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Arzneimittelhandel: Gefälschte Medikamente auf dem Vormarsch

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GESUNDHEIT | MEDIZIN  

Immer mehr gefälschte Medikamente erhältlich

29.04.2008, 11:44 Uhr | ug, dpa

Gesundheit: Gefährliche Nebenwirkungen: Immer mehr Medikamente sind gefälscht und gepanscht. (Foto: Archiv)Gefährliche Nebenwirkungen: Immer mehr Medikamente werden gefälscht. (Foto: Archiv)Herzprobleme, Infektionen oder tödliche Nebenwirkungen: Das sind die Risiken gefälschter Medikamente, die zunehmend auch in Deutschland auftauchen. Der Zoll beschlagnahmte 2007 Arzneien im Wert von 8,3 Millionen Euro, nach 2,5 Millionen Euro im Vorjahr. Die Gefahren von Herz-Kreislauf-Problemen, verschleppten Infektionen und zahlreiche andere Risiken wachsen, auch wenn anders als etwa in den USA hier wohl noch keine Toten zu beklagen sind. Gepanscht wird längst nicht mehr nur auf eigene Faust im Hobbykeller, denn organisierte Kriminelle haben falsche Medikamente als lukrative Finanzquelle entdeckt. "Es geht um Leib und Leben und Gesundheit", warnt Frank Lippert vom Bundeskriminalamt (BKA). Präparate aus dem Internet bergen ein besonders hohes Risiko. Darauf sollten Verbraucher beim Medikamentenkauf achten:

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Schwere Nebenwirkungen

Mitunter erhalten die Opfer verschmutzte oder falsch dosierte Mittel im Glauben, eine korrekte Therapie gegen ihre Krankheiten zu bekommen. So führte verunreinigter Gerinnungshemmer aus China in mindestens 31 Fällen in Deutschland zu teils schweren Nebenwirkungen; in den USA wurden 81 Todesfälle gemeldet. Staatsanwälte ermitteln auch gegen Apotheker, die minderwertige Krebsmittel aus Asien, Lateinamerika oder Osteuropa billig eingekauft und zum Normalpreis an Praxen und Kliniken verkauft haben sollen.

Leichtsinn bei Bestellung im Internet

Viele Betroffene nehmen die Gefahren auch in Kauf, wie der zuständige Experte im Gesundheitsministerium, Arnold Schreiber, bei einer Veranstaltung des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller kopfschüttelnd erläuterte. So würden Muskelaufbaupräparate in Fitnessstudios oder Dopingmittel oft unter der Hand verkauft. Viele holten sich gefälschte Potenz- oder Schlankheitsmittel via Internet ins Haus - und sparten sich vermeintlich peinliche Gespräche mit dem Arzt. Und wie ein Katz-und-Maus-Spiel gestaltete sich der Versuch, sämtliche Bezugsquellen eines angeblich traditionellen chinesischen Mittels im Netz trockenzulegen. Nutzer machten sich in Blogs und Foren immer wieder gegenseitig aufmerksam, wie man das Mittel noch kriegt - in Wahrheit eine hochriskante Chemikalie.

Einzelfälle in Apotheken und Krankenhäusern

Patienten können Fälschungen nicht am Produkt selbst nicht erkennen, sagt Markus Wittstock, Mitarbeiter für Arzneisicherheit beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Vielmehr kommt es darauf an, wo man die Produkte kauft: "Wer in der Apotheke oder im Krankenhaus Präparate erhält, kann sehr sicher sein, dass er nicht mit gefälschten Medikamenten in Berührung kommt", sagt der Experte. Denn hier gelangen die Mittel über die normale Vertriebskette des pharmazeutischen Handels in die Medikamentenschränke oder Regale. Dennoch habe es auch hier einzelne Fälle von Fälschungen gegeben, so Wittstock.

Illegale Online-Seiten

Der Anteil der Arzneifälschungen in Apotheken und legalem Internethandel liegt laut BKA und Regierung nur bei rund einem Prozent. Das Problem sind die immer neuen illegalen Online-Seiten. Offizielle Zahlen zu Fälschungen und so entstandenen Schäden in Deutschland gibt es nicht - die Experten warnen vor Panikmache, sprechen aber von zunehmenden Gefahren und einem "Dunkelfeld".

Aufgeklebte Etiketten sind legal

Daher sollten Patienten beim Bestellen von Präparaten im Internet besonders aufmerksam sein: "Werden verschreibungspflichtige Medikamente ohne Rezept angeboten, ist das ein Hinweis darauf, dass nicht nur die Online-Seite, sondern auch das Produkt selbst illegal ist", sagt Markus Wittstock. Auch von Anbietern, die ein Rezept ausstellen, obwohl der Patient nie beim Arzt war, sollte man die Finger lassen. Das gilt jedoch nicht bei Präparaten, deren Verpackung umetikettiert wurde: "Hierbei handelt es sich um legale Re-Importe", erklärt der Experte. Die Hersteller kaufen die Arzneimittel zwar im Ausland, sie besitzen jedoch eine ganz normale Zulassung. "Damit die Produkte hier in Deutschland verkaufen dürfen, müssen die Hersteller jedoch auf der Verpackung ihren eigen Namen sowie wichtige Informationen auf Deutsch anbringen", erklärt Wittstock.

Weltweiter Handel schwer zu stoppen

Zuständig für die Arzneimittelüberwachung sind in Deutschland zunächst die Pharmakonzerne selbst. "Neben den firmeneigenen Tests gibt es in den auf Länderebene Überwachungslabors", sagt Dr. Axel Thiele vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Die Fälscher treiben ihre Machenschaften aber oft weltweit. Mehr Gewinn als mit Rauschgift könne man teils mit Anabolika machen, sagt Lippert. "Das zielt organisierte Strukturen an." Selbst Terroraktivitäten sollen so schon finanziert werden.

Malaria-Mittel ohne Wirkung

Mit einem Fälschungsanteil von einem Viertel bis zur Hälfte sind die meisten Leidtragenden in Entwicklungsländern zu finden. So waren 50 Prozent der bei einer internationalen Fahndung in Südostasien gefundenen Malaria-Mittel Fälschungen mit zu geringer Dosis. Nicht nur die Krankheit wurde unzureichend bekämpft, auch resistente Erreger konnten sich bilden.

Auszeichnung für legale Arzneimittel

Mit mehreren Vorstößen versuchen nun Länder, Regierung und Arzneimittelhersteller den Kampf gegen die globalen Panscher zu forcieren: Nicht mehr nur die Fälschung fertiger Mittel, sondern die von Wirkstoffen soll bestraft werden. Inspektionen in Drittländern sollen verstärkt werden. Das Internet soll in einer neuen Zentralstelle der Länder in Bonn ständig durchforstet werden. Ein verbesserter Strichcode auf Verpackungen soll legale Mittel auszeichnen. Doch Schreiber dämpft die Erwartungen: "Wir können die besten Gesetze machen, so lange die Leute nicht überzeugt sind, ihre Finger davon zu lassen, kann man dem nicht beikommen."

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