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Impfen: Deutsche vernachlässigen Impfschutz - das hat Folgen

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GESUNDHEIT | IMPFEN  

Blind durch Röteln und unfruchtbar durch Mumps

04.09.2008, 17:55 Uhr | lgs

Ein Plakat der Impfkampagne (Foto: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen)Ein Plakat der Impfkampagne (Foto: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen)Das Mädchen auf dem Plakat blickt ins Leere. Die Linsen ihrer Augen sind trüb, sie ist blind. Unter dem Bild steht der Schriftzug: "Lisa (9), blind durch Röteln". Das Plakat gehört zu einer Kampagne der Gesundheitsministeriums Nordrhein-Westfalen, es soll aufrütteln. Denn noch immer sind nicht alle Kinder gegen die typischen Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps oder Röteln geimpft. Verfügen Sie über den nötigen Impfschutz? Was passiert, wenn man als Erwachsener an vermeintlichen Kinderkrankheiten erkrankt?

Aufrüttelnde Motive Impfkampagne in Nordrhein-Westfalen
Übersicht Wichtige Impfungen für Kinder
Übersicht Wichtige Impfungen für Erwachsene

Kinderkrankheiten sind kein "Kinderkram"

Masern, Mumps, Windpocken oder Röteln. Diese Krankheiten kennen viele noch aus der eigenen Kindheit. Schon seit Jahrzehnten werden Kindern in Deutschland routinemäßig gegen diese Infektionen geimpft. Doch trotzdem rutschen immer wieder einige durch dieses engmaschige Impf-Netz. Das passiert besonders dann, wenn Eltern versäumen, den Impfschutz gegen diese Krankheiten bei ihren Kindern in einem Alter von etwa fünf Jahren nochmals auffrischen zu lassen. Deshalb ist es ratsam, den Impfstatus der Kinder regelmäßig von einem Arzt kontrollieren zu lassen. Doch was für Kinder gilt, ist auch für Erwachsene gleichermaßen empfehlenswert. Hier fand die Ständige Impfkommission heraus, dass nur zwei Drittel aller Deutschen über den richtigen Impfschutz verfügen.

Angst vor Epidemien

Durch Masern kommt es auch in Deutschland noch immer zu Epidemien. In diesem Jahr traf es vor allem den Süden Deutschlands. Bis Ende August kam es hier zu 879 registrierten Fällen von Masern in Bayern und Baden-Württemberg. Bereits 2006 bekam Nordrhein-Westfalen zu spüren, wie schnell sich Masern ausbreiten können. Innerhalb kurzer Zeit erkrankten 1749 Menschen an dem Masern-Virus, betroffen waren davon aber nicht etwa hauptsächlich Grundschulkinder, sondern vor allem Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren. Schuld daran war häufig die versäumte Auffrischung des Impfschutzes im Alter von fünf Jahren. Eine Schule in Freiburg griff deswegen zu drastischen Mitteln: In die Schule durften nur die Schüler, die die notwenigen Impfungen nachweisen konnten - alle anderen Kinder mussten zu Hause bleiben. Innerhalb kurzer Zeit erhöhte sich die Impfrate in dieser Region auf fast 98 Prozent.

Ein Plakat der Impfkampagne (Foto: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen)Ein Plakat der Impfkampagne (Foto: Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen)

"Peter (29), unfruchtbar durch Mumps"

Die Spätfolgen vieler Krankheiten werden oft erst nach Jahren bemerkt. So wie bei Mumps, aber auch bei Diphtherie oder Hepatitis. Mumps, das bei der Ersterkrankung oft in Form von Schwellungen hinter den Ohren auftritt, kann bei Männern auch zu einer Entzündung der Hoden führen - unbemerkt entsteht als Folge in späteren Jahren dadurch Unfruchtbarkeit. Diese Diagnose trifft viele wie aus dem Nichts, denn die Kinderkrankheiten hatte man ja bereits in der Kindheit "hinter sich gebracht". Gefährlich ist auch Diphtherie, denn als Spätfolge können dauerhafte Herzmuskelschäden zurück bleiben. Auch ein ungenügender Impfschutz bei Tetanus birgt ein hohes Risiko. Tetanuserreger dringen bei Verletzungen in den Körper ein und führen zu heftigen Muskelkrämpfen, die auch die Atemmuskulatur betreffen können. Es kann zum Ersticken kommen. Die Infektion verläuft fast immer tödlich. Der Grundimpfschutz gegen Krankheiten wie Tetanus, Diphterie und Masern erfolgt im Kindesalter. Impfungen gegen die typischen Kinderkrankheiten sollten noch im Kindesalter aufgefrischt werden. Erwachsene sollten die Impfungen gegen Tetanus und Diphtherie alle zehn Jahre auffrischen lassen.

Und was ist mit Hepatitis, Influenza und Kinderlähmung?

Immer mehr Deutsche erkranken an Hepatitis (Leberentzündung). Die Übertragung erfolgt über Blutkontakt, aber auch durch Geschlechtsverkehr. Die Krankheit äußert sich durch Übelkeit, Erbrechen und Fieber - manchmal kommt es auch zu einer Gelbsucht. Hepatitis B kann chronisch werden: Die Viren bleiben dann ein Leben lang im Körper, die Leberentzündung kann sich verschlimmern und zu Leberkrebs führen. Empfohlen wird die Impfung im Kindes- und Jugendalter, aber auch Erwachsene sollten sich unbedingt gegen Hepatitis impfen lassen. Die Virusgrippe (Influenza) hingegen wird schon durch Tröpfchen übertragen. Jährlich stecken sich viele Menschen damit an. Häufig entstehen Komplikationen wie eine Lungenentzündung oder Herzschädigungen. Die Impfung wird vor allem Personen über 60 Jahren empfohlen, sowie allen, die in medizinischen Berufen arbeiten. Durch jahrelanges konsequentes Impfverhalten konnte die Kinderlähmung in Deutschland ausgerottet werden. Der Virus befällt die Nervenzellen des Rückenmarks und führt zur Lähmung. In anderen Teilen der Welt kommt die Krankheit jedoch noch immer vor und kann auch Erwachsene gefährden. Eine Impfung wird bereits im Kindesalter empfohlen.

Impfungen ersetzen regelmäßige Untersuchungen nicht

Weiterhin sollte man sich auch gegen Meningokokken C und Pneumokokken impfen lassen. Beide Erreger werden durch Tröpfcheninfektion übertragen und können zu einer gefährlichen Hirnhautentzündung führen, die bleibende Schäden hinterlassen oder sogar tödlich verlaufen kann. Geimpft werden sollten sowohl Kinder, als auch Erwachsene, die über 60 Jahre alt und deren Immunsystem geschwächt ist. Humane Papillomaviren (HPV) gelten als Kofaktor für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs. Etwa 70 Prozent der Frauen kommen im Laufe ihres Lebens mit den Erregern in Kontakt. Oft bleibt die Infektion unauffällig, manchmal verändert der Virus jedoch die Zellen nachhaltig, so dass in späteren Jahren Gebärmutterhalskrebs ausgelöst wird. Die Impfung ist seit März 2007 für Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren möglich. Bisher liegen jedoch noch keine Langzeitstudien vor. Die Impfung ersetzt nicht die nötigen Früherkennungsuntersuchungen.


Die Menschen sensibilisieren

Die Impfkampagne, die in Nordrhein-Westfalen am 2. September gestartet ist, soll alle Teile des Bundeslandes erreichen. In zehn Städten finden zwei- bis dreitägige Informationsveranstaltungen statt, die für das Thema sensibilisieren sollen. "Uns geht es darum, die Bevölkerung noch besser zu schützen und die Durchimpfungsraten zu erhöhen. [...] Ich hoffe, dass diese Erkrankungen und ihre Folgen vielen Menschen erspart bleiben, so dass Aussagen wie "Blind durch ..." schon bald der Vergangenheit angehören können", erklärt Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Die Finanzierung der Kampagne übernimmt das Gesundheitsministerium.


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