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Übergewicht: Bundesregierung startet Aktionsplan zum Abnehmen

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GESUNDHEIT | ABNEHMEN  

Was taugt der nationale Abspeckplan?

25.06.2008, 09:23 Uhr | dpa/ ug, dpa

Gesundheit: Abnehmen - leicht gemacht? Bundesregierung startet nationalen Aktionsplan. (Foto: imago) Abnehmen - leicht gemacht? Bundesregierung startet nationalen Aktionsplan. (Foto: imago)Mehr als jeder zweite Deutsche ist zu dick, jeder fünfte sogar fettleibig. Zeit zum Abnehmen: Mit einem heute verabschiedeten nationalen Aktionsplan will die Bundesregierung das Problem der zunehmenden Fettleibigkeit jetzt in den Griff bekommen. Das Ziel: Übergewicht und ernährungsbedingte Erkrankungen bis zum Jahr 2020 sichtbar zu reduzieren. Die Deutschen sollen demnach besser essen, sich mehr bewegen und so ihre Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität erhöhen. Das Problem: Die Bundesregierung setzt dabei vor allem auf freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft. Und bleibt vor allem zu unkonkret, wie Verbraucherschützer und Ernährungsexperten kritisieren. Ein Beispiel: Herstellern bleibt eine Ampelkennzeichnung auf Produkten erspart - und die Verbraucher tappen weiter in die Zucker-Falle, wie folgende Beispiele zeigen:

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Gleiches Essen für alle

Der Aktionsplan sieht vor, in Schulen, Kitas und Betrieben alltagstauglich über einen gesunden Lebensstil aufzuklären und die Qualität von Außer-Haus-Verpflegung zu steigern, zum Beispiel durch einheitliche Qualitätsstandards für das Essen in Kantinen. Auch soll die Süßwarenindustrie nicht mehr Werbung direkt an Kinder richten. An die Modebranche wird appelliert, auf zu dünne Models zu verzichten. Auch die Computerspielindustrie soll in Gesprächen überzeugt werden, verstärkt bewegungsfördernde Computerspiele zu entwickeln.

Obst und mehr Bewegung

Noch in diesem Jahr sollen laut Aktionsplan zudem ein Pilotprojekt für ein "Schulobstprogramm" starten sowie Kompetenzzentren für Bewegungsförderung modellhaft erprobt werden. Für 2009 ist ein Kongress zum Thema Essstörungen geplant. Zu den Zielen von "In Form" zählt auch, Wohnquartiere für Jung und Alt bewegungsfreundlicher zu gestalten. Ernährung und Bewegung sollen Thema in Kindertagesstätten und Schulen, aber auch bei der Aus- und Weiterbildung von Erziehungs-, Pflege-, Gesundheits- und sozialen Berufen werden.

Keine Verbote

"Wir bringen Deutschland in Form", erklärte Bundesernährungsminister Horst Seehofer (CSU) bei der Vorlage des bis 2020 laufenden Aktionsplans. Wenn viele Menschen immer älter würden, sei es besonders wichtig, dass sie möglichst lange gesund und fit blieben. Deshalb sei Ziel, dass Kinder von klein auf gesunde Ernährung und viel Bewegung als selbstverständlich und eine Quelle von Vergnügen und Genuss erlebten. Dabei gehe es "nicht um Reglementierung und Verbote", sondern "um Anreize, Motivation und Strukturen", erklärte Seehofer.

"Bewegung und Essen als Freude begreifen"

Menschen würden am besten dort erreicht, "wo sie leben, arbeiten, lernen und spielen", erklärte hingegen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD). So sollten sie "in ihren Lebenswelten" vermittelt bekommen, "dass Bewegung und Essen Freude bereitet". Nur so könne die "dringend notwendige" Trendwende gelingen, betonte Schmidt.

Durch dick und dünn

In Deutschland sind 66 Prozent der Männer, 51 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen zu dick. Mehr als jeder dritte Erwachsene treibt keinen Sport. Ein Fünftel der Elf- bis 17-Jährigen - vor allem Mädchen - zeigt Symptome von Essstörungen. Bis Ende 2010 will die Bundesregierung bis zu 30 Millionen Euro bereitstellen, um "laufende und geplante Maßnahmen zu bündeln und zu verbessern sowie neue Impulse zu setzen".

Abspecken ohne Ampel

Die Grünen kritisierten "ein Sammelsurium von bürokratischen Aktivitäten ohne konkretes Handeln" und ein ernährungspolitisches "Schneckentempo" der großen Koalition. Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn forderte unter anderem die Ampel-Kennzeichnung von Lebensmitteln. Damit könnten die Verbraucher "sofort sehen, ob hier zu viel Zucker oder Kalorien im Produkt sind". Denn bei der Ampel-Kennzeichnung zeigen die Farben Rot, Gelb oder Grün, wie hoch der Anteil von Fett, Zucker oder Salz ist. Höhn kritisierte: "Davon findet man aber nichts." Ein aktueller Vergleich der Verbraucherorganisation Foodwatch zeigt, wie Hersteller derzeit ihre Produkte "gesünder" machen: "Wellness- und Fitnesslebensmittel entpuppen sich als getarnte Zuckerbomben oder als zu salzig für den täglichen Konsum, wenn ihre Nährwerte nach dem Vorbild der britischen "Ampel" gekennzeichnet werden", so die Verbraucherschützer. Bundesverbraucherminister Horst Seehofer (CSU) plant jedoch Prozentangaben der Nährwertgehalte auf den Verpackungen. Eine farbliche Unterlegung hält er nur auf europäischer Ebene für machbar.

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Ernährung als Schulfach?

Die FDP-Fraktion bemängelte, in zentralen Punkten, beispielsweise bei der Einführung eines Schulfaches Ernährung oder der Umsatzsteuerbefreiung für Schulverpflegung, sei die große Koalition "heillos zerstritten". Bei der Lebensmittelkennzeichnung sei Minister Seehofer umgefallen, denn er sei jetzt für eine farbliche Unterlegung und damit für eine Ampel. Diese sei ebenso wie Werbeverbote für Süßigkeiten als "staatliche Bevormundung des Verbrauchers" abzulehnen. Auch der Markenverband sprach sich gegen derartige Werbeverbote aus und begrüßte "das Anliegen, bessere Prävention über Anreize und Motivation zu fördern". Die Deutsche Kinderhilfe kritisierte den Aktionsplan dagegen als an vielen Stellen unverbindlich. Appelle reichten nicht mehr aus. Sie forderte unter anderem verpflichtende Ernährungskurse für Eltern.

"Übergewichtige werden nicht erreicht"

"Der Aktionsplan packt das Problem nicht an den Ursachen, sondern es werden hauptsächlich Alibi-Maßnahmen vorgeschoben", sagte Höhn der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. "Übergewichtige Kinder werden so nicht erreicht." Die Pläne wimmelten von Selbstverpflichtungen, Konferenzen und Broschüren, wirksame Maßnahmen fehlten aber. Auch die Grünen-Ernährungsexpertin Ulrike Höfken kritisierte den Aktionsplan. Die genannten Ziele und Absichtserklärungen klängen zwar gut, schlügen sich aber nicht in konkretem Handeln nieder, sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwochausgabe). Der Plan sei von einer großen Unverbindlichkeit gekennzeichnet. Es fehlten staatliche Aktivitäten wie etwa konkrete Gesetzesvorhaben. Zudem beinhalte der Plan nicht wie zunächst angekündigt Werbebeschränkungen. So hätte die Werbung für alkoholische Getränke, die besonders Kinder und Jugendliche anspricht, ursprünglich verboten werden sollen. Davon finde sich im Plan nichts, sagte Höfken.

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