Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Medikamente im Test: Fälschungen täuschend echt

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Gefälschte Medikamente  

Medikamente im Test: Fälschungen täuschend echt

02.05.2008, 11:33 Uhr | ug, dpa

Gesundheit: Falsche Pille? Etwa jedes zehnte Arzneimittel weltweit ist gefälscht. (Foto: dpa)Falsche Pille? Etwa jedes zehnte Arzneimittel weltweit ist gefälscht. (Foto: dpa)Echtes Potenzwunder oder falsche Pille? Mit bloßem Auge sind die beiden blauen Pillen nicht zu unterscheiden. Doch zwei Kurven auf einem Computer-Bildschirm beweisen den Verdacht: Die eine Tablette enthält die vorgeschriebene Menge des Viagra-Wirkstoffs Sildenafil, in der anderen steckt kein bisschen davon. Das Zentrallaboratorium (ZL) Deutscher Apotheker entlarvt mit ausgeklügelten Analyseverfahren gefälschte Medikamente aus dem Internet - teils lebensgefährliche Produkte. Und immer mehr Fälschungen kommen auf den Markt. Das BKA schätzt, dass weltweit etwa jedes zehnte Arzneimittel gefälscht wird. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr 2.400 Fälle aufgedeckt.

Medikamente aus dem Web So schützen Sie sich vor Fälschungen
Alles Ammenmärchen, oder? Die häufigsten Gesundheitsmythen
Zehn Tipps zur Krebsvorbeugung
Online-Test Wie gesund leben Sie?

Miserable Potenzpillen und Schlankheitsmittel

"Am häufigsten gefälscht werden Lifestyle-Produkte wie Potenzpillen, Schlankheitstabletten oder Haarwuchsmittel", sagt Mona Tawab, Assistentin der wissenschaftlichen Leitung. Die 35 Mitarbeiter des ZL bestellen stichprobenartig Produkte über das Internet aus dem Ausland, um deren Qualität zu überprüfen - und die ist fast immer miserabel. Die harmloseste Version einer Fälschung ist eine falsche Verpackung: Die Schachtel ist neu, aber bei den Pillen ist in Wahrheit das Verfallsdatum abgelaufen. Oder der Beipackzettel ist in einer Fremdsprache verfasst und sichtlich nur kopiert. Oder die Tabletten werden lose in einem Plastiktütchen an die Kunden verschickt.

Überdosiert oder ohne Wirkung

Aber auch bei gefälschten Pillen gibt es Unterschiede: Mal finden die Laboranten Substanzen, die nicht hineingehören, mal ist weniger Wirkstoff enthalten als vorgeschrieben - dann wiederum ist gar keiner zu finden. Wer glaubt, das sei der harmloseste Fall, irrt gewaltig, warnt Tawab: "Wer eine Potenzpille nimmt und keine Wirkung spürt, nimmt beim nächsten Mal zwei. Wenn er dann mal zufällig richtig dosierte Pillen bekommt, nimmt er auch zu viel - und das ist nicht so ungefährlich." Eine Überdosis Sildenafil könne zum Beispiel einen Blutdruckabfall auslösen - in Kombination mit einem Herzmedikament könne das durchaus tödlich sein.

Keine Medikamente per Internet aus dem Ausland kaufen

Auch wenn die Fälschung bewiesen ist: In der Regel kommt keiner an die Fälscher heran. Die Anbieter sind nach international tätig und nutzen konspirative Handelsstrukturen, so das BKA. Daher stehen die Tests in Eschborn eher im Dienste des Verbraucherschutzes. Der Rat der Experten: Auf keinen Fall Medikamente via Internet im Ausland kaufen. Wirklich sicher sei nur die niedergelassene Apotheke: "Wir stellen immer wieder fest, dass alle Präparate auf dem legalen Markt sicher sind." Denn auch die Pillen, Salben, Sprays, Zäpfchen oder Tropfen, die dort erhältlich sind, werden in Eschborn regelmäßig auf ihre Güte kontrolliert.

1.500 Produkte pro Jahr im Test

Das ZL ist eine pharmaunabhängige Prüfstelle der Apotheker und veranlasst regelmäßig Reihenuntersuchungen vergleichbarer Produkte. "Wir kaufen zum Beispiel alle Paracetamol-Präparate - das Original sowie alle Nachahmerprodukte und Reimporte - und überprüfen ihre Qualität. Apotheker schicken jährlich rund 1.500 Produkte an das Zentrallabor, die von Kunden reklamiert wurden, zum Beispiel, weil die Farbe anders war als üblich oder die Tabletten beim Herausdrücken aus dem Blister zerbröselt sind. In gravierenden Fällen muss dann auch mal eine Charge zurückgerufen werden - 2007 zum Beispiel ein Schmerzmittel, das zu stark Feuchtigkeit gezogen hatte.

Gefälschte Viagra: Die Chemie stimmt nicht

Um Fälschungen nachzuweisen, landen in Eschborn regelmäßig Pillen im Mörser. Laborantin Elke Schmitt zerstampft gerade den jüngsten Testkauf zu Pulver, Viagra aus einer Apotheke in Ägypten. Danach gibt sie eine durchsichtige Flüssigkeit als Lösungsmittel dazu, stellt das Röhrchen erst in eine Zentrifuge und dann in ein Gerät namens Chromatograph. Darin gibt es eine kleine Metallsäule, an der sich die chemischen Substanzen an unterschiedlichen Stellen "anlagern", wie sie erklärt. Am Ende steht ein Chromatogramm: Kurven auf einem Computerbildschirm, an deren Berg- und Tal-Profil die Fachleute die Freisetzung des Wirkstoffs ablesen können. Das echte Viagra ist ein spitzer Berg in einer Wüste, der stümperhafte Nachbau aus Ägypten ein gleichmäßig stürmisches Meer.

Mehr zum Thema Gesundheit:
Potenz auf Rezept Viagra wird 10
Tot statt dünn Gefährliche Schlankheitspillen
Schmerzmittel-Verbot Paracetamol nur noch auf Rezept
Gefährliche Schmerzmittel Bei zu viel Paracetamol versagt die Leber
Verkanntes Vitamin Folsäure hält Spermien gesund

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Shopping
Klingelbonprix.detchibo.deCECILStreet OneLIDLBabistadouglas.deBAUR
Meistgesuchte Themen A bis Z

shopping-portal
Das Unternehmen
  • Ströer Digital Publishing GmbH
  • Unternehmen
  • Jobs & Karriere
  • Presse
Weiteres
Netzwerk & Partner
  • Stayfriends
  • Erotik
  • Routenplaner
  • Horoskope
  • billiger.de
  • t-online.de Browser
  • Das Örtliche
  • DasTelefonbuch
  • Erotic Lounge
Telekom Tarife
  • DSL
  • Telefonieren
  • Entertain
  • Mobilfunk-Tarife
  • Datentarife
  • Prepaid-Tarife
  • Magenta EINS
Telekom Produkte
  • Kundencenter
  • Magenta SmartHome
  • Telekom Sport
  • Freemail
  • Telekom Mail
  • Sicherheitspaket
  • Vertragsverlängerung Festnetz
  • Vertragsverlängerung Mobilfunk
  • Hilfe
© Ströer Digital Publishing GmbH 2017