voller Wucht zu spüren bekommen. "Das muss man sich wie bei einem Umzug vorstellen, manche Patienten wiegen ja so viel wie ein Klavier", sagt der Sprecher des DRK-Landesverbandes in Halle, Dirk Rohra.

Erste Hilfe ist bei Dicken schwierig

Regelmäßig müssen die Rettungsteams die Feuerwehr als Verstärkung rufen, die in besonders schweren Fällen auch mal Drehleiter oder Kran einsetzt. "Das Hauptproblem ist aber die Zeit", betont Rohra. Der Transport der Schwergewichtigen dauere viel länger, was in Notfällen kritisch werden könne. Die Erste Hilfe ist bei fettleibigen Kranken nicht einfach: Oft scheitern die Helfer schon beim Messen des Blutdrucks, weil die Manschette des Geräts nicht um die breiten Arme passt. Oder sie können Infusionen nicht setzen, weil die Venen unauffindbar sind.

Ärzte leisten Schwerstarbeit bei OP

Die Spezialisten im Krankenhaus behelfen sich daher mit feinen Schnitten ins Fleisch. Während zwei Assistenten die Fettmassen zur Seite drücken, sticht ein Arzt die Nadel in die freigelegte Vene. Für Oliver Mann sind die Operationen an den XXL-Patienten Schwerstarbeit - nicht nur körperlich. "Ich bin viel angespannter, weil ich immer daran denken muss, was theoretisch passieren könnte." Bei Eingriffen im Bauchraum versperrt ihm eine dicke Speckschicht die Sicht auf Organe und Hauptschlagadern. Um diese nicht versehentlich zu verletzen, muss er äußerst vorsichtig vorgehen.

Ultraschall dringt kaum durch Fettgewebe

Bildgebende Verfahren sind den Ärzten dabei keine Hilfe. Ab einem gewissen Umfang passen die Patienten nicht mehr in die Röhren von Computer- oder Kernspintomographen, herkömmlicher Ultraschall dringt nicht tief genug in das Gewebe. Siemens Medical Solutions in Erlangen entwickelt deshalb breitere Röhren und Ultraschallgeräte mit einer tieferen Reichweite. Die Nachfrage nach der Spezialausrüstung ist dem Unternehmen zufolge steigend, vor allem in den USA.

Neue OP-Tische auf 350 Kilo ausgelegt

Dass sich mit der übergewichtigen Bevölkerung Geschäft machen lässt, haben Unternehmen wie Sizewise Rentals im westfälischen Senden längt erkannt. Nach amerikanischem Vorbild vermietet die Firma extra breite und stabile Betten, Gehhilfen, Rollstühle und Liftsysteme an Krankenhäuser. Um 40 Prozent sei der Umsatz im vergangenen Jahr gestiegen, berichtet Geschäftsführer Uwe Gabler. Für Manns Rekord-Patientin musste die Hamburger Uniklinik noch ein Bett mieten. Künftig wird das nicht mehr nötig sein: Ende dieses Jahres will das Krankenhaus in einen Neubau umziehen, in dem Betten und OP-Tische auf Übergröße ausgelegt sind. Bis zu 350 Kilogramm werden die Tische nach Angaben von Mann verkraften - einer davon sogar 500 Kilogramm.

Jeder fünfte ist fettleibig

Nach Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gilt als übergewichtig, wer einen sogenannten Body-Mass-Index (BMI) von 25 bis 30 hat. Dieser Kennwert wird aus dem Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße errechnet. Bei erhöhten Werten steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Zuckerkrankheit (Diabetes). Darüber hinaus kommt jeder fünfte Bundesbürger auf einen BMI von mehr als 30, was als fettleibig (adipös) gilt.

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